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Die Kitalandschaft darf wachsen

Die Kitalandschaft in Cottbus darf reicher und bunter werden – der Bedarf ist da.
Die Kitalandschaft in Cottbus darf reicher und bunter werden – der Bedarf ist da. FOTO: dpa
Cottbus. Die Cottbuser Kitalandschaft darf wachsen. Nach der Entwicklung der Kinderzahlen in den nächsten Jahren reicht der Bedarf für mindestens zwei neue Kindertagesstätten mit je 100 Plätzen. In mehr Grundschulen müssen Unterrichtsräume doppelt genutzt werden. Das Carl-Thiem-Klinikum will endlich die Idee zur Betriebskita realisieren. Annett Igel-Allzeit

Wurden im Jahr 2006 in Cottbus noch 5480 Kita- und Hortplätze in Anspruch genommen, waren es im Vorjahr - zehn Jahre später - bereits 6869 Plätze. Nicht nur die reine Kinderzahl, sondern auch der Wunsch der Eltern, den Nachwuchs in einer Einrichtung unterzubringen, wächst - was zugleich ein Indiz dafür ist, dass viele junge Eltern Arbeit haben. Während deutschlandweit 32,7 Prozent der Null- bis Dreijährigen eine Kita besuchen, sind das in der Stadt Cottbus mit 60,4 Prozent fast doppelt so viele. Damit liegt Cottbus bei den Kleinkindern nicht nur deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt, sondern auch leicht über dem Durchschnitt in Berlin und im Land Brandenburg.

Den freien Trägern, die Kindertagesstätten betreiben, gibt das erst einmal Sicherheit. Wie der Jugendamtsleiter Thomas Heiner erläutert, wird deshalb gern mit allen Kitas in die neue Entwicklungskonzeption gestartet. Die aktuelle Konzeption läuft in diesem Jahr aus. Die Konzeption für 2017 bis 2022, an der gerade gearbeitet wird, soll es zumindest den freien Trägern, die bereits Kitas betreiben, erleichtern, eine weitere Kita zu öffnen.

Die Bedarfszahlen für die einzelnen Tagesstätten festzulegen, sei nicht einfach gewesen. "Übers Jahr schwanken sie in den Einrichtungen um 17 Prozent", erklärt André Schneider. Während im September, ein Schwung Kinder die Kita in Richtung Schule verlässt, ist die Kinderzahl im Juni vor den Ferien sehr hoch - aber auch für diesen Zeitraum müssen die Einrichtungen der Betriebserlaubnis gerecht werden.

Laut Statistik zum Entwurf der Entwicklungskonzeption soll die Bedarfsquote weiter steigen: im Krippenbereich auf 73 Prozent und im Kindergartenbereich auf 108 Prozent - weil die Stadt zudem mit Kindern aus Umlandgemeinden, aus anderen Herkunftsländern und nach den Erfahrungen der Vorjahre auch mit der Rückstellung von Vorschulkindern rechnet (2,7 Prozent).

Bedarf für eine neue Kita mit 30 Krippen- und 70 Kindergarten gebe es Cottbus-Mitte. Stadt ist mit mehreren Investoren, die auch jeweils freie Träger an der Seite haben, im Gespräch. Auch Ströbitz im Westen von Cottbus haben die Eltern mit einem Defizit zu kämpfen, so dass eine Kita mit 70 Kindergarten- und 30 Krippenplätzen - das Verhältnis ist stets die Empfehlung der Stadt - willkommen wäre. Den Bedarf für Cottbus-Süd könnte Carl-Thiem-Klinikum decken helfen. Das Cottbuser Krankenhaus will endlich die Idee einer Betriebskita mit ebenfalls 100 Plätzen. Sie soll vor allem jungen Mitarbeitern helfen, die ihre Kinder bereits zur Frühschicht unterbringen müssen. Wann genau die CTK-Kita eröffnet wird, kann CTK-Sprecherin Susann Winter noch nicht sagen. "Aber die Gespräche mit der Stadtverwaltung laufen." In Kiekebusch und Dissenchen werden auch neue Kindertagespflegeplätze helfen, den Bedarf zu decken. Die Kita "Grashüpfer" in Kahren will sich um einen Gruppenraum vergrößern. Im Bereich Nord wollen die Kindertagesstätten durch Umstrukturierung der nötigen Platzerhöhung gerecht werden.

Besonders Sorgen macht der Stadt der Hortbereich. Die Kita "Kirschblüte" will zusätzliche Hortplätze für die Bauhausschule schaffen - trotzdem wird die Grundschule mit der Doppelnutzung von Räumen für Unterricht und Hort leben müssen. Auch in Groß Gaglow, wo der Bescheid für den Hortneubau endlich da ist, wird es auch nach dem Bau nicht ohne die Doppelnutzung in der Grundschule gehen. Die Grundschule Dissenchen muss in der Hortbetreuung mit einer Ausnahmegenehmigung leben.

Zum Thema:
Den freien Trägern wird der Entwurf zur Kita-Entwicklungskonzeption am 19. Januar vorgestellt. Vier Tage später beschäftigt sich die AG 78 damit. Im Februar soll der Entwurf in die ersten Ausschüsse der Stadtverordnetenversammlung gehen.