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| 01:02 Uhr

Die Kirche als Lebensmittelpunkt

Der Geruch der Burger Kirche ist ihr so vertraut, wie der ihres Wohnzimmers. Schließlich wurde sie hier nicht nur getauft, konfirmiert und vermählt. Lydia Budischin ist seit 20 Jahren Kantorin in Burg. Das scheint jung zu halten. Denn die 40 Lebensjahre sind ihr nicht anzusehen. Sie ist ein Organisationstalent und liebt es, wenn Leben in der Kirche ist. Doch wünscht sie sich manchmal auch ein wenig mehr Zeit für ihr liebstes Sorgenkind: die Orgel. Von Peggy Kompalla

Lydia Budischin blättert in den Noten, findet das richtige Blatt, richtet es zurecht, schon huschen ihre Finger über die Tasten der Orgel. An ihr hat sie spielen gelernt. Damals war die Kantorin elf Jahre alt. „Ich bin jeden Tag nach der Schule zum Üben in die Kirche gekommen“ , erinnert sie sich. Doch auch das Instrument ist in die Jahre gekommen, auch wenn es neun Jahre jünger ist, als die Kirchenmusikerin selbst. „Die Orgel ist noch nie gereinigt worden“ , sagt Lydia Budischin. Das habe sie aber bitter nötig. Abgesprungene Muttern und Federn kann die Musikerin zwar ersetzen, aber der Verschleiß mache sich mehr und mehr bemerkbar. Aber so eine Generalreinigung, bei der die Orgel in ihre Einzelteile zerlegt wird, kostet mindestens 27 000 Euro.
„Das kann sich die kleine Gemeinde nicht allein leisten, schon gar nicht nach all den Baumaßnahmen.“ Deshalb hofft die Kantorin auf den Brandenburger Konzertsommer. „Das ist eine Initiative aus Berlin, die mit Konzerten ins Umland reisen will“ , erklärt Lydia Budischin. Bei voller Kirche kämen schon einige Spendengelder zusammen. Für ihre Orgel würde sie die Extra-Organisationsarbeit gern in Kauf nehmen. Doch das ist zunächst nur eine Idee.
Dabei ist die Kirchenmusikerin, die sich um Kinderchor, Jugendchor, Kirchenchor, Bläserkreis und Instrumentalkreise kümmert, nur ein Teil von Lydia Budischin. Außerdem unterrichtet sie acht Stunden in der Woche Religion in der Grundschule Burg/Werben und ist Katechetin. Dabei geht sie gern neue Wege. So ließ sie in einem Familiengottesdienst schon mal alle Kirchenbesucher unter einem überdimensionierten Hut verschwinden. „Die Kirche ist ein lebendiger Ort und sie ist Geborgenheit.“
Dabei will und kann Lydia Budischin ihre Arbeitsfelder nicht trennen. „Ohne Kinderarbeit wäre Kirchenmusik nichts. Es lässt sich alles so wunderbar verbinden“ , sagt sie. Bestes Beispiel sei die Zusammenarbeit von Schule und Gemeinde beim 200. Kirchenjubiläum im vergangenen Jahr. „Das war für alle eine richtige Freude.“
Genau das will sie erreichen: Neue Verbindungen schaffen, auch Menschen ansprechen und einladen, die der Kirche nicht so nah stehen, wie sie selbst. Dabei betont sie immer wieder, dass sie allein nichts schaffen würde. „Was hätte ich davon, wenn ich in einer Chorprobe säße und kein Sänger käme?“ Dem Satz schickt sie ein Lachen hinterher. Natürlich wird das nicht geschehen. Rast findet Lydia Budischin immer nur kurz.
Ihr Arbeitspensum sind ihr Ehemann Siegbert und die drei Kinder Ernst-Martin, Almut und Esther gewohnt. „Sie haben mich schon immer so gehabt, kennen gar nichts anderes.“ Da ist das Lachen wieder. Selbst nach den Geburten hat sie nie lange Pause gemacht, sondern die Kinder einfach mit in die Kirche genommen. So ist die ganze Familie mit diesem Haus verwurzelt. „Ich kann es mir gar nicht mehr anders vorstellen.“ Dabei hat sie ihr Lebensweg nicht direkt in die Kirchenarbeit geführt. Denn zunächst lernte Lydia Budischin den Beruf einer Damenmaßschneiderin. Doch über Nadel und Faden hat sie nie ihre besondere Liebe zur Kirchenmusik verloren und neben der Schneiderei ein Studium begonnen. Am 1. Januar 1985 wurde sie als Kantorin in Burg fest angestellt.
Für Lydia Budischin ist die Kirche kein stiller Ort. „Es ist schön, wenn die Tür offen steht und Leute rein- und rausgehen, wenn Kinder rumlaufen und sich Erwachsene unterhalten.“ Sie selbst wird weiter dafür sorgen, dass die Säulen mit bunten Bildern geschmückt werden, gesungen, getanzt, geplaudert und gespielt wird. Das Gotteshaus ist ein Lebensmittelpunkt.