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| 01:24 Uhr

„Die Sprache hat mich schon immer interessiert“

Jutta Kaiser freut sich über den Domowina-Preis. Foto: jul1
Jutta Kaiser freut sich über den Domowina-Preis. Foto: jul1 FOTO: jul1
Guhrow. Der Bund Lausitzer Sorben vergibt jedes Jahr den Domowina-Preis für besondere Leistungen zum Erhalt und zur Entwicklung der sorbischen Kultur und Sprache. Jutta Kaiser aus Guhrow (Amt Burg) gehört zu den vier Preisträgern. Von Marion Hirche

“Ich war ganz überrascht, als ich von dieser Auszeichnung hörte. Ich habe doch mein Leben lang nur meine Arbeit gemacht. Die Sprache hat mich schon immer interessiert„, erklärte die 70-Jährige nach der Verleihung in dieser Woche in Bautzen.

Jutta Kaiser hat seit Beginn der 60er-Jahre in der sorbischen Redaktion des Senders Cottbus gearbeitet. Nach der Wende hatte sie der sorbischen Redaktion des ORB im Studio Cottbus auf die “Beine geholfen„. Noch heute erinnert sie sich gern an ihre Reportagen. Spaßig im Nachhinein war der Bericht von den Hirschen aus Drachhausen. Wegen fehlender Sondergenehmigungen durfte der Wald im Militärgebiet nicht betreten werden, und das Hirschröhren wurde von Menschen deshalb als Geräuschkulisse täuschend echt imitiert. Bewegend war die mehrmalige Begegnung mit der sorbisch/wendischen Schriftstellerin Mina Witkojc, vor allen der letzte gemeinsame Besuch mit der Autorin in Zahsow.

Als Redakteurin hat es Jutta Kaiser stets als ihre Aufgabe angesehen, an der sprachlichen Qualität zu arbeiten. “In unseren Reportagen haben wir immer versucht, die Dialekte der einzelnen Dörfer aufzugreifen. Vor allem in den 60er- und 70er- Jahren war es sehr schwierig, Menschen zu finden, die mit uns am Mikrofon Sorbisch gesprochen haben, weil immer noch die Angst des früheren Verbots der Sprache da war„, erinnert sich die Guhrowerin.

Jutta Kaiser gehörte zu den Initiatoren in der Niedersorbischen Sprachkommission, veröffentlichte auch die Geschichtensammlung “Vom Leben auf dem Lande„ samt Hörbuch. Noch heute arbeitet sie in der Perikopengruppe mit, die sich mit der Modernisierung der Niedersorbischen Sprache in biblischen Texten befasst.

Auch nach ihrer Pensionierung im Jahr 2000 ist sie dem Sender rbb treu geblieben, liefert nach wie vor Informationen für das Programm. Sie unterstützt ihre Enkelkinder beim Erlernen der sorbisch/wendischen Sprache, spricht mit Fabian und Maria genau wie einst ihre Großmutter in Wendisch. Jutta Kaiser freut sich, dass in ihrem Heimatdorf mit dem Hahnschlagen die sorbisch/wendische Erntefesttradition von der Jugend in diesem Jahr erstmals wieder aufgegriffen wurde. jul1