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| 17:48 Uhr

Minijob-Zentrale
Sichere Arbeitsplätze für Cottbus

 Peggy Horn, Leiterin der Minijob-Zentrale Cottbus und stv. Leiterin der Minijob-Zentrale Deutschland.
Peggy Horn, Leiterin der Minijob-Zentrale Cottbus und stv. Leiterin der Minijob-Zentrale Deutschland. FOTO: LR / Nils Ohl
Cottbus. Die Minijob-Zentrale der Knappschaft zählt inzwischen zu den größten Arbeitgebern der Region. Von Nils Ohl

Die Minijob-Zentrale gilt als Beispiel dafür, wie Behörden in Cottbus angesiedelt werden sollen, um vom Strukturwandel bedrohte Arbeitsplätze zu kompensieren. Ein Beispiel, dass auch zum 15. Geburtstag der Minijob-Zentrale im Jahr 2018 mit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) als Hauptgast, ausdrücklich gelobt wurde (die RUNDSCHAU berichtete). Doch wie sieht Peggy Horn, die Leiterin der Minijob-Zentrale Cottbus, den Beitrag ihrer Institution zu einem starken Standort Cottbus.

Frau Horn, welche inhaltlichen Aufgaben erfüllt die Minijob-Zentrale eigentlich?

Horn Die Minijob-Zentrale wurde am 1. April 2003 im Zuge der Hartz II Gesetzgebung deutschlandweit als zentrale Stelle für den Bereich der geringfügigen Beschäftigung gegründet, um das gesamte Prozedere zu straffen. Wir ziehen die Sozialversicherungsbeiträge ein und beraten bei allen Fragen dazu. Vorher waren die jeweiligen Krankenkassen die Ansprechpartner, was bei über hundert Kassen sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer sehr unübersichtlich war. Es ging auch darum, den ganzen Bereich des Klein- und Nebenerwerbs mehr aus der Schwarzarbeit  herauszunehmen und Brücken in den ersten Arbeitsmarkt zu schaffen.

Welche Dimensionen hat das Geschäft denn?

Horn Die Minijob-Zentrale betreut rund 2,2 Millionen Arbeitgeber und sieben Millionen Minijobber – davon rund 75 Prozent von Cottbus aus, die weiteren von Standorten in Essen und Gelsenkirchen. Das bedeutet jährlich fast acht Milliarden Euro, die zum überwiegenden Teil in die Renten- und Krankenversicherung fließen.

Wie schlägt sich das alles als Vorteil für Cottbus nieder?

Horn Vor allem in sicheren, nach Tarif bezahlten Arbeitsplätzen. Das ist ja gerade vor dem Hintergrund des Strukturwandels das Wichtigste. Wir sind 2003 mit 600 Stellen gestartet, die damals alle befristet waren. 2005 wurde entschieden, die Minijob-Zentrale dauerhaft zu betreiben, Verträge zu entfristen und hier in Bahnhofsnähe einen neues Gebäude zu bauen. Jetzt haben wir 827 Mitarbeiter, davon 28 gerade neu eingestellt. Das heißt wir bauen kontinuierlich Personal auf, weil wir mit unseren Angeboten ankommen und sich das Aufgabenportfolio erweitert.

Finden Sie in der Region genügend qualifiziertes Personal?

Horn Noch haben wir eine gute Bewerberlage. Wir sind öffentlicher Dienst, arbeiten  im Ein-Schicht-System und mit Gleitzeit. Trotzdem brauchen wir Nachwuchs und müssen Einiges tun, um Mitarbeiter und ihre Familien an die Region zu binden. Daher kommt es – auch im Hinblick auf den Strukturwandel – darauf an, ein attraktives Arbeitsumfeld zu schaffen. Wir haben einen Frauenanteil von 87 Prozent. Da bewegen viele die Öffnungszeiten der Kitas in Cottbus. Acht Stunden sind viel zu knapp – wir brauchen flexiblere Kitas. Wir wollen mehr Teilzeitmodelle und Tele-Arbeitsplätze anbieten. Das korrespondiert damit, dass wir unseren Kunden immer mehr Service online anbieten. Doch dazu müssen überall gute online-Verbindungen existieren, wenn eine Kollegin beispielsweise von ihrem Heimatort aus home-office machen will, weil ihr Mann dort arbeitet. Unser Personal kommt von Königs Wusterhausen bis Finsterwalde. Deshalb ist uns als Arbeitgeber eine gute Bus- und Bahninfrastruktur sehr wichtig.

Was tun denn die Kollegen, wenn so viel online möglich ist?

Horn Wir haben in Cottbus drei große Beitrags-Dezernate. Dort arbeiten die meisten und haben viel mit Steuerberatern zu tun.  Seit Neuestem haben wir auch den Beitragseinzug komplett vom Hauptzollamt übernommen. Dazu kommt das Service Center mit 170 Beschäftigten. Wir versuchen, mit den Arbeitgebern und Minijobbern so viel wie möglich online zu kommunizieren – auch über unseren neuen Blog, der übrigens einer der meist besuchten Firmenblogs Deutschlands ist. Am häufigsten drehen sich die Fragen um Urlaubsrecht und Krankschreibungen. Ein Thema ist auch, dass die Beitragsgrenze für einen Minijob 450 Euro beträgt. Mit der Steigerung des Mindestlohns seit 1. Januar auf 9,19 Euro kann es nötig werden, die Arbeitszeit entsprechend anzupassen.

Ein Argument gegen Behördenumzügen ist ja, dass angeblich zu wenig qualifiziertes Personal außerhalb von Ballungsräumen zu finden ist. Wie sehen Sie das?

Horn Das betrifft mich ja selbst. Ich war 2002 mit dem Studium fertig und wäre aus Cottbus weggezogen, wenn ich kein Angebot als Referentin von der damaligen Bundesknappschaft bekommen hätte. Also erst einmal kann man mit neuen Behörden qualifizierte Menschen  halten. Dann ist entscheidend, mit der Digitalisierung voranzukommen, damit der Wohnort keine so große Rolle mehr spielt. Und wenn es hier attraktive Arbeitsplätze gibt, sind genug Leute bereit, nach Cottbus zu kommen.