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Die ganze Welt zu Gast

Mitreißender Tanz und Gesang aus Kolumbien – beim internationalen Folklorefestival in Drachhausen traten Künstler aus zwölf Ländern auf.
Mitreißender Tanz und Gesang aus Kolumbien – beim internationalen Folklorefestival in Drachhausen traten Künstler aus zwölf Ländern auf. FOTO: Hirche/jul1
Drachhausen. Am Wochenende fand in der Lausitz zum zwölften Mal das internationale Folklorefestival statt. Nach dem Auftakt in Bautzen waren die Sänger, Tänzer und Musiker von vier Kontinenten am Freitagabend in Drachhausen zu Gast. Marion Hirche / jul1

Danach wechselte der Folkloretross wieder in die Oberlausitz nach Chrostwitz, wo 1995 die Wiege dieses Festivals stand. Die besondere Philosophie: Ein ganzes Dorf ist Gastgeber, Bühnen gibt es auf den Höfen der Einwohner. Diese Art der Programmpräsentation hat auch Drachhausen übernommen.

"Bei uns hat das ganze Dorf mitgeholfen. Wir freuen uns, dass wir wieder Gastgeber sind. Alle acht Vereine des Ortes haben vorbereitet und helfen bei der Gestaltung des Abends mit", sagte am Freitagabend Drachhausens Bürgermeister Fritz Woitow. Hinter der Kirche stand traditionell die große Hauptbühne, auf der die Eröffnungsreden gehalten wurden. Auf drei weiteren Bühnen auf Höfen von Drachhausenern wurde bis 23 Uhr gesungen, getanzt und musiziert.

Der Hof von Familie Unger in der Dorfstraße 53 war zum fünften Mal Veranstaltungsort. "Es ist doch schön, die ganze Welt zu Gast zu haben. Wenn keiner was macht, dann findet auch nichts statt. Deshalb bringen wir uns ein, damit was passiert", sagte Roswitha Unger, während auf der Bühne das Deutsch-Sorbische Ensemble Cottbus vom norwegischen Myllargutens Gammaldansorkester abgelöst wurde.

Marcus Koinzer, Geschäftsführer des Regionalverbandes Niederlausitz der Domowina, betonte die große Bedeutung der Veranstaltung: "Wir haben die ganze Welt zu Gast, die Gruppen kommen aus zwölf Ländern. Die sorbisch/wendische Sprache steht einen ganzen Abend lang für die breite Bevölkerung im Mittelpunkt. Drachhausen beweist, wie wichtig der dörfliche Zusammenhalt ist, alle ziehen hier an einem Strang. Das ist ein Signal für alle Dörfer der Niederlausitz".

Zu den besonderen Höhepunkten des vielseitigen Programms gehörten die Auftritte des American Rhythm Folk Ensembles. Die Studenten aus dem Bundesstaat Utah zündeten mit ihren Füßen beim Steppen ein Feuerwerk, dem sich keiner entziehen konnte. "Die Stimmung ist hier super. Wir sind zum ersten Mal in Deutschland und sind begeistert von den Menschen", meinten June Sanford, Masie Scholes und David Mitchell übereinstimmend.

Das beruhte auf Gegenseitigkeit, denn als sie zum zweiten Mal auf dem Hof Woitow auftraten, waren nicht nur die 200 Sitzplätze voll besetzt, es war auch kaum noch ein Stehplatz zu bekommen. Es hatte sich rumgesprochen, dass man die Studenten unbedingt erleben muss. "Das ist ja eine fabelhafte Truppe, so einfühlsame Lieder und so temperamentvolle Tänze", schwärmte Zuschauerin Johanna Kschammer aus Drehnow. Auch die Peitzerin Sylke Jupe avancierte zum Fan der Amerikaner.

Die Folkloric Group Uninorte aus Kolumbien glänzte in farbenfrohen Kostümen bei temperamentvollen südamerikanischen Tänzen und hatten viel Spaß bei ihrem Auftritt auf dem Hof "Bergschlösschen" der Familie Lobeda. Andrea Gomez und Emerson Ramirez lobten die wunderbare Atmosphäre. Auch Sergej Chochlow von der weißrussischen Gruppe hatte viele warme Worte: "Es ist sehr schön hier, wir verstehen uns alle gut, es ist einfach schön". Begeistert waren auch Paula Schneider, Julia Schmidt, Cindy Stubenhöfer, Isabell-Sophie Ihlo und Bernice Stolz aus Bärenbrück und Heinersbrück. Die fünf jungen Frauen hatten ihre wendische Ausgehtracht angezogen und brachten so ihre Verbundenheit mit den sorbisch/wendischen Traditionen zum Ausdruck.

Dorothee Ney aus Recklinghausen interessierte sich besonders für die Gruppen aus Deutschland: unter anderem für die sorbische Volkstanzgruppe Zeißig und das sorbische Folkloreensemble "Wudwor". " Wir machen gerade in Burg Urlaub, haben heute die Kirche und das Heimatmuseum in Dissen besichtigt. Dabei wurden wir auf das Folklorefestival hingewiesen und wir freuen uns natürlich riesig, dass wir hier so viel über die Sorben und Wenden erfahren".

Zu den Aufgeregtesten gehörten bei diesem Festival die jungen Tänzerinnen aus dem Oberlausitzer Höflein, unter ihnen auch Julia Belkot: "Unsere Gruppe hat sich vor zwei Jahren mit jungen Leuten neu formiert. Das ist unser erstes großes Festival". Sie machten ihre Sache sehr gut und bekamen wie die anderen Gruppen viel Applaus.