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"Die Sonnenstrahlen warten immer auf ihn"

Brody. Bilderbuchwetter hat Brody zur Präsentation des Bildbandes "Grenzenlose Gartenträume". Die Kunsthistorikerin Marina Heilmeyer und der Fotodesigner Hans Bach stellten ihr Buch gemeinsam mit dem polnischen Übersetzer Jerzy Bielerzewski vor. Es vereint vier große Parks, für die es sich lohnt, ganz früh aufzustehen. Annett Igel-Allzeit

Das Licht der aufgehenden Sonne jagt durch die leeren Fenster des Schlosses Brody (einst Pförten). Es legt sich quer zu den Koppelbändern auf der großen Wiese. Hans Bach, der Fotograf, war mal wieder viel früher wach als die Pferde. Gegen vier Uhr muss er das Fahrrad und die Kamera ins Auto gelegt haben. Noch laufen keine Menschen durch den Park, nur zwei große Vögel schwingen sich weich in den Himmel. Marina Heilmeyer liebt seine Fotos. "Die Sonnenstrahlen warten immer auf ihn. Wie er das macht, weiß ich nicht", sagt sie. Die Parks in Brody, Bad Muskau, Branitz und den Rosengarten in Forst haben sie gemeinsam erobert. Bach ist ein Frühaufsteher - "nur im Winter nicht", sagt er. Deshalb fehlt der Schnee unter den über 40 veröffentlichen Fotos. Aber Reif lässt die Muskauer Wiesen starr liegen. Der blaue Abend beginnt über dem Tumulussee in Branitz. Nebel macht die Erwartung mit Kerzenlicht und Flagge im Branitzer Schloss noch geheimnisvoller. Und fröhlich plätschert das Wasser im Forster Rosengarten. Marina Heilmeyer erzählt die Geschichte des Schalenbrunnens, die den ältesten der vier Parks - Brody - und den Forster Rosengarten - die jüngste Anlage - verbindet. Ihrer Spurensuche in Brody stellt sie Worte des Schriftstellers und Pädagogen Christian Felix Weiße (1726-1804) voran. Zum Forster Garten passen Bertolt Brechts "Sieben Rosen hat der Strauch / Sechs gehör'n dem Wind". Über den Muskauer Park soll kein Geringerer nachdenken als Hermann Fürst von Pückler-Muskau mit "Nichts ist ewig, aber ewig schaffen ist göttlich." Und vor der Branitzer Abhandlung - romantisch blau unterlegt - verkündet Ludmilla Assing, die Biografin des Fürsten: "Branitz war eines Poeten lieblicher Traum, der zur Wirklichkeit wurde . . . "

Die Historikerin Marina Heilmeyer hat viel zusammengetragen. Eine ganz besondere Entdeckung, gesteht die Kunsthistorikerin, die vor allem für das Botanische Museum in Berlin arbeitet, sei eben der Park in Brody. "Nachdem wir diesen Park das erste Mal gesehen hatten, sagten wir dem Verlag endgültig zu", erinnert sich Marina Heilmeyer. Im Herbst, so Fotodesigner Hans Bach, hat der Park auch noch diesen morbiden Charme. Bach, der aus Heidelberg stammt, lebt und arbeitet seit 1994 in Potsdam als freischaffender Fotograf. Seine Schwerpunkte sind Architektur und Landschaften. Er arbeitet vor allem für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Seit mehr als einem Jahrzehnt trifft er bei Projekten immer wieder auf Marina Heilmeyer. Und dieses Team liefert ein erstaunliches Gesamtpaket: Seine Fotos machen neugierig, und sie erfüllt die Neugier mit Recherchen: zu den acht Achsen des Jagdsterns im nahen und immer noch dichten Wald, zur Doppelfunktion der Orangerie, in der Friedrich Aloys von Brühl zu einer der ersten deutschen Aufführungen von Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" eingeladen haben soll, und zum zertrümmerten Sarkophag, der unter anderem auch an das Trauma der Brühls erinnert - 1758 brannte das Schloss im Siebenjährigen Krieg erstmals nieder.

Das Buch bestätigt die Arbeit des Europäischen Parkverbundes Lausitz - seit fünf Jahren vereint er die vier Gartenparadiese zwischen Spree und Neiße. Für Deutsche wie Polen gibt es viel zu lesen. Die meist querformatigen Fotos bekommen bis zu zwei Seiten Platz. Und stolz auf seine Mitarbeit ist der Übersetzer Jerzy Bielerzewski. "Einiges Fachwissen zur Geschichte und den Parkanlagen bringe ich ja mit. Und dass immer mal wieder Änderungen zu kleinen Passagen kommen, ist normal. Nur einige Bildunterschriften mochte ich nicht blind übersetzen, da musste ich erst die Fotos dazu sehen", so Jerzy Bielerzewski. Bleibt zu hoffen, dass das Buch zu Parkbesuchen einlädt. Hans Bach hat nur ein Viertel seiner Bilder im Buch veröffentlichen können - zudem zeigen Parks jeden Tag neue Bilder.

"Grenzenlose Gartenträume" erscheint in der Edition Braus in Berlin, 29, 95 Euro, ISBN 978-3-86228-112-1