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Friedrich-Ebert-Straße hieß ursprünglich Wallstraße
Die Friedrich-Ebert-Straße 34 bis 39

FOTO: Heute: Nicole Nocon - Damals: Sammlung Hans Krause
Cottbus. Die historische Postkarte aus den 1920er Jahren zeigt einen Blick in die Friedrich-Ebert-Straße. Die Straße trug ursprünglich den Namen Wallstraße, benannt nach dem schützenden Wall der die Cottbuser Altstadt umgab. red/nn

Als am 28. Februar 1925 der erste deutsche Reichspräsident Friedrich Ebert verstarb, erhielt die Wallstraße seinen Namen. Im Jahr 1933, nachdem die Nationalsozialisten die Regierung in Deutschland übernommen hatten, wurde die Straße wieder in Wallstraße umbenannt. Nach 1945 kam Friedrich Ebert wieder zu Ehren und die Straße wieder zu seinem Namen.

Die Häuser des Straßenabschnitts, der auf der Postkarte zu sehen ist, sind noch fast vollständig erhalten. Links steht das Haus Nr. 34, das im Jahr 1909 im Auftrag von Elisabeth Mescha errichtet wurde und zunächst als reines Wohnhaus genutzt wurde. Später kamen Ladengeschäfte hinzu, so die Maßschneiderei von Iglinskyi, ein Geschäft für Tabakwaren und der Uhrmacher Heinz Blumenthal. Das Haus Nr. 35 wurde inzwischen um ein Stockwerk erhöht. Der Kaufmann Paul Raetze ließ dieses Haus zwischen 1880 und 1885 erbauen. Sicher gab es in den folgenden Jahrzehnten Umbauten. Genutzt wurde das Gebäude als Wohnhaus, aber auch als Geschäftshaus. 1928 bot dort Martin Kautz Kolonialwaren und Südfrüchte an, dazu kam der Schuhmachermeister Wilhelm Franke, der noch 1940 dort arbeitete. 1946 eröffnete Richard Ehrentreich in diesem Haus ein Lebensmittelgeschäft mit angeschlossener Drogerie. Am bekanntesten aber war das Saatenhaus von Otto Schemmel, das dort seit Ende der 1960er Jahre seinen Sitz hatte. Otto Schemmel warb mit Feld- und Gemüsesämereien sowie Bedarfsartikeln für Gärtner und Kleintierhalter. Ich erinnere mich an lange Kundenschlangen, wenn begehrte Waren eintrafen wie zum Beispiel Steckzwiebeln.

Im Jahr 1843 gründeten Förster & Kufs ihre Segeltuchweberei. Die ersten Gebäude mögen um 1870 errichtet worden sein. Damals gehörte die Wallstraße noch zu dem Ort Brunschwig. Die gesamten Fabrikanlagen auf dem Grundstück Nr. 36 wurden im Laufe der Jahrzehnte umgebaut und erweitert. Max und Fritz Schmolke führten bereits zur Zeit der Entstehung dieser Ansichtskarte diesen Betrieb mit der Ergänzung Planenfabrik.

Das Haus Nr. 37, das der Familie Friedrich Gulbing gehörte, ist leider ausgebrannt und durch einen Neubau ersetzt worden.

Das Haus Nr. 38 ließ Marie Teufel im Jahr 1905 an Stelle eines Vorgängerbaus errichten. Die Bau- und Architekturfirma August Patzelt hat wahrscheinlich die Bauausführung übernommen. Gustav Teufel richtete sich in dem Haus einen Möbelladen und eine Tischlerwerkstatt ein. In Erinnerung der Cottbuser geblieben sein dürfte noch die Firma Paetzold & Sohn, Inhaber Walter Grajeck, mit Linoleum, Tapeten und Teppichen.

Das Haus Nr. 39 ist in den Jahren 1904/05 von der Baufirma Hermann Pabel & Co. errichtet worden. Bauherrin war Pauline Paulke. Seit 1932 ist das Grundstück im Besitz der Familie Pfeiffer. Georg Pfeiffer betrieb dort ein Kolonialwarengeschäft, Willi Fenske hatte einen Friseurladen. 1940 verkaufte Else Wrackmeyer in dem Haus Textilwaren, bekannt ist auch die Waschanstalt und Plätterei von Otto Wallstein.

Das niedrige Haus auf der linken Seite ist die Hausnummer 24. Auffallend ist das tiefliegende Erdgeschoss. 1879 und 1880/81 ließ der Bäckermeister Gottlieb Miethke an sein damals schon bestehendes Haus eine Remise und einen neuen Anbau errichten. In den darauffolgenden Jahrzehnten bis in die 1970er Jahre hinein waren verschiedene Bäckermeister in dem Haus tätig. Einer von ihnen trug den Namen Siebenhühner und so kam das Haus zu seinem Namen Siebenhühner. Das Gebäude wurde inzwischen aufgestockt und modernisiert. Eine Bäckerei gibt es an dieser Stelle nicht mehr.