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| 18:07 Uhr

Naturschutz
Große Öko-Baustellen der Stadt

Cottbus . Altlasten, Lärm, Hochwassergefahr – Cottbus kämpft an vielen Fronten für eine intakte Natur und eine hohe Lebensqualität.

Stephan Böttcher hat als Leiter des Fachbereiches Umwelt und Natur eigentlich einen schönen Job: Seine Aufgabe ist es, in Cottbus dafür zu sorgen, dass Menschen in einer möglichst intakten Umwelt frei von Lärm, Schmutz oder Luftbelastungen leben können. Wenn man sich aber die Liste der wichtigsten Öko-Baustellen anschaut, die Cottbus in den nächsten Jahren stemmen muss, dann wird klar: Zu beneiden ist Stephan Böttcher nicht.

Die ehemalige Dachpappenfabrik in der Peitzer Straße gehört zu den größten Problemfällen in Sachen Umwelt. Mitte der 1995er-Jahre ist eine Oberflächenberäumung der 12 000 Quadratmeter großen Fläche erfolgt, damals immerhin 1,3 Millionen Mark teuer. Zu einer grundlegenden Sanierung des verseuchten Bodens ist es bisher nicht gekommen. Stephan Böttcher: „Wir werden spätestens nächstes Jahr auf dem Gelände aktiv, die Kosten decken wir zu 100 Prozent aus Landesmitteln.“

Auf dem Grundstück wurden von 1903 bis in die 60er-Jahre Teerpappen, Asphalt und Anstrichmittel auf der Basis von Steinkohlenteer produziert. Dabei war die Untergrundfläche nicht versiegelt, und Teerrückstände wurden im Umland verkippt. Jetzt soll der kontaminierte Boden auf etwa 15 Prozent der Grundstücksfläche ausgetauscht werden. Dafür werden wabenförmige Stahlkonstruktionen sechs bis acht Meter tief ins Erdreich gerammt. Der natürliche Schadstoffabbau soll intensiviert, der Schadstoffabstrom vom Grundstück um rund 45 Prozent reduziert werden. „Am Ende soll das Gelände so saniert sein, dass eine Entwicklung vergleichbar der Lausitzer Straße stattfinden kann“, so der Umweltamts-Chef.

Rund 600 große und kleine Altlastenverdachtsflächen sind über das Stadtgebiet verteilt. Dazu gehören etwa die ehemalige Wäscherei in der Merzdorfer Straße oder das Grundstück Gulbener Straße 12 in Ströbitz. Bei der Produktion von Bohrschneidmilchen, Frostschutzmitteln und Trennmitteln wurde der Boden mit krebserregenden Chlorbenzolen, chlorierten Parafinen und Mineralölkohlenwasserstoffen verseucht. Das Grundstück befindet sich in Privatbesitz. Ein Investor, der die Sanierungskosten mit dem Land übernehmen würde, wurde bisher nicht gefunden. Neben den Altlasten gehört die Evaluierung des Lärmaktionsplanes der Stadt zu den aktuellen Aufgaben im Umweltamt. Stephan Böttcher: „Wir müssen prüfen, welche Maßnahmen in den letzten Jahren erfolgreich waren, wo sich die Verkehrsverhältnisse geändert haben, was künftig angepackt werden muss.“

Ein Meilenstein in Sachen Luftreinhaltung war der Umbau der Bahnhofstraße, der dafür gesorgt hat, dass die gemessenen Schad-
stoffkonzentrationen im Stadtgebiet innerhalb der von der EU geduldeten Normen bleiben. Stephan Böttcher: „Dank dieser Effekte müssen wir in Cottbus zum Glück nicht über ein Dieselfahrverbot nachdenken.“

Der Hochwasserschutz gehört zu den Themen, bei denen Cottbus einen langen Atem beweisen muss. Die Spree steht auf der Prioritätenliste des Landes weit unten, dennoch müssten dringend Überschwemmungsflächen geschaffen werden, um die ländlichen Ortsteile in Flussnähe zu schützen. Stephan Böttcher: „Wir drängen gegenüber dem Land auf Umsetzung der notwendigen Maßnahmen.“

„Viel Luft nach oben“ gebe es nach Aussage des Umweltamts-Chefs beim Thema Müllvermeidung in der Stadt, gerade auch bei Großveranstaltungen. Einen Testlauf für den Verzicht auf Einweg-Geschirr soll es beim diesjährigen Herbstmarkt geben, mit der BUND-Jugend sucht die Stadt nach Lösungen für ein Mehrweg-System bei Kaffee-Bechern. „Die Idee ist toll“, so Böttcher, „aber sie muss auch wirtschaftlich funktionieren.“

Die fehlende Wirtschaftlichkeit ist auch der Hemmschuh bei der Schaffung neuer Ladestationen für Elektro-Fahrzeuge. „Es gibt noch zu wenige Nutzer in der Stadt, um hier tatsächlich ein flächendeckendes Angebot hinzubekommen“, so Stephan Böttcher.

Trotz aller Erfolge in Sachen Umweltschutz – an Öko-Baustellen in der Stadt herrscht wohl auch künftig kein Mangel.

(hil)