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| 02:33 Uhr

Historische Ansicht unter neuem Namen
Die Sack'schen Häuser in Cottbus

FOTO: Heute: Dora Liersch - Damals: Sammlung Hans Krause
Cottbus. Vionvillestraße / Ecke Louisenstraße - mit diesen Straßennamen werden nur noch wenige Cottbuser etwas anfangen können. Die hier abgebildeten attraktiven Mietswohnhäuser sind Neubauten, die etwa 1905/1907 erbaut worden sind. Der Architekt und Bauherr der Häuser war Paul Sack, der renommierte Baufirmen, wie beispielsweise August Patzelt, mit der Ausführung der Bauarbeiten beauftragte. dli9

Man mag es kaum glauben, dass diese unterschiedlichen Entwürfe der Eckgebäude von ein und demselben Architekten stammen. Während das linke Gebäude ab der ersten Etage mit einem halbrunden und vielen Fenstern versehenen turmähnlichen Abschluss zur Straßenecke hin erbaut ist und ein kleines Türmchen diesen Vorbau bekrönt, ist das rechte Gebäude zur Straßenecke hin abgeschrägt und zur Nordseite mit einem kleinen Staffelgiebel versehen. Dazu kommen noch für die Etagen eins bis drei interessante Balkonvorbauten. Noch heute spricht man von den Sack'schen Häusern, zu denen weitere Gebäude gehören.

Diese Straßenansicht gibt es noch heute in Cottbus. Nicht mehr vorhanden sind die steinerne Gartenmauer und der parkartige Garten auf der linken Bildseite. Hier sind Anfang der 1990er Jahre neue Wohn- und Geschäftsbauten errichtet worden. Befremdlich wirkt auf der Postkarte der begrünte Abschluss der Vionvillestraße, einer Sackgasse nach Süden. Wir befinden uns mit dieser Ansichtskarte mitten im alten Brunschwig, einem Vorort von Cottbus und der Ausblick nach Süden ist durch Gärten der Petersilienstraße verschlossen. Erst Mitte der 1930er Jahre wurde die Vionvillestraße nach Süden verlängert. Von der Nordseite der Berliner Straße zweigte im rechten Winkel die Logenstraße (benannt nach dem alten Gebäude der Cottbuser Freimaurerloge) nach Norden ab und führte bis zur Jägerstraße. Damals vereinigte man diese beiden Sackgassen, in dem man Jägerstraße und Petersilienstraße durchschnitt. Die damit nach Norden durchgängige Straße nannte man Hindenburgstraße. Nach 1945 wurde aus der Hindenburgstraße die Karl-Marx-Straße.

Die Louisenstraße schrieb sich später Luisenstraße. Sie war nach der Frau Amtsrat Louise Hubert, auf Brunschwig, Geborene von Löben, benannt. Da man nach 1945 bei der Luise eine preußische Königin vermutete, wurde die Straße einfach in Virchowstraße umbenannt. Im Zuge der Neubebauung von Hotel Lausitz und der Wohnscheibe Petersilienstraße erfolgte zunächst ein großflächiger Abriss von Brunschwig. Damit war es möglich, die uns heute so selbstverständliche Fortführung der Bahnhofstraße mit der dabei begradigten Karl-Marx-Straße in den Cottbuser Norden zu schaffen.

Die auffallenden Eckhäuser sind also von Norden kommend an den Abzweigungen links in die Virchowstraße und rechts in die Erich-Weinert-Straße zu erkennen. Beide Gebäude, und auch weitere in diesem Bereich, sind inzwischen aufwändig saniert worden.

Der Architekt Paul Sack, der aus der Familie des Goldschmiedemeisters und Juweliers F.F. Sack stammt, lebte von 1879 bis 1949. Er hat mit besonderen Bauten seine eigene Spur in Cottbus hinterlassen. So werden auch die Jahrzehnte später errichteten "Stadtvillen" in der ehemaligen Lübbener Straße und Gulbener Straße (heute Gulbener-, Schweriner Straße) als Sack'sche Häuser bezeichnet.