ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:49 Uhr

Aus dem Gerichtssaal
Die seltsame Angst des Zeugen

Cottbus. Im Maskenmann-Prozess verzögert sich das Urteil bis Mitte Mai. Obwohl der Angeklagte gestanden hat.

(hil) Ein Mann überfällt mit einem Komplizen einen Imbiss, wird später gefasst und legt ein Geständnis ab. Trotzdem hat ein zufälliger Zeuge derartige Angst, dass er nicht vor Gericht erscheint.

Eigentlich hätte es am Donnerstag vor dem Landgericht durchaus zu einem Urteil im Prozess gegen Christian W. (zur Tatzeit 25) kommen können. Er hatte gestanden, mit seinem Komplizen Ralf H. den Asia-Imbiss in der Straße der Jugend überfallen zu haben. Die Inhaber wurden dabei mit einer Waffe und Pfefferspray bedroht. Die Täter erbeuteten dabei 300 bis 400 Euro und ein teures Handy.  

Ein Gast, der ebenfalls bedroht worden war, hatte bereits am ersten Prozesstag ausgesagt, jetzt kam das vietnamesische Gastwirtsehepaar ausführlich zu Wort. Die Wirtin (48) und ihr Mann (49) erzählten von jenem Oktoberabend, als plötzlich zwei dunkel gekleidete maskierte Männer vor ihnen am Tresen standen. „Ich war völlig schockiert“, erinnert sich die Wirtin. Und bis heute spürt man, wie sehr sie das Erinnern belastet. Die Angst vor den bewaffneten Männern hat sie nicht verlassen, und auch ihr Mann sagt: „Ich hoffe, dass die Täter eingesperrt werden, damit ich mich nicht mehr fürchten muss.“ Der eigentliche Überfall dauerte nur wenige Minuten, in großer Eile rafften die Räuber ihre Beute zusammen, liefen aus dem Lokal und rissen sich die Masken vom Kopf. Dabei wurden sie von einem zufällig vorbeikommenden Passanten gesehen. Er konnte Christian W. später anhand seiner auffälligen Tätowierung über dem linken Auge identifizieren. Donnerstag sollte er vor Gericht aussagen.

Richter André Simon: „Er hat mich vor der Verhandlung angerufen und gesagt, dass ihm bei dem Gedanken an eine Aussage mulmig sei.“ Der Richter wies ihn auf seine Zeugenpflicht hin – trotzdem blieb der Mann dem Gericht fern. Der Versuch, ihn von der Polizei vorführen zu lassen, schlug fehl. Jetzt wird er für den 14. Mai erneut vorgeladen, muss ein Ordnungsgeld von 200 Euro zahlen. Trotz des vorliegenden Geständnisses muss das Gericht alle Zeugenaussagen würdigen – ein falsches Geständnis soll so ausgeschlossen werden.

Der vermeintliche Komplize Ralf H. wurde Monate nach der Tat ebenfalls gefasst. Gegen ihn hat die Staatsanwaltschaft ebenfalls Anklage erhoben, über die Eröffnung der Hauptverhandlung ist noch nicht entschieden. Außerdem liegen beim Landgericht zwei weitere Anklagen gegen das Masken-Duo vor. Die beiden Männer sollen zwei Tage nach dem Asia-Imbis eine Gruppe Jugendlicher und zwei Pizzaboten überfallen haben.

(hil)