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| 19:19 Uhr

Zuwanderung ist die Voraussetzung
Cottbus hofft auf Wachstum

     Die Bevölkerungsprognose für Cottbus bis 2040.
Die Bevölkerungsprognose für Cottbus bis 2040. FOTO: LR
Cottbus. Die Stadt rechnet mit einem Bevölkerungszuwachs – der ist aber nur durch Zuwanderung aus dem In- und Ausland möglich. Die Stadtteile entwickeln sich dabei sehr unterschiedlich. Von Peggy Kompalla

Die Stadt Cottbus hat ihre eigene Bevölkerungsprognose bis zum Jahr 2040 vorgelegt. Demnach wird sich die Zahl der Einwohner abhängig von äußeren Rahmenbedingungen unterschiedlich entwickeln – zwischen 96 000 und 114 000. Sicher ist nur eines: Cottbus ist auf die Zuwanderung von Menschen aus dem In- und Ausland angewiesen. Die Entwicklung in den Stadtteilen ist teils sehr verschieden.

Dr. Gustav Lebhart setzt seinen Ausführungen eine Definition voran. Bei dem IT-Chef der Stadt Cottbus sind alle Daten zusammengelaufen für die Prognose. Er erklärt: „Dabei handelt es sich um wohlbegründete Erwartungspräferenzen.“ Sprich: Die Zahlen werden mit Annahmen für die Zukunft kombiniert. Cottbus legt seinem Zahlenwerk deshalb drei Szenarien zugrunde. „Wir prognostizieren keine absoluten Zahlen, sondern einen Korridor“, sagt Lebhart. Dieser diene als Orientierungshilfe für die Stadtplanung.

Die positivste Annahme ist demnach der innovative Strukturwandel in der Lausitz. Der würde einen deutlichen Bevölkerungszuwachs auf 114 000 Einwohner im Jahr 2040 für Cottbus bedeuten. Das ist allerdings eine sehr rosige Zukunft für die Region, die auf der Annahme fußt, dass der Strukturwandel flankiert wird mit Förderprogrammen, wobei die Region aus dem Vollen schöpfen kann und hochwertige Arbeitsplätze entstehen. Cottbus würde sich dabei zu einem bedeutenden Wohn- und Schulstandort weiterentwickeln.

Für das Szenario digitale Stadt wird für das Jahr 2025 eine Trendwende vorausgesagt, die einen leichten Anstieg der städtischen Wohnbevölkerung nach sich zieht, weil die Stadt insbesondere für junge Familien attraktiv wird. Demnach könnte Cottbus bis zum Jahr 2040 auf 106 000 Einwohner anwachsen.

Die negativste Zukunftsvision würde ein stagnierendes Oberzentrum bedeuten. Demnach würde Cottbus in den nächsten Jahren kontinuierlich Einwohner verlieren. Bis zum Jahr 2040 würde die Bevölkerungszahl bei der Annahme auf 96 000 fallen.

Die Stadt Cottbus selbst blickt positiv in die Zukunft und geht in den nächsten Jahrzehnten von einem Wachstum aus. Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) hat in seiner Neujahrsansprache die Richtung vorgegeben: „Cottbus ist eine Stadt mit mehr als 100 000 Einwohnern. Das wollen wir auch bleiben. Ein erfolgreicher Strukturwandel ist dafür die Grundlage.“ Die Stadt müsse attraktiver für junge Menschen und Familien werden. Denn Cottbus ist auf die Zuwanderung angewiesen.

 Die Prognose für die Cottbuser Ortsteile bis 2025.
Die Prognose für die Cottbuser Ortsteile bis 2025. FOTO: LR / Schubert

Das betont Gustav Lebhart: „Das Wachstum von Cottbus hängt von der Migration ab. Sie ist der demografische Motor.“ Denn in der Stadt wird auch in Zukunft die Sterberate gegenüber der Geburtenrate überwiegen. Erstmals könne anhand der Prognose auch die Entwicklung der Bevölkerung nach Staatsangehörigkeit betrachtet werden. Demnach ist in allen drei Zukunftsszenarien die Zahl der deutschen Staatsangehörigen in Cottbus rückläufig. Der innovative Strukturwandel würde ab dem Jahr 2025 eine positive Entwicklung bedeuten. Bei der digitalen Stadt ginge es erst ab dem Jahr 2040 aufwärts. Die Zahl der EU-Bürger nimmt laut Prognose in allen drei Varianten zu. Derzeit leben 1600 Menschen aus anderen EU-Ländern in Cottbus. Diese Zahl könne auf 2000 bis 3000 ansteigen. Bei den Nicht-EU-Bürgern geht die Prognose bis zum Jahr 2025 von einer Zunahme aus, danach von einem Stagnieren der Zahlen. „Das liegt zum einen an der Familienzusammenführung, aber auch an wirtschaftlichen Anreizen“, erklärt Gustav Lebhart.

Mit der Prognose blickt die Stadt erstmals auch differenziert in die Stadt- und Ortsteile. Allerdings ist das aufgrund der Kleinteiligkeit der Gebiete nur bis zum Jahr 2025 möglich. „Wir können erstmals die Entwicklung in den Ortsteilen darstellen“, sagt der IT-Chef. Das geht bis zur Alterszusammensetzung in den einzelnen Gebieten. Demnach dominieren in Mitte derzeit die 20- bis 40-Jährigen. Das setzt sich laut Prognose in Zukunft fort. Dagegen machen in der Spremberger Vorstadt die älteren Jahrgänge die Mehrheit aus. Von den 19 Cottbuser Ortsteilen werden laut Prognose nur sechs Einwohner verlieren (siehe Grafik). Den stärksten Zuwachs erwarten die Statistiker für Ströbitz mit einem Plus von 3000 Menschen.

Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg erwartet bis zum Jahr 2030 für alle kreisfreien Städte einen Bevölkerungsrückgang – mit Ausnahme von Potsdam und Cottbus.