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Die Mordserie des Friedrich Haarmann

Cottbus. In den Jahren 1923/1924 wurde Hannover von einer Mordserie erschüttert, deren Ausmaß den Menschen erst nach und nach bewusst wurde. Der Altkleiderhändler Friedrich "Fritz" Haarmann, der manchen auch "Der beste Mann von Hannover" war, hatte innerhalb dieser Zeit mehr als 20 Jungs und junge Männer ermordet, ihre Leichen zerstückelt und die Knochen in die nahe Leine geworfen. lr/asi

Er verschaffte sich mit einem Ausweis, der ihn als Mitarbeiter des Polizeipräsidiums erscheinen ließ, Zutritt zu den Wartesälen der 1. und 2. Klasse am Bahnhof, sprach dort allein reisende Jugendliche an, lud sie ein, die Nacht bei ihm zu verbringen, lockte mit der Aussicht auf leicht verdientes Geld und eine gute Mahlzeit. Arglos gingen viele mit ihm. "Onkel Fritze", der homosexuell war, nahm auch junge Männer mit, die sich als "Puppenjungs" verdingten und ihre Dienste an bekannten Orten in der Stadt dieser besonderen Kundschaft anboten in der Hoffnung auf schnelles Geld. Erst als im Mai/Juni 1924 einzelne Schädel in der Leine entdeckt wurden und die Unruhe in der Bevölkerung deutlichem Protestmurren wich, die Bürger gar in einer Aktion zu Pfingsten selbst den Fluss nach Knochen abfischten, kam Bewegung in die Ermittlungen. Der Wasserpegel der Leine wurde abgesenkt. Eine Suchaktion der Polizei förderte neben einer Vielzahl anderer Knochen die Oberschenkelknochen von 22 verschiedenen Menschen zutage. Die Opfer: allesamt männlich im Alter zwischen zehn und 25 Jahren. Man begann, die Homosexuellenszene Hannovers gründlicher zu überwachen. Sechs der bekannten Homosexuellen gerieten in engeren Verdacht und wurden fortan überwacht, darunter auch Fritz Haarmann. Durch einen Zufall ging er der Polizei ins Netz. Am 23. Juni 1924 wurde er festgenommen. Knapp zwei Wochen nach seinem letzten Mord.

Aus ihrem Buch "Der Werwolf von Hannover" liest Autorin Franziska Steinhauer am Freitag, 29. September, 18 Uhr, im Kulinarium Branitz. Um Voranmeldung wird gebeten.

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