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| 02:47 Uhr

Die Silberhochzeit der sorbischen Tradition

Dissen. Erika Jahn sitzt in ihrem gemütlichen Heim in Dissen und liest die Zeitung der Niederlausitzer Sorben. Marion Hirche

Sie beherrscht die Sprache perfekt. In Rohne aufgewachsen, redete sie in den ersten Jahren ihres Lebens mit ihren Eltern nur Sorbisch, erzählt die geistige Mutter des Dissener Museums.

Erst in der Weltkriegszeit wurde die heute 76-Jährige nach eigenen Worten gezwungen, sich mehr und mehr in Deutsch zu verständigen. Dank ihrer Schulzeit in Ceska Lipa und Varnsdorf sei ihre Muttersprache aber nicht auf der Strecke geblieben. "Ich wurde Sprachlehrerin, lernte auch Russisch", berichtet sie.

Nach einem Intermezzo in der Region Weißwasser folgte sie dem Ruf in die Niederlausitz. Hier wurden Ende der 50er-Jahre dringend Sorbischlehrer gebraucht. Mit Hermann Jahn gründete sie in Dissen eine Familie. Bis Anfang der 80er-Jahre arbeitete sie als Sorbisch- und Russischlehrerin.

Als die Schule im Jahr 1982 in Dissen auszog, sah sie eine Chance, in den nun frei gewordenen Räumen das auszustellen, was sie bis dahin über das dörfliche Leben und die sorbischen Traditionen gesammelt hatte.

Eine kleine Ausstellung in den Kellerräumen des heutigen Museums über Mina Witkojc wurde im März 1983 eröffnet. "Damit war der Anfang gemacht. Ich wollte immer etwas für unsere sorbischen Traditionen tun. Da war dieser Ort in der Nachbarschaft zum Schwela-Denkmal und zu der Kirche mit den sorbisch/wendischen Inschriften besonders geeignet", erinnert sich Erika Jahn.

Gemeinsam mit Martina Noack, Christina Kliem und Siegfried Kohlschmidt wurden Ideen zur Erweiterung der Heimatstube entwickelt und im Verlauf der Jahre mit Unterstützung vieler Helfer in die Tat umgesetzt. Viele Zeugnisse dörflichen und wendischen Lebens wanderten von den Dissener Dachböden und Scheunen in die erweiterten Ausstellungsräume: "Den Pflug hat mir zum Beispiel Familie Greschenz gegeben."

Die Dissener packten mit an beim Erhalt des Hauses. Vitrinen wurden in der Tischlerei von Jahns gebaut. "Wenn sich Besucher angemeldet hatten, habe ich eine Stunde vor ihrem Eintreffen immer den Ofen angefeuert", weiß sie noch heute genau.

Mit Geld von den Kulturministerien Brandenburg und Sachsen wurde Anfang der Neunziger eine Heizung eingebaut. Im Jahr 1992 wurde der Förderverein des Heimatmuseums gegründet, der heute 39 Mitglieder hat. Im Jahr 1993 wurde mit Babette Zenker die erste geförderte Arbeitskraft des Vereins angestellt. "Das war ein Glücksgriff. Babette Zenker kannte viele Leute, die uns weiter helfen konnten. Sie hat sich voll mit meiner Idee identifiziert, hat viele neue Vorschläge eingebracht", sagt Erika Jahn über die heutige Museumschefin.

Im Jahr 1993 zog der Kindergarten, der in dem Haus beheimatet war, aus - und so konnte noch im gleichen Jahr unter dem Dach die Küchenausstellung eröffnet werden. In den neuen Räumen gab es bisher 50 Sonderausstellungen. Die Gemeinde und das Amt Burg haben seitdem das ganze Haus saniert.

"Für mich ist mit dem Heimatmuseum ein Traum in Erfüllung gegangen", sagt die 76-Jährige. Sie wird natürlich dabei sein, wenn an diesem Wochenende die "Silberhochzeit" des beliebten Museums gefeiert wird.