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Die Restrisiken schwimmen mit

Cottbus. Die Stadtverwaltung begründet die massive Kostensteigerung für den Hafendamm am Ostsee. Trotzdem kritisieren die Abgeordneten die Informationspolitik scharf und zeigen Skepsis. Peggy Kompalla

Um sämtliche Restrisiken auszuschließen, wird der Bau des 831 Meter langen Hafendamms am künftigen Ostsee um drei Millionen Euro teurer als ursprünglich geplant. Ausschlaggebend dafür seien ein neues Phänomen und eine alte Hinterlassenschaft. Die Fachleute der Stadtverwaltung begründen die massive Kostensteigerung auf 7,4 Millionen Euro zwar schlüssig. Doch bei den Abgeordneten wächst die Skepsis.

Joachim Käks (CDU) platzt während des Wirtschaftsausschusses am Mittwochabend der Kragen: "Ich muss es so deutlich sagen: Wer so lottrig mit der Vorplanung umgeht, muss sich nicht wundern, dass wir jetzt vor solch einer Situation stehen." Was er über die Kostensteigerung erfahren habe, verunsichere ihn nur noch mehr. Der frühere Bauunternehmer schiebt nach: "Es ist doch das kleine Ein-mal-Eins des Baus, im Vorfeld alle Informationen heranzuziehen, um die Situation richtig zu bewerten." Das ist im Falle der Kaimauer aus seiner Sicht nicht geschehen.

Genauso empfindet es Steffen Picl (Linke). In Richtung Stadtplaner Egbert Thiele und Baufachmann Frank Semmler sagt er: "Sie sind verantwortungslos mit der ersten Schätzung an uns herangetreten. Wir müssen uns aber auf Ihr Urteil verlassen. Das ist doch nicht das erste Bauwerk im Lausitzer Seenland, das am Wasser steht."

Martin Kühne (Grüne) hält nicht hinterm Berg: "Es bleibt ein komisches Gefühl." Seine Fraktion macht die Aufklärung zur Kostensteigerung nochmals zum Thema im Stadtparlament am 29. März. "Der bisherige Umgang mit den Kosten ist nicht überzeugend. Wir wollen eine klare, nachvollziehbare Erläuterung in aller Öffentlichkeit."

Die gibt es am Mittwoch bereits für den Wirtschaftsausschuss. Frank Semmler geht dabei in fachliche Details. Die Quintessenz: "Wir werden keine zementgebundenen Bauteile im Wasser verbauen." Damit würden in Anbetracht des Zeitdrucks mit Abstand alle Restrisiken ausgeschlossen.

Zu denen gehört demnach ein neues Phänomen. "Wir wissen nicht, was genau im Absenktrichter passiert, wenn er sich durch die Flutung füllt. Die chemischen Reaktionen sind völlig unklar."

Darüber hinaus liegt die ehemalige Kiesgrube Xella im Grundwasseranstromkorridor. "Die ist verfüllt worden. Wir wissen aber nicht, woher die Böden stammen und was sie mit dem anströmenden Grundwasser machen", sagt Semmler. Auch beruhten die Aussagen zu Qualität von Grund- und Seewasser allein auf Modellrechnungen. "Das sind keine Sicherheiten", konstatiert der Fachmann.

Nach seinen Informationen ist deshalb ein lokaler Sulfatgehalt von über 3000 Milligramm je Liter nicht auszuschließen. Eine solche Konzentration hält selbst der beste Beton nicht aus. Deshalb soll sowohl die Spundwand als auch ihre Rückverankerung nun aus widerstandsfähigem Stahl errichtet werden. Der Material- und Technologiewechsel treibt die Kosten für den Bau so dramatisch in die Höhe, was laut Verwaltung der Fördermittelgeber akzeptiert.

Bis Ende März erwartet die Stadtverwaltung die Baugenehmigung. Dann könne im Oktober der Bau des Hafendamms starten.

Zum Thema:
Nach Informationen von Stadtplaner Egbert Thiele hat die Verwaltung den Auftrag für das Ostsee-Management vergeben. Er nennt aber noch keine Namen. Der Grund: Die Stadt müsse eine Widerspruchsfrist von zehn Tagen einhalten. Sie endet nächste Woche. Damit könne das Ostsee-Management am 1. April starten. Der Auftrag läuft zunächst über zwei Jahre. Darüber hinaus seien die ersten Gespräche zum Wettbewerb für den Cottbuser Stadthafen gelaufen.