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Die Patzeltschen Häuser in der Spremberger Vorstadt

Die Häuser wurden zwischen 1927 und 1931 von dem Cottbuser Bau- und Architekturbüro August Patzelt errichtet.
Die Häuser wurden zwischen 1927 und 1931 von dem Cottbuser Bau- und Architekturbüro August Patzelt errichtet. FOTO: Sammlung Hans Krause
Cottbus. Zwischen der Entstehungszeit der historischen Ansichtskarte und der des aktuellen Vergleichsfotos liegen etwa 80 Jahre sehr wechselvoller Geschichte. red/nn

Gebaut wurden die Häuser der heutigen Leuthener Straße 36 (Eckhaus) und der heutigen Dresdener Straße 72 bis 77 in den Jahren 1927 bis 1931. Den Gebäuden sieht man an, dass sie, wie auch die Häuser der damals neu angelegten Leuthener Straße, im selben Architekturbüro entworfen wurden. Der Maurermeister August Patzelt (1858 - 1932) machte sich am 1. Januar 1886 in Cottbus selbständig. Er leitete ein Architektur- und Baubüro und warb mit der "Anfertigung und Ausführung von Entwürfen in allen modernen Stilrichtungen für Innen- und Außenarchitektur, sowie Bauleitung". Patzelt gehörte zu den herausragenden Baumeistern der Gründerzeit in unserer Stadt. In den 1920er Jahren war die Firma August Patzelt besonders im sozialen Wohnungsbau aktiv. Patzelt kaufte vor allem im Süden von Cottbus Flächen auf, um sie komplett zu bebauen und danach zum Teil weiterzuverkaufen. Noch heute spricht man von den Patzeltschen Häusern.

Interessant ist die bauliche Anordnung. Speziell in den beiden Eckhäusern Leuthener Straße 36 und Dresdener Straße 77 wurden Geschäfte integriert. in der ersten Ecke waren es eine Fleischerei, ein Lebensmittelladen, später eine Obst- und Gemüseverkaufsstelle und eine Schuhmacherei. In der Hausnummer 77 wurde ebenfalls ein Lebensmittelgeschäft und ab 1934 eine Bäckerei eingerichtet. Die Gebäude dazwischen waren reine Wohnhäuser, im Erdgeschoss hatten sich auch selbständige Handwerker niedergelassen. Alles zusammen ergab eine architektonisch ausgewogene Einheit.

Beim Bombenangriff am 15. Februar 1945 wurde besonders der Cottbuser Süden zerstört, dazu gehörten auch die Wohnhäuser der Dresdener Straße 72 bis 75. Sie sind relativ bald wieder aufgebaut worden und unter den gegebenen Umständen den Vorgängerbauten angepasst worden. Ein Teil der baumbestandenen Grünanlagen im Hintergrund, am Ende der Häuserzeile, war ein alter Friedhof in der Spremberger Vorstadt, der noch bis 1902 genutzt wurde.

Die Dresdener Straße war seinerzeit viel schmaler und man mag es gar nicht glauben, dass zwischen den Alleebäumen außer den Kraftfahrzeugen seit 1908 auch noch die Straßenbahn bis zum Südfriedhof fuhr.