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Die Geborgenheit von Laubhütten

Im waldreichen Vogtland aufgewachsen, haben meine Kumpels und ich mit großer Freude in Wald und Wiese kleine Hütten gebaut. Im Spiel bot so eine Hütte guten Schutz.

Nicht mehr ganz so geschützt saß ich da, wenn es geregnet hat. Irgendwann wurde es klamm und nass und nässer.

Und doch, diese Hütten sind ein gutes Erinnern und geschützt gefühlt, haben wir uns allemal.

Sonntagabend beginnt in den jüdischen Gemeinden das Laubhüttenfest. Die Feiernden blicken weit zurück in die Geschichte Israels und vergegenwärtigen sich den langen, langen Weg in das Land Israel. Zeiten des Wanderns und Zeiten der Rast lösten sich ab.

Unstet waren sie, keine dauerhafte Geborgenheit fester Häuser gab es. Zelte und Hütten boten einen gewissen Schutz und ein Gefühl der Sicherheit. Doch eine manchmal recht löchrige Sicherheit ist so eine Hütte. Die Menschen haben damals erlebt, sie haben am eigenen Leibe erfahren: Ohne GOTTES Hilfe sind wir aufgeschmissen. ER ist uns der helfende Begleiter. Seine Nähe gibt unseren Hütten und Zelten den Not wendenden Schutz.

In Erinnerung daran ist es Brauch, Laubhütten zu errichten, deren Dach nicht ganz geschlossen ist, sondern den Blick zum Himmel freigibt. Möglichst oft sollte in der Hütte gegessen werden. Die Feiernden fühlen, wie undicht so eine Hütte ist und wie schutzlos Menschen äußeren Einflüssen ausgeliefert sein können. Der Blick geht zum Himmel - dankbar für Bewahrung in Schutzlosigkeit, die Menschen immer wieder spüren.

Die Hütten sind geschmückt mit Zeichnungen und mit Früchten. Bei den Mahlzeiten wird gesungen und erzählt. Denn es ist wunderbar, trotz der Gefährdungen, die es gibt, am Leben zu sein und geborgen. Davon kann gar nicht genug erzählt und gesungen werden. Und wenn die Hütte auch undicht ist, GOTT gibt ihr und dem Leben Bestand.

Die Festgemeinde umgibt sich mit Zeichen der Freude und Bewahrung. Freude gibt Kraft den Gefährdungen zu widerstehn. Die Freude am HERRN ist eure Stärke.

*Pfarrerin St.Nikolai Cottbus,

Synodalbeauftragte für das christlich-jüdische Gespräch in Cottbus