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Die schmiedeeiserne Nachbarschaft

Die zweite Seite der Schmiedegasse wird laut Gemeindevertretung definitiv bebaut werden. Einen genauen Termin für den Baustart gibt es noch nicht.
Die zweite Seite der Schmiedegasse wird laut Gemeindevertretung definitiv bebaut werden. Einen genauen Termin für den Baustart gibt es noch nicht. FOTO: Jenny Theiler
Kolkwitz. Im Kolkwitzer Ortsteil Krieschow soll Wohnraum geschaffen werden. Einige Anwohner beschweren sich, da Natur und Ortsbild gefährdet seien. Jenny Theiler

Eine breite Wiesenlandschaft erstreckt sich am Rande der Schmiedegasse im Ortsteil Krieschow. Der derzeitige Eigenheimbedarf würde in zahlreichen ländlichen Ortsteilen ansteigen, so auch in Krieschow, bestätigt der Kolkwitzer Bürgermeister Fritz Handrow. Um mehr Wohnraum zu schaffen, soll schon bald die unbebaute Seite der Schmiedegasse als Wohnbaufläche genutzt werden. Insgesamt bietet die freie Wiesenfläche Platz für acht weitere Grundstücke. Einige Anwohner der ländlichen Straße stehen dem geplanten Projekt allerdings sehr kritisch gegenüber und haben im Juni diesen Jahres Einwände erhoben.

Das Vorhaben, die freie Grünfläche der Schmiedegasse zu bebauen, besteht bereits seit mehr als 20 Jahren, erklärt Fritz Handrow. "Im Flächennutzungsplan von 1995 war die Schmiedegasse als künftige Wohnbaufläche von Anfang an vorgesehen", so der Bürgermeister. 2015 wurden die Kolkwitzer durch die Gemeindevertretung gefragt, ob Wünsche oder Änderungen bestehen würden. Es habe nie Einwände gegeben. Erst in diesem Jahr wurden die Beschwerden laut. In einem Schreiben vom 13. Juni haben sich sieben Familien aus der Schmiedegasse an die Gemeindeverwaltung Kolkwitz gewendet und ihre Bedenken zum geplanten Wohnbauprojekt geäußert.

Durch die beidseitige Bebauung würde die natürliche Grenze zwischen wohn- und landwirtschaftlichen Nutzungsflächen verschoben werden, heißt es in dem Schreiben. Zudem solle die Gemeinde lieber den Fokus auf die Bebauung der Kerngebiete in der Großgemeinde legen. "Es ist auch kein gutes Erscheinungsbild für die Gemeinde, wenn Wohnbaugebiete nicht vollständig ausgelastet sind", wendet Martin Budischin, ein Anwohner der Schmiedegasse, ein.

Eine bauliche Alternative gibt es laut Fritz Handrow jedoch nicht, da Krieschow kaum Wohnleerstand hat. "Wir sind sehr froh, dass das mit dem Bebauungsplan geklappt hat", erklärt der Bürgermeister, denn die Zielsetzung der Kommunen besteht nämlich darin, in erster Linie Zentren, also Städte, zu stärken.

Beim Bauprojekt Schmiedegasse handelt es sich aber um eine Privatinitiative. Die Eigentümer der freien Grundstücksflächen haben der Gemeinde Kolkwitz einen Bebauungsplan vorgelegt, der anschließend genehmigt wurde. Die Erschließung der Fläche, also der Anschluss an sämtliche Medien und Sanitäranlagen, wird von den Eigentümern auf eigene Faust durchgeführt. Die Gemeinde muss die Kosten dafür nicht tragen.

Die verärgerten Familien in der Schmiedegasse sind jedoch der Meinung, dass mit einer beidseitigen Bebauung nicht nur das Ortsbild geschädigt, sondern auch Wildtiere und verschiedene Vogelarten verdrängt werden, wenn noch mehr landwirtschaftliche Nutzfläche versiegelt wird. Der Erholungsfaktor, den der östliche Teil von Krieschow bietet, solle nicht außer Acht gelassen werden, ebenso wie die Nähe zum Friedhof, der sich am Ende der Straße befindet, heißt es im Brief an die Gemeinde.

Die Einwände der Anwohner wurden vom Bauamt Kolkwitz eingehend geprüft. Die Ergebnisse der Gutachten sind am 5. Juli bei der Gemeindeversammlung verlesen worden. Weder Tier noch Mensch würde durch das geplante Projekt Schaden nehmen. Beim Bebauen würde natürlich auch darauf geachtet werden die angemessene Nähe zum Friedhof beizubehalten. Das Ortsbild würde keineswegs geschädigt werden, sondern viel mehr vervollständigt, meint Fritz Handrow. Eine beidseitige Straßenbebauung ist außerdem vom Gesetzgeber vorgeschrieben, da diese Art der Flächennutzung wirtschaftlich und infrastrukturell günstiger ist.

Einige Anwohner sehen dem künftigen Wohnbau wohlgesonnen entgegen. Maik Sawitzki wohnt ebenfalls in der Schmiedegasse und ist Mitglied im Wohn- und Bauausschuss und im Ortsbeirat Krieschow. "Wir haben schon einige Bauanfragen von jungen Leuten bekommen. Es ist schön, wenn wir Wohnraum für junge Familien schaffen können", äußert sich der Krieschower. Auch Ortsteilbürgermeister Daniel Schenker befürwortet das Bauprojekt. "Es haben sich schon einige Rückkehrer für ein Grundstück angemeldet. Das ist für die Gemeinde sehr gut", meint Daniel Schenker. "Natürlich kann man auch die ander Seite der Nachbarschaft verstehen, aber wir werden aufpassen, dass auch alles ins Ortsbild passt", verspricht der Ortsteilbürgermeister.