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| 02:39 Uhr

Die Leichen sind wieder schön

Cottbus. Das war so zu erwarten: Wenn die Cottbuser Krimiautorin Franziska Steinhauer einen Roman zur Leipziger Völkerschlacht schreibt, wird es deftig. Wo "Speichelfäden" fliegen, "tiefes Grollen" aus einer gräflichen Brust dringt und sich "krallenbewehrte Finger" in die Luft recken, tauchen bald übel zugerichtete Leichen auf. Rund 140 Krimifans hatten zur Lesung bei Hugendubel ihren Spaß. ani

Einige Cottbuser sollen inzwischen ein bisschen Angst vor Franziska Steinhauer haben. Oder hatte die Dame, die jüngst die Autorin in der Straßenbahn erkannte, nur zu viele Krimis gelesen? "Nö, vor Sie werde ich mich lieber nicht setzen", soll sie gesagt haben, "sonst…." Und darauf legte sie den Finger an ihren Hals, bewegte ihn ruckartig hin und gab ein röchelndes "Krrrrrr-chchch" von sich. Die Autorin nimmt den Vorfall in ihre Komplimentesammlungen auf und schreibt fleißig weiter. Jedes Jahr ein Buch - oder gar zwei. Die Fans danken es ihr. Frauen aller Generationen und auch ein paar Herren hatten sich zur Lesung des druckfrischen Romans zur Völkerschlacht "Die Stunde des Medicus" eingefunden.

Held - jawohl, so darf der genannt werden, der seine Liebste aus einem eiskalten Brunnen rettet - ist in diesem historischen Roman der Medicus Dr. Prätorius. Er jagt im Buch nicht nur verbissen nach einem noch verbisseneren Frauenmörder, sondern bekommt auch den Schädel von Wolfgang Amadeus Mozart angeboten, behandelt Napoleons linkes Bein und kritisiert dessen Mahlzeiten.

Die erste Leiche - die Tochter des Stadtschreibers - wird von drei Anglern an dem Flüsschen Parthe, das in Leipzig in die Weiße Elster mündet, gefunden. Und so übel, wie sie zugerichtet ist, gehen die Leipziger davon aus, dass nur eine Bestie sie getötet haben kann. Während die Stadt voll ist von fremden Soldaten, bangen die Leipziger um ihre Töchter. Immer ist es ein Brief, der die Opfer aus dem Haus lockt.

Franziska Steinhauer hat verdammt viel Fantasie. Und ihre pathologischen Studien und historischen Recherchen beflügeln sie. Und mit ihren Figuren hat sie so viel Spaß, dass es ihr sehr schwer fallen muss, leise zu schreiben. Sie lächelt, wenn sie die Dialoge vorliest, in denen sie sich übereinander lustig machen, Gerüchte austauschen, sich streiten. Aber nimmt sie auch eine ihrer Figuren ernst? Was immerhin dabei herauskommt, sind üppige Kulissen. Nein, von den Filmleuten wird dieser Roman wohl wieder abgelehnt. Zu aufwendig, zu teuer das Völkerschlacht-Drumherum. Aber er löst ganz gewiss ein sehr farbiges Kopfkino aus.

Viele Krimifreunde haben den Donnerstagabend genossen. Und Franziska Steinhauer versteht es, die Spannung zu schüren. Viele nahmen sich "Die Stunde des Medicus" und auch Fälle aus der Peter-Nachtigall-Reihe mit. Im Sommer soll ihr krimineller Reiseführer durch Cottbus und den Spreewald erscheinen, und der 17. Krimi mit Peter Nachtigall stehe kurz vor der Vollendung. Im Rahmen der Leipziger Buchmesse liest sie am Freitag, 14. März, um 19 Uhr im "asisi Panometer" aus ihrem neuen Roman zur Völkerschlacht.

www.franziska-steinhauer.de