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| 02:34 Uhr

Die Kunst der praktizierten Inklusion

Die Malerin Carola Kirsch (rechts), der Fotograf Walter Schönenbröcher und Veronika Piduch von den Lebenshilfe Werkstätten sind um eine positive Erfahrung reicher: Beim künstlerischen Arbeiten funktioniert die Inklusion.
Die Malerin Carola Kirsch (rechts), der Fotograf Walter Schönenbröcher und Veronika Piduch von den Lebenshilfe Werkstätten sind um eine positive Erfahrung reicher: Beim künstlerischen Arbeiten funktioniert die Inklusion. FOTO: Nicole Nocon
Cottbus. "Über Inklusion wird viel geredet. Aber was bedeutet Inklusion in der Praxis", hat sich der Cottbuser Fotograf Walter Schönenbröcher gefragt. Die Antwort hat er in einem Projekt der Lebenshilfe gefunden, an dem er und drei weitere Künstler sich beteiligen. Nicole Nocon

Für Veronika Piduch von den Lebenshilfe Werkstätten Hand in Hand bedeutet Inklusion, dass ihre schwerbehinderten Mitarbeiter sich auch außerhalb der Werkstätten einbringen und beweisen können - als Teil der Gesellschaft, im Arbeitsleben und seit Neuestem auch in der Kunst. "Kunst wird besonders gut, wenn ganz verschiedene Menschen zusammenarbeiten. Inklusion in der Kunst bedeutet für uns, jeder soll seine Ideen ausprobieren", ist Veronika Piduch überzeugt.

So sei Anfang des Jahres die Idee für ein Vorhaben entstanden, das Menschen mit Behinderung und Künstler zusammenführen sollte. Die Bereitschaft, mitzumachen, sei sowohl bei den Behinderten als auch unter den Künstlern sofort vorhanden gewesen", erinnert sich Veronika Piduch. Aus der Idee hat sich ein inklusives Kunstprojekt entwickelt, das bereits greifbare Früchte trägt. Mit dabei sind die Cottbuser Künstler Carola Kirsch, Günther Rechn, Walter Schönenbröcher und Hector Peters. Und auch Schüler des Cottbuser Oberstufenzentrums und des Erwachsenenbildungswerks haben sich dem Projekt angeschlossen. Der Startschuss fiel im April. Um die Künstler haben sich vier bunt gemischte Gruppen aus behinderten und nichtbehinderten Menschen gebildet.

Treffpunkt einer der Gruppen war das Atelier der Malerin Carola Kirsch. Dort stand zunächst das Ausprobieren im Vordergrund - auch für die Künstlerin. "Ich hatte bislang noch keine Berührungspunkte mit Menschen der Lebenshilfe Werkstätten. Deshalb wusste ich nicht genau, was möglich ist und wie wir zusammen arbeiten würden. Das Miteinander hat dann viel besser funktioniert, als ich es vermutet hätte. Ich habe bei allen eine große Gestaltungsfreude gespürt. In der Gruppe wuchs eine schöne Harmonie und beim gemeinsamen Arbeiten hat sich eine Dynamik entwickelt", schwärmt Carola Kirsch, die die Erfahrungen, die sie bei den Treffen sammeln konnte, nicht missen möchte. "Meine Idee von Inklusion ist Stück für Stück gewachsen. Inklusion betrifft nicht nur Behinderte, sondern uns alle. Wie hier in der Gruppe können wir einen Rahmen finden, in dem jeder eigenständig bleibt und in dem wir trotzdem gemeinsam etwas bewegen können", sagt die Malerin.

Der Fotograf Walter Schönenbröcher hat sich mit seiner Gruppe angeschaut, wie sich der Umgang mit behinderten Menschen in unserer Gesellschaft verändert hat. "Ich habe recherchiert und eine Grafik entdeckt, die die Entwicklung von der Exklusion über die Separation und die Integration bis zur Inklusion darstellt. Danach hatte ich sofort die Idee für eine Bilderstrecke im Kopf, die ich mit meiner Gruppe diskutiert und umgesetzt habe", berichtet Schönenbröcher. Vier Fotos seien entstanden, die die vier Entwicklungsstufen darstellen. "Auch bei der Arbeit haben wir Inklusion praktiziert. Jeder hatte seine Aufgabe, sei es als Darsteller oder bei der Einrichtung des Lichtes", betont der Fotograf, der auch Mitarbeiter der Stadtverwaltung - darunter OB Holger Kelch (CDU) - für die Fotoaufnahmen gewinnen konnte.

Die Gruppen um Günther Rechn und Hektor Peters arbeiten noch. "Im November soll es eine Ausstellung im Rathaus-Foyer geben. Geplant ist außerdem die Versteigerung der Werke. Der Erlös soll den Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge in Cottbus und Guben gespendet werden", kündigt Veronika Piduch an.