ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:33 Uhr

Die neue Welt des Helmut Rippl

Lenné-Medaille für Helmut Rippl: Pückler und Lenné hätten sich keinen tüchtigeren Sachwalter ihrer Interessen wünschen können, würdigte Laudator Waldemar Kleinschmidt das Schaffen des Cottbusers.
Lenné-Medaille für Helmut Rippl: Pückler und Lenné hätten sich keinen tüchtigeren Sachwalter ihrer Interessen wünschen können, würdigte Laudator Waldemar Kleinschmidt das Schaffen des Cottbusers. FOTO: Ch. Taubert
Cottbus. Der 91-jährige Mentor Lausitzer Parke erschafft eine Allee der Steine, lässt sich von Pückler inspirieren und wird geehrt mit der Lenné-Medaille. Christian Taubert

Es ist Gartenfestival in Cottbus-Branitz. Welch schöneren, würdigeren Anlass könnte es geben, einen Bewunderer und Bewahrer, tätigen Umsetzer und kreativen Weiterentwickler Pücklerscher Garten- und Landschaftskunst zu ehren? Für den Cottbuser Helmut Rippl sind Freunde, Weggefährten und Gäste im Musikzimmer auf Schloss Branitz versammelt, um ihm inmitten des von Hermann Fürst von Pückler-Muskau erschaffenen Parkensembles die Lenné-Medaille (siehe Infobox) zu verleihen. Auch, wenn auf Schloss Branitz halbmast geflaggt ist, in Gedenken an den in dieser Woche verstorbenen Hermann Graf von Pückler.

Für den Cottbuser ist die Plakette aus weißem Meißner Porzellan beileibe nicht die erste Ehrung. Aber sie lenkt den Fokus - soweit dies bisher überhaupt möglich ist - auf das Werk eines begnadeten Garten- und Landschaftsarchitekten, der längst auch den Künstler akzeptieren sollte. Doch der 91-jährige Cottbuser ist viel zu bescheiden, wenn es um eigene Leistungen geht.

Gut, dass es die Lenné-Akademie zu Lebzeiten übernimmt, seine besondere Gabe zu würdigen. Laudator Waldemar Kleinschmidt macht deutlich, "dass sich Pückler und Lenné keinen tüchtigeren Sachwalter ihrer Interessen wünschen könnten". Der ehemalige Cottbuser Oberbürgermeister zitiert Rippl, der es für sich als "Glücksfall" bewertet, seit 1970 (damals im Parkaktiv des Bezirkes Cottbus) auf die Erhaltung historischer Parke in der Lausitz Einfluss nehmen zu können. Das ist der Revitalisierung der Parke von Branitz und Bad Muskau, den Anlagen von Altdöbern, Sonnewalde, Lindenau, Kleinkmehlen, Kroppen bis Fürstlich Drehna zugutegekommen.

Vor allem aber hat der Ehrenprofessor seine Forschungen über den "grünen Fürsten" in sein Lebenswerk einfließen lassen - die "Allee der Steine" auf der Vorfeldbrache von Großräschen. Tausende Findlinge aus dem Bergbau hat er gesichtet, um auf dem Areal vom Eingang in Großräschen-Süd bis zur Victoriahöhe am künftigen See nichts dem Zufall zu überlassen. Wie sein Vorbild kreierte Rippl Ensembles, aber nicht mit Bäumen, sondern mit Steinen. "Für Pückler wurden Bäume zu Menschen, bei mir ist jeder Stein ein Mensch, der mit mir spricht", schilderte er seine Beziehung zur eigenhändig geformten Umwelt.

Um seine Stein-Ensembles zu säumen, holte sich Helmut Rippl einmal mehr bei Pückler Rat. Er legte acht Baumreihen mit Spitzahorn, Eichen, Platanen und Pyramidenpappeln an. Ahorn und Eichen nur mit anderthalb Metern Abstand. Eine Kombination mit tiefem Sinn. Gegen Zweifler hat er sich dabei eigenen Worten zufolge ganz nach seiner Lebensmaxime "energisch aufzutreten" durchsetzen müssen. Denn in Jahrzehnten werde der Ahorn schon ausgefallen sein, wenn die Eichen gerade die richtige Größe erreicht habe.

In der Fachwelt hat ihm die Allee der Steine viel Anerkennung eingebracht. Dem unermüdlichen Gartenkünstler wurde bescheinigt, dass er "aus wahllos zugeordneten Steinen Individuen gemacht hat".

Der Senftenberger Stadtplaner Wolfgang Joswig, der mit Rippl nach der Wende den Anstoß für eine Internationale Bauausstellung gegeben hat, zitiert immer wieder den späteren IBA-Chef Rolf Kuhn, um die Genialität "meines verehrten Meisters" zu beschreiben: "Es ist nicht weniger als die Erfindung einer kleinen neuen Welt." Immerhin war es Rippl mit diesem Projekt als Einzigem während der IBA gelungen, im Pücklerschen Sinne Bergbaufolgelandschaft zu gestalten. Er hat nie ein Hehl daraus gemacht, sich noch viel mehr Projekte dieser Art gewünscht zu haben.

Aus gutem Grund findet Laudator Waldemar Kleinschmidt zurück zu einem der schönsten Landschaftsparks der Niederlausitz in Fürstlich Drehna. Hier hat Helmut Rippl über Jahrzehnte Beharrungsvermögen bewiesen. Einst hatten hier Pückler und Lenné gewirkt - "und jetzt kommt Professor Helmut Rippl hinzu. . ."

Mehr zu Leben und Wirken des Lausitzer Gartenkünstlers:

www.lr-online.de/rippl

Zum Thema:
"Nichts gedeiht ohne Pflege, und die vortrefflichsten Dinge verlieren durch unzweckmäßige Behandlung ihren Wert", die Worte des Gartenkünstlers Peter Joseph Lenné sind Maßstab für das Handeln der Lenné-Akademie für Gartenbau und Gartenkultur. Sie ist ein Zusammenschluss von Freunden und Förderern des Gartenbaus und der Gartenkultur, vornehmlich aus Berlin und Brandenburg - der Hauptwirkungsstätte von Peter Josef Lenné. Aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der Akademie am 9. Juli 2007 ist die Lenné-Medaille gestiftet und durch den Vorsitzenden des Kuratoriums, Peter Lenné, eingeführt worden. Mit der Medaille werden herausragende Persönlichkeiten in ihrem Bemühen um die Beförderung aller Belange des Gartenbaus und der Gartenkultur gewürdigt.