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Die Herren von Cottbus und ihr Kloster

Die Ostansicht der Kirche aus dem Jahre 1846 – als Bleistiftzeichnung.
Die Ostansicht der Kirche aus dem Jahre 1846 – als Bleistiftzeichnung. FOTO: Sammlung Petzold
In loser Folge berichtet der Heimatforscher Heinz Petzold in der RUNDSCHAU aus der Cottbuser Stadtgeschichte. Sammlung Petzold


Beim Betrachten der beliebten Sonnenuhr mit ihrer abwechselnden Gestaltung an der Berliner Straße wird zwangsläufig der Blick auf mittelalterliche Baukunst gelenkt: die Klosterkirche. Der Backsteinbau mit dem lang gestreckten Hauptschiff und durchgehenden Satteldach wird auf das 14. bis 16. Jahrhundert datiert. Ein spätgotisches Seitenschiff mit Satteldach aus dem 15. Jahrhundert an der Südseite, der auf dem vierkantigen Unterbau ruhende Turm mit pyramidenförmigen Steinhelm und Wetterfahne an der Südostecke sowie die Sakristei an der östlichen Nordseite vervollkommnen den ältesten Sakralbau der Stadt. Er wird als Wendische Kirche und Franziskaner-Klosterkirche bezeichnet. Mit der zweiten Benennung wird ihre Bedeutung als letzter Zeuge einer einstigen Klosteranlage am Nordrand der Altstadt zwischen Münz- und Klosterstraße unterstrichen. Danach umschlossen die Klosterbauten den Platz, waren zugleich die nördliche Stadtmauerbegrenzung. Auffallend ist noch heute, dass die Hauptzugänge und der gegenüber der Oberkirche niedrige Turm der Altstadt zugewandt sind. Hilfesuchende waren damit jederzeit willkommen.
Die auf der Burg an der Spree residierenden Herrscher aus Franken förderten die Gründung des Klosters aus Strenggläubigkeit. So lässt sich ableiten, dass am 15. Dezember 1307 - vor 700 Jahren - ein Fredehelm von Kotbus verstorben und auf dem Klosterplatz beigesetzt worden sein soll. Als Vettern waren Fredehelm und Johann v. Cottbus am 12. Dezember 1304 „mit allen ihren Gütern zur gesamten Hand“ durch den letzten Anhaltiner Waldemar und die Markgrafen Otto und Hermann von Brandenburg belehnt worden. Richard, Sohn Fredehelms, der „das Kloster nach 1307 gründete, vielleicht zum Gedächtnis seines Vaters (oder Vorgängers) Fredehelm. Oder aber, Fredehelm gründete das Kloster und Richard übernahm nach seinem Tode die Fortsetzung des Werkes“ , so „die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg - Stadt und Lendkreis Cottbus“ 1938. Es kann angenommen werden, dass Richard, im Einvernehmen mit Johann bis 1311, seinem Vater mit der Gründung des Klosters dankte, zumal dieser die slawischen Ansiedlungen im nördlichen Cottbuser Weichbild der Klostergründung zuordnete. Der Einfluss der Cottbuser Mönche muss groß gewesen sein. Ein Beweis ist die Versammlung des Provinzkapitels der Franziskaner 1503 im Kloster, an der nahezu 700 Mönche teilgenommen haben sollen. Ihre Klosterförderer und Gründer wurden als Stifter geehrt. Das zeigt sich auf der Grabplatte Fredehelms und seiner 1309 oder 1319 verstorbenen Frau Adelheid von Colditz. Die mittelalterliche Grabmalkunst stellte plastisch die eheliche Verbundenheit des in Ritterrüstung mit dem Krebswappen auf der Brust sich zeigenden Fredehelm dar, indem er seinen rechten Arm um den faltenreichen Umhang und der mit dem Rosenkranz betenden Adelheid legt. Die 2,20 Meter hohe und über ein Meter breite Sandstei nplatte bedeckte das in der Kirche eingelassene Grabgewölbe. Erst mit der Graböffnung 1753 wurde die Grabplatte aufrecht gesetzt und dann 1908 in die Nordwand eingemauert.
Diese Epoche herrschaftlicher Macht verbunden mit klösterlicher Frömmigkeit endete mit dem Anschlag der Thesen Martin Luthers zu Wittenberg. Am 1. Juni 1537 wird der Fronleichnam vom Priester Johann Ludeck lutherisch in der Klosterkirche gepredigt. Die Mönche verlassen ihr Kloster. Der Besitz fällt der Stadt zu, die ihre sorbisch-wendischen Dörfler in ihre Pfarrkirche zum wendischen Gottesdienst bittet. Für die Klosterkirche bürgerte sich der Name „Wendische Kirche“ im Gegensatz zur Oberkirche, der „Deutschen Kirche“ , ein.
Die Klosterkirche gehört heute zum Stadtbild. Schließlich stellten die Herren von Cottbus im Zuge des Ausbaus der Stadt dem Konvent das Klosterareal bereit, auch dabei für sich städteplanerischen Nutzen zu ziehen und in Zeiten starker kriegerischer Auseinandersetzungen anerkannt zu werden.