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| 13:55 Uhr

Burger Geschichte
Herr Jank feiert gleich zweimal die 60

Viele Investitionen von den Janks haben die Spreewald-Mosterei zu einer modernen Institution in Burg werden lassen.
Viele Investitionen von den Janks haben die Spreewald-Mosterei zu einer modernen Institution in Burg werden lassen. FOTO: Georg Zielonkowski
Burg. Seit sechs Jahrzehnten kommt der Most aus Burg. Der Saft geht dem Familienbetrieb noch längst nicht aus, sagt der heutige Chef. Von Georg Zielonkowski

„Ein exaktes Datum der Geschäftseröffnung lässt sich in unseren Unterlagen nicht finden, aber kurz vor der Apfelernte 1958 muss es gewesen sein, soviel ist sicher“, sagt der heutige Inhaber der Burger Spreewald-Mosterei Hans-Joachim Jank. Da er selbst dieser Tage 60 Jahre alt wurde, ist verständlich, dass er zu den ersten Jahren der Firma Einzelheiten kaum nennen kann. Doch dass Opa Jank am Ort der heutigen Firma einen Gemüsegroßhandel betrieben hat und Vater Friedrich danach einen  Obst-Verarbeitungs-Betrieb eröffnete, geht aus den Unterlagen hervor. „Anfangs wurde bei uns nur das Obst gepresst und die Kunden nahmen den Rohsaft in Kannen und Eimern heim. Zumeist wurde der Saft daheim in Glasballons zu Wein angesetzt oder der Saft wurde abgekocht, um ihn haltbar zu machen. Die erste Abfüllanlage wurde bei uns erst später installiert“, erzählt Hans-Joachim Jank.

Er selbst ging in der bekannten Mosterei Lockwitzgrund bis 1977 in die Lehre, später schloss er das Fachschulfernstudium als Lebensmittelingenieur ab. Bis zur Wende war das Geschäft nahe der Burger Ringstraße für die Besitzer von Obstbäumen eine großartige Adresse, um das eigene Obst zu Saft oder Wein verarbeiten zu lassen. So war es in den 80er-Jahren üblich, dass schon am Sonntagnachmittag die ersten Autos mit den Obst-beladenen Anhängern in langer Reihe Aufstellung nahmen, um am Montagmorgen zentnerweise Äpfel abzugeben. „Der Boom lag daran, dass wir an jeden Kunden nur maximal 100 Flaschen Apfelwein ausgegeben haben, damit möglichst viele Leute das beliebte, zudem auch preiswerte Getränk abnehmen konnten“, erinnert sich Christina Jank. Die Ehefrau des Betreibers ist seit Jahr und Tag für den Schriftkram des Betriebes verantwortlich.

Was bis zur politischen Wende der Renner war, sollte direkt danach beinahe im Fiasko enden. Aufgrund der geringen Lieferungen der Kundschaft schrumpfte auch Janks Belegschaft von zwölf auf drei Mitarbeiter. „Weil die Leute in den Supermärkten die vielen verschiedenen Säfte und Nektare sahen, sich von der Werbung und den bunten Etiketten verführen ließen und meinten, dass Granini ja viel besser sei, als die jahrelang bewährte Ware von uns. Ich sehe noch heute unsere Mutter am Küchentisch sitzen und bittere Tränen weinen, weil ihr Lebenswerk zu Ende zu gehen schien. Nur weil uns die Burger Gastronomen die Treue hielten und weiter unsere Waren abgenommen haben, konnten wir überleben“, zeigt sich Inhaber Jank noch heute dankbar.

Da sich das Blatt recht bald wieder wendete und sich die Kundschaft auf Bewährtes besann, investierte „Hajo“ Jank Jahr um Jahr in den Betrieb, um diesen auf modernem Niveau zu halten. Zunächst wurde von Kohle- auf die Ölfeuerung umgestellt, moderne Press- und Glaswaschanlagen wurden angeschafft und 2001 kam eine moderne Abfüllanlage dazu.

So werden seither durchschnittlich 350 bis 400 Tonnen der verschiedensten Obstsorten verarbeitet. Nur eben im Vorjahr nicht, als der Frost in der Lausitz nahezu jede Blüte erwischte und somit nur geringste Mengen Obst an den Bäumen hingen. Ganze 40 Tonnen konnte dadurch 2017 verarbeitet werden, für einige der zehn Mitarbeiter hieß das ungewollte Freizeit. Doch im Gegensatz dazu verspricht die Erntezeit 2018 wohl ganz große Ernteergebnisse. „Derzeit sieht man sich in der Last biegende Bäume. Ob aber bei der Menge auch alle Früchte bis zur Reife kommen oder sie am Ende doch noch abfallen, muss abgewartet werden. Wir jedenfalls sind gut vorbereitet“, so der Chef der Lohnmosterei, der durch die Inbetriebnahme einiger Annahmestellen zum Beispiel in Guben, Spremberg und Calau seiner Kundschaft deutlich kürzere Wege anbietet.

Der Produktvielfalt wurde in den letzten Jahren eine immer größer werdende Aufmerksamkeit geschenkt, so dass eine Vielzahl von Säften, Weinen und Likören in  den Regalen der eigenen Verkaufseinrichtung gegenüber der Mosterei im „Saftladen“ steht. Ein weiteres Standbein haben sich die Janks in der Burger Bahnhofstraße aufgebaut. In der „Genusswelt“ kann man wie es der Name des Geschäfts verspricht, genüssliche Spezialitäten erwerben. So zum Beispiel Spirituosen, Balsamico-Essige und Dips. „Der Spreewald, Burg und die berühmte Gurke gehören zusammen, das ist bekannt. Doch auch der Meerrettich gehört ganz eng zum Spreewald. So kamen wir auf die Idee, einen Meerrettich-Likör zu produzieren. Dieser wird von den Einheimischen, genau wie von den Spreewald-Gästen gleichermaßen probiert und gern gekauft. Beispielsweise nehmen unsere Urlauber die hübschen, schlanken Flaschen gern als Souvenir für die Daheimgebliebenen mit nach Hause“, sagt Christina Jank.

Großer Andrang in den 80ern. Nach der Wende geriet die Mosterei ins Straucheln.
Großer Andrang in den 80ern. Nach der Wende geriet die Mosterei ins Straucheln. FOTO: Georg Zielonkowski