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Die Macht der Bäume und ihr Nutzen für Menschen

Kinder und Eltern ließen sich von Christian Böhm und seinen Baumgeschichten begeistern.
Kinder und Eltern ließen sich von Christian Böhm und seinen Baumgeschichten begeistern. FOTO: hil
Cottbus. Nicht nur die Erstsemester ziehen zurzeit an der BTU Cottbus-Senftenberg in die Hörsäle und Seminarräume ein. Auch die Studierenden von morgen bevölkern den Campus und löchern Dozenten mit Fragen: Die Kinder-Uni startet ins Wintersemester. Andrea Hilscher

Die kleinen und großen Besucher der BTU-Kinderuni in Cottbus hatten bereits gestern das Vergnügen, die Nachwuchswissenschaftler in Senftenberg können sich auf den Semesterbeginn am Samstag freuen. Die Vorlesungsreihe speziell für Kinder beendet ihre Sommerpause.

Im zehnten Jahr ihres Bestehens in Cottbus setzte das Angebot gestern voll auf die meist noch ungebrochene Naturbegeisterung von Kindern. Das Thema: Unsere Bäume - mehr als einfach nur Holz?

Der junge Dozent, Dr. Christian Böhm vom Lehrstuhl Bodenschutz und Rekultivierung, scheint sehr genau zu wissen, wie die kommende Wissenschaftler-Generation tickt: Mit bloßen Powerpoint-Präsentationen sind die mediengewohnten Kinder nicht mehr zu begeistern. Also empfing Böhm sie gleich mit der passenden Musik im Hörsaal:

"Alt wie ein Baum möchte ich werden / Genau wie der Dichter es beschreibt / Alt wie ein Baum mit einer Krone, die weit, weit, weit, weit / Die weit über Felder zeigt."

Der alte Puhdys-Hit stimmte die Zuhörer ein aufs Thema, die passende Illustration lieferte ein echter Spitzahorn, den Böhm in den Hörsaal geschleppt hatte.

Wie hoch das Gewächs wohl sein mag, fragte er das junge Publikum, holte flugs ein paar Freiwillige aufs Podium und demonstrierte, wie man auf Pfadfinderart die Höhe eines Baumes bestimmen kann.

Es folgte ein kinderfreundliches Feuerwerk von Baumrekorden: der älteste (10 000 Jahre), der dickste (14 Meter), der höchste Baum (115 Meter). Den zauberte er sogar neben die Oberkirche, die mit ihren 55 Metern selbst neben dem höchsten Baum Deutschlands, einer 65 Meter hohen Douglasie, fast schon mickrig wirkte.

Damit den jungen Gästen nicht langweilig wurde, hatte Böhm ihnen ein Baum-Memory mitgebracht, dazu Kisten voll mit frisch gesammelten Blättern, Eicheln, Früchten und Tannenzapfen. Und siehe da - die Kinder konnten selbst Sommer- von Winterlinden unterscheiden, Stieleichen und Rotbuchen erkennen.

Dann durften die Jung-Ökologen ausprobieren, wie leicht sich kostbarer Boden wegpusten lässt, wenn man ihn nicht durch Bepflanzung schützt.

Den Begriff Agroforstwirtschaft und das Nachhaltigkeitsprinzip des sächsischen Försters Hans Carl von Carlowitz (gestorben 1714!) werden die Gasthörer jedenfalls nicht so schnell vergessen.

Kinderuni-Stammgast Karl-Justus Liebig: "Klasse war das heute. Kein bisschen langweilig, wie sonst manchmal." Er kommt wieder, keine Frage.

www.b-tu.de/kinderuni

Zum Thema:
An rund 70 Universitäten und Hochschulen in Deutschland gibt es Kinder-Unis. Das Modell wurde im Jahr 2002 an der Tübinger Universität als Gemeinschaftsprojekt zwischen Universität und der Lokalzeitung angeboten. In der Lausitz folgten Senftenberg (2005) und Cottbus (2006). Kinder-Vorlesungen sollen frühzeitig das Interesse an der Lösung naturwissenschaftlicher Fragestellungen wecken, Kindern die Möglichkeit geben, das Flair einer Universität zu erleben und Hemmschwellen abzubauen.