ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:38 Uhr

Gastlich im „Schillerschlößchen“
Die Schillerstraße in Cottbus

FOTO: Heute: Dora Liersch - Damals: Sammlung Hans Krause
Cottbus. Diese alte Ansichtskarte zeigt uns ein Stück der Schillerstraße, die man eigentlich gar nicht so wahrnimmt. Die Bebauung ist überwiegend aus dem 19. Jahrhundert und heute kaum noch vorhanden. Von Dora Liersch

Einziges Gebäude, das auch als Anhaltspunkt dem Fotografen diente, der von der Berliner Straße aus kam, ist das Haus Schillerstraße 63, das Ecke August-Bebel-Straße steht und mit seinem Dachaufbau mit Türmchen, sowie der nördlichen Seitenwand über die kleineren, älteren Häuser ragt. Die Ansichtskarte ist sicher kurz vor dem Ersten Weltkrieg entstanden, denn die Schillerstraße 63 ist als später Jugendstilbau in den Jahren 1909/1910 erbaut worden.

Die Schillerstraße erhielt ihren Namen erst 1908, zuvor war es die Weststraße und unter dieser alten Bezeichnung findet man auch die erste Bebauung, die von der damaligen Berliner Chaussee aus zugängig war. Das große Eckgrundstück, auf dem heute die LWG ihren Sitz hat und wo zur Schillerstraße zu ein Naturdenkmal, ein wunderbarer recht alter Maulbeerbaum (morbus alba) steht, gehörte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dem Zimmer- und Maurermeister Otto Rost (1838-1897) und später seinem gleichnamigen Sohn. Die West- und später auch die Schillerstraße hatte dadurch nie eine Nummer 1 oder 2.

Die erste Bebauung der Weststraße fängt tatsächlich erst mit der Nr. 3 an. Der Schmiedemeister Friedrich Brill hatte sich in der Weststraße 3 niedergelassen. Hier lag seine Schmiedewerkstatt günstiger als zuvor in der Roßstraße. 1897 betrieb der Schmiedemeister August Nowka diese Werkstatt. Ihm gehörte auch das Nachbarhaus. Inzwischen hatte es eine Neunummerierung der Straßen in Cottbus gegeben und Nowkas Häuser erhielten die Bezeichnungen Weststraße 4 und 5.

Im Haus Nr. 6 hatte sich ein Restaurateur niedergelassen. War es 1891 Gustav Tschömer, so folgte ihm Paul Zinner. Er gab dem von ihm betriebenen Restaurant nach der Straßenumbenennung den Namen „Schillerschlößchen“. Als Gründungsdatum nannte Paul Zinner den 1. August 1893. Als neue Hausnummer wurde für Paul Zinner aus der 6 nun eine 8 und so ist es bis heute geblieben. Allerdings sucht man heute das „Schillerschlößchen“ vergeblich, auch wenn der Name der Gaststätte und auch der Name von Paul Zinner selbst den heutigen Cottbusem und Kennern der Gastronomie noch bekannt sein müsste, da die Gaststätte auch zu DDR-Zeiten ein beliebter Treffpunkt war. Zuletzt war eine Gaststätte mit einem orientalischen Namen an dieser Stelle.

Die Grundstücke Schillerstraße 3 und 4 gehörten der Stadtgemeinde. Diese hatte das Grundstück an den Bildhauer Franz Iglauer verpachtet. Dieser warb 1919 mit Friedhofskunst nach eigenen Entwürfen, Stuck, Kunststein, Zementwaren, Hartgipsformen und Terrazzoausführungen. Um 1930 übernahmen Heller & Thiele das Stuck- und Kunststeingeschäft.

Die Häuser das Schmiedemeisters Nowka (auch Nowke geschrieben) Nr. 5,6,7 waren in den Besitz von Karl-Heinz Becker übergegangen, dem die Chemische Fabrik Becker & Co. gehörte. Nr. 8 war das „Schillerschlößchen“, das 1940 Paul Zinner jun. betrieb. Haus Nr. 9 gehörte zunächst dem Händler J.G. Heinrich, ab etwa 1908 dem Kaufmann und späterem Musikerzieher Ottomar Wiesner, der das Haus auch noch 1940 besaß.

Auf unserer alten Postkarte postiert sich vermutlich der Schmiedemeister Nowka, der vielleicht den beiden Pferden neue Hufeisen aufgeschlagen hat. Damit dürften dies die alten Häuser der Weststraße 4 und 5, der späteren Schillerstraße 5,6 und 7 sein. Leider ist der Baumbestand in der Straße voll belaubt und dadurch sind die Fassaden der Häuser, meist zweietagig und zum Teil mit ausgebautem Dachgeschoss nicht in ihrer einfachen schlichten Gestaltung zu sehen. Heute sind die Bäume auf der linken Bildseite nicht mehr vorhanden. Die Baumreihe auf der rechten Bildseite ist der Feldahom, ein buschig wachsender, sommergrüner Baum, der fünf bis 20 Meter groß werden kann.

Wer heute von der Berliner Straße aus in die Schillerstraße geht,  findet zur linken Seite einen größeren interessant gestalteten Neubaukomplex, der unter dem Namen Schillerresidenz bekannt wurde. Aber auch die anderen Häuser sind teilweise stark verändert, aufgestockt, oder gar erneuert worden.

⇥www.lr-online.de/
⇥historischelausitz