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Energie-Fanprojekt
Die Kickerstube soll bleiben

Cottbus. Das Aus für den Jugendtreff im Zentrum ist abgesagt – Kürzungen soll’s trotzdem geben. Das sieht der Jugendförderplan der Stadt vor. Von Daniel Schauff

Von 20 auf 40 – die Zahl der täglichen Gäste in der Kickerstube in der Mauerstraße hat sich seit dem Sommer verdoppelt. Das berichtet Fanprojekt-Leiter Martin Bock und fügt hinzu: Es geht in der Kickerstube längst nicht mehr nur um die junge Fanszene des FC Energie Cottbus. Immer mehr Neu-Cottbuser fänden den Weg in den Jugendtreff im Cottbuser Zentrum.

Für die vier Sozialarbeiter, die in dem Projekt der Jugendhilfe Cottbus arbeiten, kommt die Begleitung junger Energie-Fans zu Spielen des Vereins hinzu. Gewaltprävention, der Abbau von extremistischen Orientierungen und die Steigerung des Selbstwertgefühls der Jugendlichen, so formuliert die Jugendhilfe die Ziele des Fanprojekts. Gerade angesichts der Negativschlagzeilen, für die Energiefans in den vergangenen Monaten immer wieder gesorgt haben, wichtige Sozialarbeit, die auch weit über die Grenzen der Lausitz Anerkennung findet.

Fürs Fanprojekt aber soll es ab dem kommenden Jahr deutlich weniger Geld geben. Das sieht der Jugendförderplan der Stadt vor. Statt bisher 105 000 Euro sollen es 2018 noch 90 000 Euro sein. Darüber informierte Jugendamt-Fachbereichsleiter André Schneider im jüngsten Sozialausschuss.

Immerhin – im Vergleich zum ursprünglichen Plan der Stadt, die Zuschüsse um ganze 65 000 Euro zu kürzen und künftig nur noch 40 000 Euro zu zahlen, kann das Fanprojekt aufatmen. Die zunächst vorgeschlagene Kürzung hätte das Aus für die Kickerstube bedeutet, die Reduzierung der Sozialarbeiterstellen auf gerade einmal zwei Mitarbeiter, einen deutlichen Einschnitt bei der Menge der Spielbegleitungen.

Der Knackpunkt: Das Fanprojekt wird von Stadt, Land und dem Deutschen Fußballbund (DFB) finanziert. Vom Land kommen derzeit 40 000 Euro, vom DFB für jeden öffentlichen Euro einer obendrauf. Heißt: Die Gesamtfördersumme fürs Projekt liegt bei 290 000 Euro. Zahle die Stadt weniger, werde auch das Land den Rotstift ansetzen, hatte Jugendhilfe-Geschäftsführer Jörn Meyer vor Kurzem der der RUNDSCHAU gesagt.

Mit gerade mal insgesamt 120 000 Euro, die als Folge des ersten Entwurfs des Jugendhilfeförderplans ins Fanprojekt geflossen wären, hätte sich die Arbeit nicht mehr finanzieren lassen. Das Land, das berichtete Jugendamtsleiter Schneider, habe zumindest das Signal gegeben, dass es die Mittel nicht kürzen werde. Heißt: Summa summarum stünden dem Fanprojekt ab 2018 noch 260 000 Euro zur Verfügung – immerhin genug zum Erhalt der Kickerstube und für die Begleitung zu Spielen, wenn auch in gekürzter Fassung.

Das allerdings nur zunächst. Ein Aufstieg der ersten Mannschaft des FC Energie ist nicht unwahrscheinlich, die Wege zu Auswärtsspielen würden damit wieder weiter, die Begleitung teurer. Mittelfristig müsse man sehen, wie viele Stellen und welche Öffnungszeiten in der Mauerstraße bei weniger Mitteln noch finanzierbar seien, heißt es vonseiten des Fanprojekts.

Ein Aus der Kickerstube aber wolle man in der Jugendhilfe auf jeden Fall verhindern – auch aufgrund der offenbar immer größer werdenden Bedeutung der Einrichtung als offener Jugendtreff.