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Die kleine, große Cottbuser Künstlerin

Cottbus. Sie malte die Stadt Cottbus, ihre Bewohner und hielt die Veränderungen in ihren Bildern fest. Am 15. Dezember 1964 starb die Malerin und Cottbuser Ehrenbürgerin Elisabeth Wolf. Von Bernd Marx

Viel war ihr nicht geblieben, als im Frühjahr 1945 das Haus der Familie Wolf in Cottbus zerstört wurde. Zu den Verlusten gehörten alle Gemälde-Originale zur Familie Leichhardt. Ihr Großvater, der Porträtmaler, Musiker und Fotograf Friedrich August Schmalfuß (1791-1876), hatte die gesamte Familie des Torfinspektors Hyronimus Leichhardt (1778-1849) in Trebatsch gemalt. Darunter auch den 15-jährigen Ludwig (1813-1850), der später mit seinen spektakulären Überlandreisen in Australien Geschichte schrieb. Elisabeth Wolfs Großmutter Henriette Schmalfuß (1808-1889) war eine ältere Schwester des legendären Forschers. Im Jahr 1938 hatte Elisabeth Wolf noch einen großen Teil der Leichhardtschen Familienbilder kopiert, der so erhalten blieb. Am 7. Juli 1955 durfte sie einen Gedenkstein für ihn vor der Trebatscher Dorfschule einweihen. Die Namensgebung für eine „Leichhardt-Schule“ wurde untersagt.

Elisabeth wurde am 15. März 1873 in Sandow bei Cottbus geboren. Durch die zahlreichen Arbeiten ihres Großvaters beeinflusst, wurde auch sie Kunstmalerin. Unter ihren Lehrern waren Arthur Kampf, Leo von König und Lovis Corinth.

Obwohl Elisabeth Wolf die Chance bekam, in anderen Städten Deutschlands und Europas als Malerin zu arbeiten, blieb sie immer ihrer Geburtsstadt Cottbus treu.

Auch ein Grund dafür, dass es zahlreiche Bilder über die Entwicklung der Stadt Cottbus vor und nach 1945 von ihr gibt. Eine Augenkrankheit, die später fast zur vollständigen Erblindung führte, beeinträchtigte zunehmend die Arbeiten der agilen Frau. Der Verband Bildender Künstler Deutschlands verlieh ihr im Jahr 1959 die Ehrenmitgliedschaft. Anlässlich ihres 90. Geburtstages im Jahre 1963 wurde sie Ehrenbürgerin.

Am 15. Dezember 1964 verstarb Elisabeth Wolf im Alter von 91 Jahren. Sie wurde auf dem Cottbuser Nordfriedhof in einem Ehren- und Familiengrab beigesetzt. Wo sie einst aufgewachsen ist, in Sandow, tragen heute eine Straße und ein Spreeufer den Namen der Malerin.