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| 18:30 Uhr

Cottbus früher&heute
Die (fast) vergessenen Häuser

Türmchen, Rundungen, Schnörkel – So sah es einst in der Berliner Straße in Cottbus aus.
Türmchen, Rundungen, Schnörkel – So sah es einst in der Berliner Straße in Cottbus aus. FOTO: Sammlung Krause
Cottbus. Dora Liersch erzählt die Geschichte von Stumpes Ecke – Berliner Straße 153 anhand einer Postkarte aus der Sammlung von Hans Krause.

Diese alte Postkarte von Trinks & Co. GmbH in Leipzig aus der Zeit noch vor dem Ersten Weltkrieg, zeigt einen Blick vom Berliner Platz in die Berliner Straße Richtung Westen. Man braucht schon viel Fantasie um sich die heutige Situation vorzustellen, denn keins dieser sichtbaren Häuser ist heute noch vorhanden. Links steht das markante „Hotel weißes Roß“ von August Michlitz, das in dieser Form ab 1899 errichtet wurde. Ihm gegenüber rechts auf der Karte ist ein ebensolches auffälliges Eckbauwerk, ein Geschäfts- und Mietswohnhaus. Es steht auf einem trapezförmigen Grundstück, auf dem einst ein kleineres Gebäude, das Hotel Lossow stand, welches zuletzt Otto Kurz besaß. Natürlich hatte das Lossow’sche Hotel keine Überlebenschance im Vergleich mit dem, mit allen Mitteln modern ausgestattetem, neu gebautem „Weißem Roß“. Das kleine Hotel schloss. Gebäude und Grundstück wurden verkauft. Neuer Eigentümer wurde der Fleischermeister Gustav Stumpe. Nach dem Abriss der Altbauten ließ er im Jahre 1902 das auffallende Eckhaus errichten. Stumpe hatte die gleiche Architektur- und Baufirma mit den Bauarbeiten beauftragt, wie der Bauherr des „Weißen Roß“ wenige Jahre zuvor: Hermann Pabel & Co., vormals Paul Brößke. So ist es nicht verwunderlich, dass sich die gegenüber stehenden Eckgebäude architektonisch wunderbar ergänzen und zu einem Hingucker wurden. Die Hausnummerierung änderte sich mehrmals, 1891 war das „Lossow’s Hotel“ der Berliner Platz 5, daraus wurde 1893 die Berliner Straße 119a und Anfang der 1930er Jahre die Berliner Straße 153. Fleischermeister Gustav Stumpe warb auch als Wurstfabrikant mit seiner Ware. Altershalber gab Gustav Stumpe sein Betrieb Ende der 1920er Jahre zunächst an Paul Müller unter der Beibehaltung des Firmennamens weiter. Er selber verzog nach Berlin-Hohenschönhausen. Nächster Chef der Wurstfabrik und auch des Hauses wurde der Fleischermeister Hermann Nagel. Die Mieter im Hause wechselten, langjährig war allerdings der auch noch einigen älteren Cottbusern bekannte Arzt Dr. Kurt Dannehl mit seiner Praxis.

Beide Häuser, das Hotel „Weißes Roß“ und Stumpes Ecke brannten 1945 komplett aus. Ihre Ruinen wurden 1946 abgetragen. Während der Nachfolger des Hotels ein Neuaufbau versuchte, man schließlich am 30. April 1955 den Grundstein für das Hauptpostamt auf diesem Grundstück legte, wurde auf Stumpes Ecke eine Baracke für Bürozwecke errichtet.

Die sich an Stumpes Ecke anschließenden Häuser der Berliner Straße nach Westen waren mit der Nummer 152 das „Gasthaus zur Börse“ von Paul Boigk, zuletzt Frieda Senff. Nr. 151, ein sehr kleines Haus in dem sich das Labor der Drogerie Brausewetter, im Erdgeschoss aber auch das Geschäft des Uhrmachermeisters Karl Melzer sich befand. Die kleine 151 und die folgende 150 waren Eigentum des Drogeriebesitzers Kurt Brausewetter. Letzteres Gebäude fällt durch seine Aufstockung mehrerer Etagen mit hervorragenden Erkern und aufgesetztem Turm im Dachgeschoss auf. Im Erdgeschoss befanden sich die „Central-Drogerie“, der Friseursalon von Kurt Richter und ein kleines Tabakwarengeschäft von Bernhard Rasch (1940).

Alle Häuser, egal ob groß oder klein, bis zur Hindenburgstraße, heute Karl-Marx-Straße, die alle den Zweiten Weltkrieg überlebt hatten, wurden 1970 und 1971 gesprengt, um Platz zu schaffen für den Neubau des Hotels „Lausitz“ (Eröffnung am 18. Juli 1970) und eines großen Parkplatzes. Aber auch das ist bereits Geschichte, denn auf diesem Areal stehen inzwischen ein neuer Hotelbau und die Spreegalerie - ein Einkaufscenter mit Tiefgarage und Verwaltungsräumen, in die sich unter anderem das Technische Rathaus eingemietet hat.

Nicht wiederzuerkennen. Und so sieht es dort heute aus:
Nicht wiederzuerkennen. Und so sieht es dort heute aus: FOTO: Liersch Dora und Heinrich / Dora und Heinrich Liersch
2c Cottbus Früher Heute
2c Cottbus Früher Heute FOTO: LR / Schubert, Sebastian