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Die Saurier, Du und Pink Floyd

Die Tänzer des Piccolo Jugendklubs wurden bei der Premiere ihres neuen Stücks "The Wall" begeistert gefeiert.
Die Tänzer des Piccolo Jugendklubs wurden bei der Premiere ihres neuen Stücks "The Wall" begeistert gefeiert. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Gutes Theater zu machen ist im Prinzip ganz einfach. Die Idee muss glasklar sein. Dann braucht es bloß noch eine Bühne. Licht. Und sehr gute Spieler. Manchmal, aber nur manchmal, kommen diese Komponenten zusammen. Wenn man da gerade dabei ist, dann hat man echt Glück. Ich nehme es mal vorweg: Ich hatte einen sehr glücklichen Abend. Kommentar des Knaben auf dem Nachbarsitz nach dem Schlussakkord: Un-glaub-lich. Sylvia Belka-Lorenz / sbk1

"The Wall" ist Tanztheater nach dem berühmten Pink-Floyd-Album. Das Projekt ist das neueste Baby dieses Theaters: Das Erfolgsmodell Piccolo Jugendklub gibt es nun auch in Tanz. Das Potenzial ist da: Die süßen kleinen Tanzmäuse der hauseigenen Gruppen sind nicht mehr die jüngsten. Sie sind jetzt zwischen 16 und 18. Und schon lange sind die nicht mehr niedlich, sondern kluge, ernsthafte Künstler. Und man tut gut daran, die ernst zu nehmen, heißt: denen eine sehr erwachsene Aufgabe zu verpassen. Piccolo-Gründer Reinhard Drogla hat das gemacht. Hat die Jugendlichen sich auf den Fußboden legen lassen und Pink Floyd aufgelegt und gesagt: Horcht mal. Der Sound sei damals sofort angekommen, die Wucht dieser Musik.

"The Wall" erzählt die unendliche Geschichte von Isolation. Junger Mensch auf dem langen Weg vom Mutterschoß Richtung Erwachsenwerden. Laufen lernen, leben lernen, lieben und loslassen. Vor Michael Jacksons "Thriller" war "The Wall" das meistverkaufte Album der Welt. Irgendeinen Nerv muss es wohl getroffen haben. So war auch die Freude über das Projekt zunächst bei den Eltern der jungen Leute größer als bei ihnen. Pink Floyd. Das muss kurz nach den Sauriern gewesen sein.

Im Laufe der Monate haben die jungen Tänzerinnen und Tänzer sich das so zu eigen gemacht, dass man schier heulen könnte. "The Wall", zu deutsch: die Wand, die Mauer. Die wird hier ziemlich schlau mit Getränkekisten gebaut, ist mal eine große Mauer, mal isolierende Wand, mal sind die Kisten Schulbänke, stehen für das innere "Mauern" oder sind ein cleveres Regal für High Heels- aber den Life hack müssen Sie sich bitte selber abgucken.

Die jungen Leute tanzen. Sie sind zu elft, eine Mannschaft. Tanzen mal solo und mal als Duett. Mal nur die Mädchen, mal die beiden Jungs oder alle zusammen. Sie übersetzen ihr Leben in Bewegung, die Freude, den Schmerz, den Kampf und den Krampf. The Wall 4.0.

Das hat Choreografin Zaida Ballesteros Parejo mit ihnen erarbeitet- niemand weiß mehr zu sagen, in wie vielen Stunden. Das Ergebnis wurde von einem ausverkauften Haus am Samstag euphorisch gefeiert - und das waren nicht alles Eltern.

Ich habe die jungen Leute gefragt, was bei ihnen angekommen ist von der alten Pink-Floyd-Geschichte. Auf einmal saßen alle elf um mich und antworteten unisono: Die Mauern müssen weg. Wir brauchen die gar nicht! Sie erzählen mir, wie sie gewachsen seien in der monatelangen Arbeit am Stück. Dass sie sich freigetanzt hätten, auch die eigenen, inneren Mauern weggetanzt. Angefangen haben sie als schüchterne Ballettschüler aus verschiedenen Gruppen. Heute sind sie große, schöne, selbstbewusste junge Künstler. Und übrigens: mit einer sagenhaften Kondition.

Die Mauern auf der Bühne haben sie eingerissen, abgebaut, umfunktioniert und mit High Heels weggeballert. Das Ergebnis rechtfertigt jedes Mittel.

Oder wie der Knabe auf dem Nachbarsitz es nüchtern in seinen Gruppenchat tippt: "Geht mal hin. Is geil.".

Nächste Termine: 3. Februar; 4. Februar; 7. Februar; 8. Februar und 9. Februar jeweils um 19 Uhr. Kartentelefon: 0355 / 23687