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| 18:34 Uhr

Planspiel Börse
„Börsenkiller“ verraten Anlagestrategie

Die „Börsenkiller“ der Sachsendorfer Oberschule und ihr Lehrer haben die Rangliste fest im Blick. Am Ende des Planspiel Börse 2017 belegten sie bei der Wertung der Sparkasse Spree-Neiße den ersten Platz. (v.l.n.r.: Dominic Stephan (15), Eberhard Zick,Teamleiter Torben Paulick (14) Dominic Marx (14) und Tim Florian Kulka (14)).
Die „Börsenkiller“ der Sachsendorfer Oberschule und ihr Lehrer haben die Rangliste fest im Blick. Am Ende des Planspiel Börse 2017 belegten sie bei der Wertung der Sparkasse Spree-Neiße den ersten Platz. (v.l.n.r.: Dominic Stephan (15), Eberhard Zick,Teamleiter Torben Paulick (14) Dominic Marx (14) und Tim Florian Kulka (14)). FOTO: Stephan Meyer / LR
Cottbus. Zum zweiten Mal haben Schüler der Sachsendorfer Oberschule das Planspiel Börse der Sparkasse Spree-Neiße gewonnen. Die RUNDSCHAU hat mit den Siegern gesprochen, und das Team nach Investment-Tipps in Zeiten niedriger Zinsen gefragt. Von Stephan Meyer

Ein Blick auf die monatlichen Kontoauszüge lassen bei so manchem Sparer Sorgenfalten auf der Stirn entstehen. Bei den momentanen Niedrigzinsen scheint es wenig Sinn zu machen, sein Geld auf dem Sparkonto zu parken. Wegen des hohen Risikos schrecken viele jedoch vor Alternativen, wie dem Handel mit Aktien, zurück. Entspannter spekulieren lässt es sich jedoch, wenn es sich dabei nicht um echtes Geld handelt. Beim Planspiel Börse 2017 bewiesen Schüler der Sachsendorfer Oberschule, dass sie beim Handel mit Wertpapieren mit den Großen mithalten können.

Ziel der europaweit von Sparkassen organisierten Börsensimulation ist es, Schülern spielerisch Börsenwissen zu vermitteln. Im Geschäftsgebiet der Sparkasse Spree-Neiße belegten die „Börsenkiller SaOS“ den ersten Platz. Darüber hinaus sind die vier Schüler auch noch brandenburgischer Landessieger geworden. Die nun erfahrenen Amateur-Börsianer gaben der RUNDSCHAU Tipps, wie auch Einsteiger erfolgreich mit Aktien handeln können.

„Den Ball flach und die Füße still halten, wenn eine Aktie etwas schlecht läuft“, fasst Teamleiter Torben Paulick das Erfolgsrezept seines Teams zusammen. Er und seine drei Mitschüler bewiesen das beste Gespür auf dem Aktienmarkt und konnten ihr Ausgangsdepot innerhalb von knapp drei Monaten von 50 000 Euro um fast 7000 Euro aufstocken. Dabei hätten sie schon sehr früh gekauft und sich anschließend sehr passiv verhalten.

„Erst wenn es kritisch wurde, haben wir eine Aktie abgestoßen“, so Torben. Dabei waren sich die Teammitglieder nicht immer einig. „Wir haben auch viel diskutiert“, gesteht der 14-Jährige. Insgesamt haben sie siebenmal ein- und lediglich zweimal Anteile verkauft. Durch die wenigen Verkäufe fielen auch nur geringfügig Gebühren für ihre Transaktionen an. Als verlässlich hätten sichaus ihrer Sicht  die Firmen Vodafone, Commerzbank und Mircosoft sowie das Finanz- und Technologieunternehmen Wirecard herausgestellt. Aktien der Deutschen Bank und des Telekommunikationsriesen Cisco Systems wurden geopfert, um sich mehr Anteile von Unternehmen zu holen, die sie bereits in ihrem Portfolio hatten. Im Wesentlichen haben sie sich an große Firmen gehalten, die sie bereits kannten, so die „Börsenkiller“.

Doch das allein sei keine Garantie für ein erfolgreiches Investment. „Der richtige Zeitpunkt ist ebenfalls entscheidend“, verrät Torben. Unternehmen, deren Aktien kürzlich gefallen waren, waren für die Vier attraktiver. „Die Chance, dass sie bald wieder steigen würden, war dann groß“, so die Risikoeinschätzung von Teamleiter Torben während des Wettbewerbs. Auch war der Kaufpreis dann niedriger. Ganz ohne das Studium von Wirtschaftsdaten konnte die Einschätzung aber nicht erfolgen. „Man sollte nicht blind kaufen“, so Torben. „Das bringt nichts.“

Dafür wurden die Empfehlungen von Bankhäusern und die Nachrichten verfolgt. Im Verlauf des Planspiels hatte die Deutsche Bank einige Negativschlagzeilen, die auch zum Fall der Aktie beitrugen und die Schüler zum Verkauf bewog. Unternehmen, die hingegen ein Großprojekt planten oder ein neues Produkt herausbringen wollten, kamen für sie bei der Auswahl der Wertpapiere zu Spielbeginn in die engere Wahl.

Ein Schippe Glück ist für ihren Erfolg aber mitverantwortlich, gesteht Torben. Das Team erhielt während des Planspiels dreimal eine Dividendenzahlung. Auch hätten sie unter ihren Aktien keinen wirklichen Flop gehabt. Ob er aufgrund der Planspielerfahrung selber einmal im Finanzsektor arbeiten möchte, weiß Torben noch nicht. „Ganz unspannend finde ich die Branche aber nicht“, sagt der Achtklässler. Nächstes Jahr will er erneut am Planspiel teilnehmen. Entweder mit seinen bisherigen Teamkollegen oder in einer komplett neuen Mannschaft.

Die Sachsendorfer Oberschule ist beim Planspiel kein unbeschriebenes Blatt. Schon im vergangenen Jahr belegte ein Team der Schule den ersten Platz bei der Sparkasse Spree-Neiße. Vor zehn Jahren sah das jedoch ganz anders aus. „Beim unserer ersten Teilnahme belegten wir nur den 15. Platz“, blickt Eberhard Zick zurück. Der Lehrer für Mathematik, Physik und Naturwissenschaften betreut von Anfang an die teilnehmenden Teams der Schule. „Das war natürlich für unsere Schüler ein Ansporn, es in den nächsten Jahren besser zu machen.“

Für 2017 hat er zum ersten Mal auch bei Achtklässlern für den Wettbewerb geworben. Das Gewinnerteam konnte er überwiegend aus seiner Schach-AG rekrutieren. Darüber hinaus sind fünf weitere Teams der Schule bei der Börsensimulation angetreten, von denen es vier unter die ersten 20 von 177 Plätzen geschafft haben. Das nötige Rüstzeug gab der Lehrer seinen Schützlingen bereits Wochen vor dem Wettbewerb mit und vermittelte ihnen Hintergrundwissen rund um das Börsengeschehen.