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Die Tragödie von Lampedusa neben wunderbaren Neißelandschaften

Dieses Selbstbildnis von Horst Jurtz kündet vom schutzlosen Ausgeliefertsein einer Kreatur in schwieriger Zeit.
Dieses Selbstbildnis von Horst Jurtz kündet vom schutzlosen Ausgeliefertsein einer Kreatur in schwieriger Zeit. FOTO: Elsner
Cottbus. Klein, verletzlich, hilflos, so zeigt sich der Künstler auf dem den Ausstellungsraum im Heimatmuseum Dissen beherrschenden Selbstbildnis. Im Kontext der Drucke zum Thema "Lampedusa" wird der Grund klar. Ulrike Elsner

Hier leidet einer an den Dramen unserer Zeit. Wie die Datierung der Grafiken beweist, hat Horst Jurtz, 1934 in Weißwasser geborener Künstler, die Flüchtlingskrise bereits als Katastrophe wahrgenommen, als die meisten Leute nach den Abendnachrichten noch zur Tagesordnung übergegangen sind. "Etliche seiner Bilder strotzen nicht gerade vor Optimismus", stellte Laudator und Künstlerfreund Bernd Kremser bei der Ausstellungseröffnung fest. Aber Horst Jurtz wäre nicht Horst Jurtz, wenn ihn das tägliche Geschehen kalt ließe. "Furchtbare Vorkommnisse wie Lampedusa, die Anschläge in Paris, kiffende Jugendliche vor der schrecklichen Schlagzeile einer Tageszeitung, und München, Fukuschima, das Schicksal der Kinder im Nahen Osten - all das Unfassbare muss aus ihm heraus", weiß Bernd Kremser.

Doch die Ausstellung "Von Rügen bis zum Erlichthof", die noch bis zum 20. November im Heimatmuseum Dissen gezeigt wird, spiegelt die ganze Vielfalt des Lebens. Wunderschön seine kleinen Neißelandschaften oder die Inselkirche von Hiddensee, herrlich erdverbunden die Lasten tragende Waschfrau. Besonders beeindrucken seine Farbradierungen. Manches enthüllt seinen Sinn erst auf den zweiten Blick. Was nach einem Mohnblumenfeld aussieht, wird beim genauen Hinschauen zur Autoschlange nach einem Verkehrsunfall.

"Von Rügen bis zum Erlichthof" reiht sich ein in das vielfältige Ausstellungsgeschehen im Dissener Heimatmuseum. Die Ausstellung ist einen Besuch wert und dürfte an den verbleibenden Oktoberwochenenden Kunstfreunde und Ausflügler anlocken. Jetzt ist das Haus noch samstags von 11 bis 15 Uhr und sonntags sowie an Feiertagen von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Darauf weist Museumsleiterin Babette Zenker hin. Ab November ist das Museum an den Wochenenden nur auf Anfrage zugänglich.