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| 02:53 Uhr

Die Kolkwitzer kämpfen um ihre Bahnhöfe

Kolkwitz. Die Kolkwitzer müssen um ihre drei Bahnhaltepunkte fürchten. Sowohl im Ortsteil Kunersdorf als auch in Kolkwitz Nord und Süd sollen bei einer Erhebung für die Fortschreibung des Landesverkehrsplans weniger als 50 Passagiere gezählt worden sein. Zu wenig für das Land, das für jeden Halt eine Stationsgebühr an die Bahn berappen muss.

Der Gemeindevertreter Gerd Bzdak (Die Linke) hat alle Ortsvorsteher angeschrieben. Im Rathaus, in Geschäften und Unternehmen liegen Unterschriftenlisten aus. Die Feuerwehrortsgruppen helfen bei Sammeln. "Es sind schon weit über 500 Unterschriften gegen die Schließung unserer Haltepunkte zusammengekommen. Auch die Nachbarorte machen mit und Touristen aus Dresden. Wir hoffen, dass wir bis zum 15. August über 1000 Unterschriften zusammenbekommen", sagt Gerd Bzdak.

Vor allem Schüler und Berufspendler nutzen täglich die Bahnverbindungen ab Kolkwitz und Kunersdorf. Die Stilllegung der Haltepunkte wäre umweltpolitisch ein Fiasko, sagt Gerd Bzdak. Viele Kolkwitzer müssten ganz aufs Auto umsteigen. "Ich glaube nicht, dass am Cottbuser Bahnhof noch viel Platz für weitere Tagesparker ist. Und wenn insgesamt weniger Menschen Bahn fahren, wird sich die Taktfrequenz zwischen Cottbus und Berlin oder Leipzig weiter verringern", sagt Gerd Bzdak.

Bürgermeister Fritz Handrow (CDU) bezweifelt, dass die Passagier-Zahlen den Tatsachen entsprechen. Er vermutet, dass in der Zeit der Erhebung gerade Schienenersatzverkehr lief. Besonders ärgern ihn Vergleiche mit Bahnhöfen wie Lübbenau. Dort hat die städtische Wohnungsbaugesellschaft den Bahnhof erworben, ein privat betriebenes, modernes Reisezentrum, Fahrradverleih, Spreewaldshop und Erlebnisgastronomie, Kleingewerbe und eine Pension eingerichtet. "Aber Kolkwitz ist nicht Lübbenau", sagt Handrow.

Gern hätten auch die Kolkwitzer das Umfeld ihrer Bahnhöfe längst verbessert. "Wir haben in den vergangenen Jahren mehrmals versucht, Flächen von der Bahn abzukaufen. Es kam immer eine Absage. Stattdessen wachsen dort Brennnesseln und Diseln. Als wir uns um das Kunersdorfer Bahnhofsgebäude bemühten, wurde es über Nacht abgerissen", sagt Handrow. Die Gemeinde selbst versucht, die Bahnhöfe für die Radler als Ausgangspunkte für Touren bekannter zu machen. Aber von den Tourismusverbänden erwartet Handrow hier mehr Engagement. Die Bushaltestelle näher an den Bahnhof zu versetzen und mehr Parkplätze zu schaffen, das könnte die Gemeinde durchaus schaffen, sagt auch Bzdak. Aber ob die Zeit jetzt dafür noch ausreicht?

Dieter Doege, Landesvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn Brandenburg/Berlin, ermutigt entgegen den ersten Äußerungen des Verbandes gegenüber dem Fernsehsender rbb jetzt im RUNDSCHAU-Gespräch die Kolkwitzer, noch weiter Unterschriften für ihren Bahnhof zu sammeln.

Das eigentliche Problem, so Doege, sei nämlich die Stationsgebühr, die es neben der Trassengebühr gibt. "Die Stationsgebühr fordert die Bahn für jeden Halt vom Land. Und da das Land dringend Einsparungsmöglichkeiten sucht, soll es nun wieder die Kommunen treffen. Aus meiner Sicht muss die Stationsgebühr abgeschafft werden. Statt für einen Halt bestraft zu werden, sollten sie dafür belohnt werden", so Dieter Doege. Er will eine Debatte über die Gebühren angestoßen. "Und was die Gemeinden erst einmal brauchen, bevor sie investieren, ist eine Bestandsgarantie für ihre Bahnhöfe."

Für die Nachfrage erreichte die RUNDSCHAU Dieter Doege in einem französischen Städtchen in der Bretagne. Er schwärmte: "Hier gibt es einen kleinen Bahnhof. Drei Bedienstete sind da, und ich habe keinen Automaten gefunden, die Reisenden warten in der Schlange und werden persönlich bedient. Ist das nicht schön?"