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Der Sitz der Brauer und Brenner
Die Sandower Straße 11 bis 14

FOTO: Heute: Nicole Nocon - Damals: Sammlung Hans Krause
Cottbus. Bereits auf dem ältesten Stadtplan von Cottbus aus dem Jahr 1720 wird die heutige Sandower Straße als "Sandische Gahse" genannt. Ihre ursprüngliche Bebauung dürfte aber viel älter sein. Schriftliche Quellen belegen, dass auf einem Teil dieser Grundstücke schon 200 Jahre früher die Braugerechtigkeit lag. red/nn

Von den auf dieser historischen Ansichtskarte dargestellten Häusern sind nur noch zwei neuere Bauten erhalten, die Sandower Straße 11 und 12. In den 1890er-Jahren verkaufte die Witwe des Brennereibesitzers Marie Wieland das Grundstück Nr. 11 mit der alten Bebauung an den Fleischermeister Fritz Pesker. Dieser ließ 1896/1897 ein neues Wohnhaus von der Bau- und Architekturfirma August Patzelt errichten. Das Haus bleibt im Familienbesitz, auch wenn aus der Fleischerei ein Fachgeschäft für Fleischereibedarf wird. Am Giebel des Hauses sind auch heute noch die Initialen des Bauherrn "F P" vorhanden. Das Nachbarhaus Nr. 12 steht auf einem Grundstück mit uralter Braugerechtigkeit. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts war es im Besitz der Braueignerfamilie Kniepf. Einhundert Jahre später betrieb Ferdinand Melde die Branntweinbrennerei an dieser Stelle. Im Jahr 1888 lässt Gustav Melde das uns heute bekannte Haus errichten. Auch dort finden sich an der Fassade kunstvoll gestaltete Initialen, die auf den Hauseigentümer hinweisen.

Gustav Kniepf blieb Eigentümer des Grundstücks und der Brennerei, die später an die Familie Werner übergeht. Die Familien Kniepf, Melde und Werner sind miteinander verwandt. 1940 nutzte die Dresdener Presshefe- und Kornspiritusfabrik einen Teil der Gewerberäume als Verkaufsniederlassung. Der Brennerei-Ausschank firmierte unter dem Namen "Gustav Kniepf-Melde". Die Sandower Straße 13 ist ebenfalls ein Grundstück mit früher Braugerechtigkeit. Es war über Jahrhunderte nacheinander im Besitz der Braumeister Müller, Schneider, Steffen und Lehmann.

Die Cottbuser Niederlassung der Engelhardtbrauerei hatte zeitweilig dort ihren Sitz. Älteren Cottbusern ist diese Haus auch unter dem Namen Paul Tharan bekannt, der auf dem Grundstück Versteigerungshallen und ein Neumöbelhaus betrieb. Leider wurde das denkmalgeschützte Barockhaus dem Verfall preisgegeben. Es wurde 2013 abgerissen. Das gleiche Schicksal hatte einige Jahre zuvor auch die weitere Bebauung betroffen.