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| 16:15 Uhr

Cottbus früher und heute
Die Geschichte einer Promenade

Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch erzählt die Geschichte eines Teilstücks der Dresdner Straße basierend auf einer Ansichtskarte, die aus der Sammlung von Hans Krause stammt.

In der Lausitzer Rundschau vom 20. Februar 2017 gab es schon einmal einen Bericht über diesen Straßenabschnitt der Dresdener Straße/Straße der Jugend unter der Überschrift: „Ende einer attraktiven Häuserzeile“.

Damals war die Blickrichtung von Süd nach Nord. Diesmal schauen wir genau umgekehrt die Straße entlang: von Nord nach Süd. Auf der Ansichtskarte ganz rechts ist ein mit reichem Stuck verziertes, mehrgeschossiges, villenartiges Gebäude zu erkennen. Es war das Wohnhaus des Direktors der Maschinenbauanstalt. Das Gebäude war acht Achsen breit, davon die drei südlichen Achsen als Erker über beide Geschosse und einem kuppelähnlichen Aufsatz, etwas hervorgestellt. Auf der Nordseite des Gebäudes befand sich mittig, ebenfalls etwas hervorgesetzt, der Hauseingang.

Im Jahre 1874 ließen die Eigentümer, die Niederlausitzer-Maschinenbauanstalt, eine Maschinenwerkstatt neu errichten sowie eine Schmiede und eine Gießerei an vorhandene Gebäude anbauen. Elf Jahre später erfolgte ein weiterer Anbau an die Eisengießerei, die zu dieser Zeit bereits Cottbuser Maschinenbauanstalt AG hieß. Angebaut und erweitert wurde auch in den folgenden Jahren. Das ganze Areal reichte von der Dresdener Straße mit dem Fabrikantenwohnhaus einst mit der Nummer 54 und dem Firmengelände mit der Nummer 55, später sind es die Hausnummern 133 bis 135, bis zur Ecke Großenhainer Straße. Das Grundstück reichte teilweise bis zur Feldstraße (Thiemstraße 10, und 13/14) mit einem Mietshaus.

Im Jahre 1891 war Otto Lührs der Fabrikdirektor, der in der Villa wohnte, ihm folgte Jacob Carl Wagner.

Vor 1910 wurde aus der bisherigen Firma die Cottbuser Maschinenbauanstalt und Eisengießerei AG und Dr. phil. Peter Oettgen, ein Ingnieur, war der Firmenchef. Zu dieser Zeit war die COMAG, wie die Firma von den Cottbusern schlicht genannt wurde, sicher eine der größten Maschinenbauanstalten in der Stadt, von denen es mindestens weitere neun gab. Angeboten wurden: „Dampfmaschinen (nach dem Gleichstrom- und dem Wechselstromsystem in stehender und liegender Bauart), Dieselmotoren (System Diesel-Altenhoff, in stehender und liegender Bauart), Transmissionen (mit und ohne Ringschmierung), Kugellager, Eis- und Kühlanlagen (für Fleischereien, Molkereien, Brauereien und sonstige Zwecke).“ Nach dem Ersten Weltkrieg stieg in die Cottbuser Maschinenbau Aktiengesellschaft die Görlitzer Waggon - und Maschinenbaugesellschaft (Wumag) ein. Fortan wurde von Görlitz aus die Cottbuser Firma mit Aufträgen versorgt. Die Wumag hatte noch weitere Zweigbetriebe, so in Dresden, in Landberg an der Warthe und in Regensburg. Nach der Inflation in den 1920er Jahren liefen die Betriebe nicht mehr so gewinnbringend - allein der Cottbuser Betrieb beschäftigte in bester Zeit 450 Arbeiter, sodass die Wumag 1927 ihren Standort in Cottbus aufgab. Die Stadt Cottbus kaufte letztendlich 1928 das ganze Areal auf. In die Direktorenvilla zogen die Reichsautobahn-Bauabteilung, der Reichs-Kraftwagen-Betriebsverband und die Ortsgruppe Süd der NSDAP. In das etwas zurückgesetzte ziegelsichtige Gebäude zog das Arbeitsamt Cottbus. Im „Cottbuser Anzeiger“ wurde die künftige Verwendung des COMAG-Geländes den Cottbusem vorgestellt. Mit der Nutzung der Fabrikhallen sollte ein Geschäfts- und Vergnügungszentrum entstehen mit Markthalle, Kaufhaus, Café und Restaurant, ein Lichtspieltheater mit 1500 Plätzen, ein Hallen- und Wellenbad - viele schöne Träume. Sie wurden nicht mehr wahr. Am 15. Februar 1945 wurden die meisten Gebäude auf dem ehemaligen COMAG-Gelände durch den Luftangriff zerstört. Nur ein Teil der Hallen an der Großenhainer Straße konnten nach dem Kriege wiederhergestellt und vom VEB Kraftverkehr und Spedition genutzt werden. Daran dürften sich auch noch viele Cottbuser erinnern. Wegen der Anlage des Stadtringes wurden die Gebäude des VEB Kraftverkehr und weitere Häuser Ende 1976 und Anfang 1977 abgerissen, bzw. gesprengt. Heute führt der Stadtring an dieser Stelle über die Straße der Jugend.

Die Straßenbahn war zunächst eingleisig auf der westlichen Straßenseite. Die Roteichenallee musste später meist der mittig angelegten Straßenbahntrasse weichen.

www.lr-online.de/cottbus

In einer früheren Version hatten wir ein falsches historisches Foto veröffentlicht. Wir bitten dies zu entschuldigen.