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| 16:41 Uhr

Wetterüberblick für Cottbus
Sommerlichster Sommer trotz Regenschauern

Die Stadtbäume sind, trotz Regen Mitte der Woche, dringend auf zusätzliche Bewässerung angewiesen.
Die Stadtbäume sind, trotz Regen Mitte der Woche, dringend auf zusätzliche Bewässerung angewiesen. FOTO: Gloßmann Jan
Cottbus. Die Wetterkapriolen der vergangenen Monate sorgen für neue Rekorde. Tiefe Trockenheit im Boden gefährdet Natur im Stadtgebiet. Von Josephine Japke

Seit Wochen wird in der Lausitz geschwitzt, was das Zeug hält und die Wasserflasche hergibt. Der Temperatursturz und Regenschauer Mitte der Woche waren nur ein Tropfen auf die heiße Stirn des Cottbusers. Seit dem Wochenende ist der Sommer wieder auf dem Vormarsch.

Die Hitzewelle fordert auch in der Natur ihren Tribut. Ernteausfälle und Waldbrände, wo man auch hinsieht. Schuld daran ist auch der ausbleibende Regen. Mit etwa 30 Millimeter Regen war schon der Mai unterdurchschnittlich, bestätigt Kristin Hoffmann vom Deutschen Wetterdienst. „Es hätte im Mai knapp das Doppelte an Niederschlag erwartet werden können“, sagt sie. Obwohl Cottbus noch gut dasteht: Weiter nördlich, im Spreewald, Berlin und Nord-Brandenburg fiel noch weniger Regen.


An 250 Jungbäumen entlang des Stadtrings und am Bahnhof ließ die Stadt Wassersäcke befestigen, die 100 Liter Fassungsvermögen haben. Das Wasser wird durch Löcher im Boden der Säcke nach und nach an die Wurzelballen abgegeben.
An 250 Jungbäumen entlang des Stadtrings und am Bahnhof ließ die Stadt Wassersäcke befestigen, die 100 Liter Fassungsvermögen haben. Das Wasser wird durch Löcher im Boden der Säcke nach und nach an die Wurzelballen abgegeben. FOTO: LR / Josephine Japke

Der Natur reiche ein kräftiger Regenschauer allerdings nicht, erklärt Kristin Hoffmann: „Die andauernde Trockenheitsphase erfordert eigentlich einen ausgiebigen Landregen.“ Zwei bis drei Tage müsste es gleichmäßig und nicht heftig regnen, damit sich die Natur ein wenig erholen kann.

Darauf macht auch der Cottbuser Stadtsprecher Jan Gloßmann aufmerksam. „Der Boden ist aufgrund der langen Trockenheit und der hohen Temperaturen seit April tiefgründig ausgetrocknet, sodass kurze Regenschauer nicht ausreichen, den nötigen Bedarf für Jung- und Altbäume zu decken“, erklärt er und fügt an, dass beispielsweise eine ausgewachsene Buche etwa 400 Liter Wasser am Tag benötige.

Irmtraud Wegner macht sich Sorgen um den Zustand der Platanen in der Stadt. „Besonders in der Vetschauer und in der Neuen Straße werfen die Bäume große Rindenstücke ab. Sicher einer Folge der großen Trockenheit.“ Ihre Bitte: „Vielleicht kann sich die Stadtverwaltung um den Schutz der Bäume kümmern. Es wäre schade, wenn sie irgendwann gefällt werden müssten.“

Erst zu Beginn der Woche ließ die Stadt an 250 Jungbäumen entlang des Stadtrings und am Bahnhof riesige Wassersäcke befestigen. 100 Liter Wasser passen in einen Sack. Durch Löcher im Boden wird das Wasser nach und nach direkt an die Wurzelballen abgegeben. Etwa 50 000 Bäume wachsen im Stadtgebiet. Etwa 900 davon werden durch verschiedene Firmen im Auftrag der Stadtverwaltung gewässert.

Besonders der Mai hat in Deutschland neue Rekorde aufgestellt und war der wärmste Wonnemonat seit Beginn der Wetteraufzeichnung 188. 33 Grad Celsius wurden am 29. Mai in der Wetterstation Cottbus gemessen, die Durchschnittstemperatur lag bei 17 Grad Celsius. In diesen Tagen meldete die Lausitzer Wasser GmbH (LWG) einen Rekord: 28 Millionen Liter Wasser flossen in Cottbuser Haushalte. Im Schnitt liege die tägliche Einspeisung bei rund 18 Millionen Litern.

Auch das, so die Wetterexpertin, seien Folgen des Klimawandels. „Höhere Werte für die Lufttemperatur mit neuen Maximumrekorden und mehr Sommertage gehören dazu“, sagt Kristin Hoffmann.

Ist es wärmer als 25 Grad Celsius, sprechen Meteorologen von „Sommertagen“. Ein Blick auf die zurückliegenden Monate zeigt, dass seit April jeder Monat die zu erwartende Anzahl an Sommertagen übertraf. 30 Stück kommen so schon allein im Mai, Juni und Juli zusammen – dabei haben wir noch heiße Wochen vor uns. Dazu kommen bisher sechs „heiße Tage“, an denen es wärmer als 30 Grad Celsius war. Erst am 5. Juli zeigte das Thermometer 32,8 Grad Celsius an. Der Rekordsommer von 2003, mit insgesamt 62 Sommertagen, könnte also übertroffen werden.

Von dem Begriff „Schönwetterloch“ über Cottbus hat die Mitarbeiterin des Deutschen Wetterdienstes noch nichts gehört. Stimmen, könnte er trotzdem. Denn die Lage von Cottbus im ostdeutschen Binnentiefland mit wenigen Erhebungen sorgen für „wärmere Sommer, kältere Wintern und eine geringere Niederschlagssumme“, erklärt Kristin Hoffmann.

Die letzte richtige Abkühlung gab es übrigens am 27. Februar. Da wurden in der Cottbuser Wetterstation nämlich minus 16,6 Grad Celsius gemessen.