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| 02:34 Uhr

Die Folienzelte bleiben

"Schön sind sie nicht", konstatiert Tierparkdirektor Jens Kämmerling. Die Folienzelte sind Teil der Schutzmaßnahmen wegen der Vogelgrippe.
"Schön sind sie nicht", konstatiert Tierparkdirektor Jens Kämmerling. Die Folienzelte sind Teil der Schutzmaßnahmen wegen der Vogelgrippe. FOTO: Helbig/mih1
Cottbus. Tierpark hat durch die Vogelgrippe rund 25 000 Euro verloren. Dafür blieb der Bestand unbeschadet. Obwohl die Einrichtung wieder geöffnet hat, gibt es keine Entwarnung. Peggy Kompalla

Die Erleichterung steht Dr. Jens Kämmerling ins Gesicht geschrieben. Allerdings auch die Anstrengung der vergangenen Wochen. Doch der Tierparkdirektor gibt noch keine Entwarnung. "Die Allgemeinverfügung gilt weiterhin und damit auch der Sperrbezirk und die Stallpflicht", sagt er. Damit bleiben 386 Vögel im Tierpark weiterhin im Stall - oder in improvisierten Folienzelten. Das wird voraussichtlich noch einige Wochen so gehandhabt werden müssen, prophezeit Kämmerling.

Ein Loch von mindestens 25 000 Euro hat die 30-tägige Schließung des Tierparks in die Kasse gerissen. So schätzt der Direktor, indem er Vergleichszahlen aus dem Vorjahr heranzieht. Die Einrichtung war vom 20. Januar bis 18. Februar 2017 geschlossen. Im Vorjahr zählte der Tierpark in der Zeit rund 4500 Besucher.

Diese unfreiwillige Tierpark-Auszeit hat eine große Sehnsucht bei den Cottbusern geweckt. Denn am Sonntag - dem ersten offiziellen Öffnungstag nach der Zwangsschließung - zählte der Tierpark 726 Besucher. "Gleichzeitig haben wir 80 Jahreskarten verkauft", sagt Kämmerling. Dieser Zuspruch gebe Hoffnung. Es sei aber schwer, die Verluste über das Jahr wieder wettzumachen. 2016 hatten rund 156 000 Menschen dem Cottbuser Tierpark einen Besuch abgestattet.

In den nächsten zwei Wochen werden die Vogelbestände im Tierpark nochmals überprüft, also von den Tieren Proben genommen. Erst bei einer zweifachen Negativ-Beprobung könne Entwarnung gegeben werden. "Bislang waren alle Proben in unserem Bestand negativ", erklärt der Tierparkchef.

Auslöser für den Vogelgrippe-Alarm und die Schließung waren drei tote Wildenten, die am 19. Januar auf dem Außengelände des Tierparks gefunden wurden und den gefährlichen H5N8-Virus in sich trugen. "Wertvolle Bestände hatten wir schon seit Oktober und November separiert", erklärt Jens Kämmerling. Darüber hinaus seien einige Vögel wie die Pelikane oder tropische Störche routinemäßig ins Winterquartier gekommen.

Die Tiere hätten die Stallpflicht bislang gut überstanden. "Das ist aber ganz klar ein Problem", gibt der Zoologe. "Wasservögel müssen baden. Sie brauchen Luft und Sonne. Deshalb sieht das Gefieder einiger Enten mittlerweile schmutzig aus." Doch für die Stallpflicht gebe es bislang keine Alternative. So seien auch die empfindlichen Kraniche noch immer eingesperrt, die in dieser Zeit langsam brutlustig werden. "Draußen würden sie ihre Balztänze vollführen", sagt Kämmerling. Drinnen sei das undenkbar, zumal die Tiere einzeln stehen.

Dafür sind bei den Wollhalsstörchen schon zwei Junge geschlüpft. Die Sunda-Marabus haben Eier gelegt. "Leider waren alle unbefruchtet", erzählt der Zoologe. "Wir hoffen, dass es mit dem Zweitgelege klappt."

Für die Zukunft rüstet sich der Tierpark für den Vogelgrippe-Ernstfall nun vorsorglich. So werde der Betrieb beispielsweise Folienzelte anschaffen. "Meine Kollegen haben gut improvisiert", sagt der Chef. "Aber der Aufwand war gewaltig." Dem soll künftig ein festes Notfall-Prozedere entgegenwirken. "Deshalb wird es aber keinen Persilschein für uns für die nächsten Jahre geben. Wir wissen aber jetzt genau, worauf es ankommt."

Zum Thema:
Der Tierpark Kunsterpring bei Neuruppin hat nach zwei Vogelgrippefällen fast die Hälfte seines Vogelbestandes verloren. Demnach mussten im Januar 90 Vögel getötet werden.Der Köthener Tierpark musste 130 Tiere töten, die am Fundort eines infizierten toten Schwans mit dem Virus in Kontakt gekommen sein konnten.