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Die Poliklinik kommt in Cottbus zu neuen Ehren

medizinische Mitarbeiterin hält ein Stetoskop mit beiden Händen
medizinische Mitarbeiterin hält ein Stetoskop mit beiden Händen FOTO: © Jörg Beuge - Fotolia.com
Cottbus. Bereits 2009 hat das Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum beschlossen, ein Medizinisches Versorgungszentrum MVZ zu gründen. Von diesen Zentren gibt es deutschlandweit bereits 2000, allein an Krankenhäusern sind rund 1100 MVZ angesiedelt. Andrea Hilscher

Dahinter verbirgt sich eine Idee, die den Kliniken mehr stationären Patienten sichert - und gleichzeitig in bevölkerungsarmen Flächenländern helfen kann, den Fachärztemangel zu lindern.

"Deutschland ist in Europa nahezu das einzige Land mit einer doppelten Facharztschiene, in dem es eine strikte Trennung zwischen niedergelassenen Ärzten und Fachärzten an Krankenhäusern gibt", erklärt Dr. Andreas Brakmann, Geschäftsführer des Thiem-Klinikums. Bis auf wenige, klar definierte Ausnahmen, dürfen Klinikärzte außerhalb von Notaufnahmen keine ambulante Versorgung anbieten.

"Die ambulante Betreuung ist natürlich interessant, zudem werden 90 Prozent unserer Patienten, die wir geplant aufnehmen, von Fachärzten überwiesen. Wenn wir selbst diese Fachärzte stellen, können wir uns natürlich auf diese Weise sicher sein, dass die Patienten in vielen Fällen ans CTK und nicht anderen Kliniken zugewiesen werden."

Wirtschaftlich schreiben bundesweit rund 90 Prozent der von Krankenhäusern betriebenen MVZ keine schwarzen Zahlen, auch das CTK erwartet aus der gemeinnützigen Poliklinik keine Gewinne, erhofft sich aber Synergieeffekte für den Klinikbetrieb.

Unter dem Dach der neuen CTK-Poliklinik sollen künftig Fachärzte unterschiedlicher Richtungen in verschiedenen MVZ arbeiten. Andreas Brakmann: "Im Westen spricht man in der Regel nur von Medizinischen Versorgungszentren, mir aber war der Name zu sperrig. Poliklinik ist hier bei uns im Osten gut eingeführt, außerdem weiß jeder, dass es dabei um ambulante Versorgung geht."

Die dafür notwenigen KV-Arztsitze muss das Klinikum kaufen. Ein übliches Verfahren. "Wenn ein niedergelassener Arzt in Rente geht oder nicht mehr selbstständig arbeiten will, verkauft er seinen Sitz", so Brakmann. Der Preis hängt dabei ab von der Region und der jeweiligen Fachrichtung. "Es geht bei ungefähr 10 000 Euro los, aber ich kenne auch Fälle, wo eine Klinik 1,5 Millionen Euro für einen Facharztsitz ausgegeben hat." Die künftigen ambulanten CTK-Poliklinik-Ärzte sollen sich möglichst in Ärztehäusern im CTK selbst, aber auch außerhalb ansiedeln, die die laufenden Kosten für den Betrieb niedrig halten und den Patienten kurze Wege bieten. "Das kann in Cottbus ebenso der Fall sein wie in anderen Städten der Lausitz", so Brakmann.

Auch in Brandenburg und in der Lausitz haben fast alle Kliniken ambulante MVZ, so etwa das Klinikum Senftenberg mit 28 KV-Sitzen an elf Standorten.

Aus seiner Sicht profitiert die Region von den Plänen des CTK; "Es gibt genügend Ärzte, die keinen Nachfolger finden. Wir als Klinikum können leichter Fachkräfte rekrutieren und so einen freiwerdenden Sitz besetzen." Dennoch ist die Angst unter den niedergelassenen Ärzten groß, sie fürchten die vermeintlich neue Konkurrenz. "Aber wir wollen niemanden verdrängen, im Gegenteil wir wollen kooperieren und das kollegiale Miteinander stärker als bisher entwickeln. Um das deutlich zu machen, haben wir für Anfang Juni gemeinsam mit dem KV-Vorstand fast 1000 niedergelassene Ärzte der Region eingeladen, um mit ihnen auf "neutralem" Boden den kollegialen Dialog aufzunehmen", sagt der CTK-Geschäftsführer.

Über mangelnde Resonanz auf die Pläne kann sich das CTK nicht beklagen: Schon nach der ersten öffentlichen Bekanntmachung meldeten sich bei uns mehr als zehn niedergelassene Ärzte der Region, die ihren Sitz an die gemeinnützige ambulante CTK-Poliklinik-Tochter verkaufen wollen.