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| 20:09 Uhr

Bundeswehr
„Die MIG 29 hat uns gerettet“

  Gäste der Feierstunde zum 50 jährigen Bestehen des militärischen Kalibrierwesens in Cottbus beim Rundgang durch die Bundeswehr-Labore im Cottbuser Norden.
Gäste der Feierstunde zum 50 jährigen Bestehen des militärischen Kalibrierwesens in Cottbus beim Rundgang durch die Bundeswehr-Labore im Cottbuser Norden. FOTO: Marion Hirche
Cottbus. Kaum bekannt: Seit 50 Jahren gibt es militärisches Kalibrierwesen am Standort Cottbus. Von Marion Hirche

Ja, es gibt sie noch: Die Bundeswehr in Cottbus. Gestern wurden 50 Jahre militärisches Kalibrierwesen am Standort Cottbus in Anwesenheit zahlreicher Vertreter der Bundeswehr, des Cottbuser Ordnungsdezernenten Thomas Bergner, der Landtagsabgeordneten Kerstin Kircheis (SPD), von  jetzigen und ehemaligen Mitarbeitern der Einrichtung und weiterer Gäste gefeiert.

Oberstleutnant Henning Rutz, Leiter Zentrale Betriebsführung und stellvertretender Leiter des Kalibrierzentrums der Bundeswehr, betonte in seinen Glückwünschen in der gestrigen Festveranstaltung:

Leistungsfähigkeit überzeugt

„Die Leistungsfähigkeit dieser kleinen Dienststelle sowie die Einsatzfreude und die herausragenden Fachkenntnisse des Personals überzeugten jederzeit. Dass es gelungen ist, diese kleine Dienststelle über die Wiedervereinigung Deutschlands und die nicht wenigen strukturellen Änderungen in der Bundeswehr mit ihren ganz speziellen Fähigkeiten am Standort halten zu können, spricht insbesondere für die Menschen, die in dieser Dienststelle ihre überzeugende Arbeit leisten“.

Thomas Bergner gratulierte im Namen des Cottbuser Oberbürgermeisters, dankte den Mitarbeitern und betonte: „Es ist ein positives Signal in den jetzigen Strukturwandelzeiten, dass diese Einrichtung der Bundeswehr hier bleiben wird.“

Er überreichte einen Baumkuchen an den Standortältesten der Bereiche Cottbus und Döbern, sowie den Kasernenkommandanten der Laborliegenschaft Hauptmann Daniel Marko.

Wechselvolle Geschichte

Letzterer hatte zum Auftakt der Feier die Gäste begrüßt und skizzierte die wechselvolle Geschichte des Kalibrierlabors: „Die russische Technik des in Cottbus stationierten Jagdfliegergeschwaders 1 musste gewartet werden. Am 1. Juli 1969 gab es den Befehl aus dem Ministerium zur Errichtung des messtechnischen Prüfdienstes der NVA in der Lausitzmetropole. Am 2. September 1979 erfolgte die Aufnahme der Arbeiten zur Prüfung von Mess- und Prüfmitteln am heutigen Standort“.

Im Cottbuser Norden entwickelte sich ein leistungsstarkes Labor zur Kalibrierung von militärisch genutzter Hoch- und Niederfrequenztechnik, sowie von Drehmomenten.

„Die MIG 29 hat uns dann das Überleben nach der Wende gerettet“, erinnerte sich Günter Waldmann, der hier von 1959 bis 2001 gearbeitet hat.

Zum Hintergrund: In der Bundeswehr wurden  Sauerstoffausrüstungen durch die Industrie gewartet. In der NVA  waren die Cottbuser Labormitarbeiter die Experten dafür. Aus diesem Grund wurde die militärische Einrichtung der NVA mit dem Wissen und Können unverzichtbar für die Bundeswehr.

Tiefe Einschnitte nach der Wende

Auch nach der Wende gab es tiefe Einschnitte in der Bundeswehrlandschaft: Die Heeresfliegerstaffel verließ 2006 Cottbus, 2008 wurde das Kalibrierlabor dem neu formierten Kalibrierzentrum der Bundeswehr unterstellt. 2011 wurde das Kreiswehrersatzamt in Cottbus geschlossen, das Karrierecenter nach Potsdam verlegt. Geblieben sind ein Karriereberatungsbüro und die Kalibriereinrichtung: das Regionallabor 4.

Das Cottbuser Labor ist eins von sieben stationären an fünf Standorten. Es ist das größte außerhalb der Zentrale in Mechernich in der Eifel.

Die Gäste hatten gestern die Möglichkeit zum Rundgang durch die Räume. Lutz Lehmann arbeitet seit 1994 in der Einrichtung, zeichnet seit 2006 für die Kalibrierung unterschiedlich großer Drehmomente verantwortlich: „Wir belasten die Teile, justieren und kalibrieren sie. Ich brauche rund 30 Minuten  für eins“. Detlef Förster hat in Holzdorf eine Ausbildung zum Elektroniker gemacht und kümmert sich jetzt um die Genauig- und Tauglichkeit u. a. von Flugzeugteilen.

Mobiles Labor

Alexander Mroß ist besonders stolz auf die Messeinrichtung für Feldleistungsdichte. Diese ermöglicht die Kalibrierung von Hohlleiterlecksuchgeräten im Frequenzbereich bis 18 GHz. Diese Messeinrichtung ist in Cottbus entwickelt worden.

„Ich bin seit 2012 hier und habe  optimale Arbeitsbedingungen in einer spannenden Tätigkeit“. Maik Täger stellte sein mobiles Kalibrierlabor vor. Dieses kommt bei Geräten zum Einsatz, die zu groß und aufwendig für den Transport nach Cottbus sind.