ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:14 Uhr

Wetter in der Lausitz
Die dunkle Seite der Sonnenstunden: So gefährlich ist die Hitze

 Hochbetrieb herrscht bei lang anhaltenden Hitzeperioden oder bei extremen Wetterschwankungen auch in vielen Notaufnahmen.
Hochbetrieb herrscht bei lang anhaltenden Hitzeperioden oder bei extremen Wetterschwankungen auch in vielen Notaufnahmen. FOTO: picture-alliance/ dpa / Peter Endig
Cottbus. Die gesundheitlichen Auswirkungen von zu langer Sonneneinstrahlung auf den Körper können gravierend sein. Doch auch Tiere brauchen Schutz. Von Christina Wessel

Cottbus Die lang anhaltenden Hitzeperioden machen insbesondere älteren und kranken Menschen sowie Kindern zu schaffen. Das sind die Tipps des Experten bei hohen Temperaturen und Sonnen-Marathon.

Die Auswirkungen der heißen Tage auf die Gesundheit erforscht der Umweltmeteorologe Andreas Matzarakis an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Dazu ermittelt er die gefühlte Temperatur. Das Wärme-Kälte-Empfinden eines Menschen wird durch mehrere Faktoren beeinflusst. Eine Rolle spielen dabei die Luftfeuchtigkeit, die Aktivität, Bekleidung, Sonneneinstrahlung und die Lufttemperatur.

Zur Berechnung der gefühlten Temperatur gehen die Wissenschaftler von einer Durchschnittsperson aus. Es handelt sich dabei um Michel (nach dem Klima-Michel-Modell), einen 35-jährigen Mann, 1,75 Meter groß, mit einem Körpergewicht von 75 Kilogramm und einer Körperoberfläche von 1,9 Quadratmetern.

Nach Auskunft des Deutschen Wetterdienstes, mit dem Matzarakis zusammenarbeitet, sind im Hitzesommer 2003 schätzungsweise 35 000 bis 50 000 Menschen im Zuge der lang anhaltenden Hitzeperioden gestorben. Risikogruppen sind bei extremer Wärme vor allem ältere Menschen, chronisch Kranke und kleine Kinder. Um sie zu schützen, gibt der Deutsche Wetterdienst Hitzewarnungen aus. Sie erfolgen nur dann, wenn eine starke Wärmebelastung für mindestens zwei Tage in Folge vorhergesagt wird und eine nächtliche Abkühlung nicht möglich ist. Die Warnung wird dann herausgegeben, wenn die gefühlte Temperatur am frühen Nachmittag bei etwa 32 Grad oder darüber (Stufe eins) beziehungsweise bei 38 Grad und mehr (Stufe zwei) liegt.

Grundsätzlich rät Matzarakis zu einem konstanten Training des Körpers. Hitze wirkt sich oft negativ auf Kreislauf und Stoffwechsel aus. Bei einem niedrigen Blutdruck kommt es oft zu Schwindelgefühlen und Kopfschmerzen. „Sie sollten sich mit Kneipp-Kuren und auch der Bewegung im Freien an das Wetter gewöhnen. Das schaffen Sie am besten, wenn Sie sich regelmäßig in der Natur aufhalten und aktivieren.“ Ein gesunder Mensch sei so am besten auf jedes Klima vorbereitet. Damit ließe sich beispielsweise auch einer Migräne verbeugen. Sie tritt häufig im Zuge eines Wetterwechsels von kalt zu warm und umgekehrt auf. Bei großer Hitze rät Matzarakis zum Aufenthalt im Schatten oder kühlen Räumen. Flüssigkeit ist wichtig für den Wärmeausgleich: „Trinken Sie viel und regelmäßig.“

Wer sich der Hitze und Sonneneinstrahlung über eine lange Zeit massiv aussetzt, muss unter Umständen mit gravierende Folgen rechnen. Die Medizin fasst unter dem Begriff Hitzeschaden diverse Gesundheitsstörungen zusammen. So entsteht etwa der Sonnenstich durch permanente direkte Sonneneinstrahlung auf den Kopf und äußert sich in Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Nackenschmerzen. Verantwortlich für die Symptome ist eine übermäßige Wärmebelastung durch das Sonnenlicht, die zur Irritation der Hirnhaut und einer Entzündungsreaktion führt. Ein Hitzekrampf ist oft die Folge von Flüssigkeitsmangel. Symptome sind Krämpfe, Kreislaufbeschwerden oder ein Anstieg der Körpertemperatur. Der Hitzekollaps ist eine Kreislaufstörung mit kurzer Bewusstlosigkeit. Durch die große Hitze erweitern sich die Blutgefäße. Das Herz kann nicht mehr ausreichend Blut ins Gehirn pumpen, was zur Ohnmacht führen kann. Bei der Hitzeerschöpfung versagt der Kreislauf aufgrund eines Flüssigkeitsmangels in Kombination mit einer erhöhten Körpertemperatur. Die Folge: Bewusstlosigkeit. Lebensgefahr besteht bei einem Hitzschlag. Dabei steigt die Körpertemperatur auf mehr als 40 Grad. Die Überhitzung führt zu einem Hirnödem. Symptome sind Krämpfe, eine fehlende Schweißabsonderung und Bewusstseinstrübung. Ein Risikofaktor: Überanstrengung bei feuchter Hitze.

Der Hitzeschlag ist übrigens auch in der Tiermedizin ein häufiges Phänomen. Insbesondere Hunde können davon betroffen sein. Die besten Freunde des Menschen besitzen – anders als Herrchen und Frauchen – nicht überall Schweißdrüsen, sondern nur auf der Schnauze und an den Pfoten. Eine Abkühlung durch Schweiß auf der Haut ist ihnen also nicht vergönnt. Sie sorgen mit dem Hecheln für etwas Erfrischung.

Hunde sollten im Sommer auf keinen Fall im Auto bleiben müssen. Der Innenraum erwärmt sich viel zu schnell. Ansonsten gilt für Hunde ebenso wie für Menschen: viel trinken, viel Schatten und in der Mittagshitze keine großen körperlichen Belastungen. Außerdem lohnt sich im Sommer ein Besuch beim Hundefriseur. Denn: Wenn die Unterwolle fehlt, kommt Luft an die Haut, und das sorgt für tierische Erfrischung.

 Hochbetrieb herrscht bei lang anhaltenden Hitzeperioden oder bei extremen Wetterschwankungen auch in vielen Notaufnahmen.
Hochbetrieb herrscht bei lang anhaltenden Hitzeperioden oder bei extremen Wetterschwankungen auch in vielen Notaufnahmen. FOTO: picture-alliance/ dpa / Peter Endig