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| 02:33 Uhr

Ende einer attraktiven Häuserzeile
Die Dresdener Straße in Cottbus

FOTO: Heute: Dora Liersch - Damals: Sammlug Hans Krause
Cottbus. Die Dresdener Straße war zu DDR-Zeiten in ihrer gesamten Länge in Straße der Jugend umbenannt worden. Die Hausnummerierung war aber beibehalten worden. Anders war es im Jahre 1993. Da wurde der südliche Teil ab Ottilienstraße wieder in Dresdener Straße rückbenannt. Dadurch erhielten die Häuser auf der westlichen Straßenseite der Straße der Jugend ab Eilenburger Straße nordwärts neue Hausnummern. Dora Liersch / dli9

Selbst mit diesem Wissen findet man die interessante Häuserzeile nicht mehr. Sie ist zum Teil beim Bombenangriff im Februar 1945 zerstört (Nr. 133 bis 136), aber auch Mitte der 1970er Jahre (Nr. 130 bis 132) abgerissen worden. Heute befinden sich etwa die Neubauten der Weinbergstraße 2 und 3, der Stadtring in voller Breite und der Ostteil des Knappschaftsplatzes an dieser Stelle.

Natürlich gab es an dieser Ausfahrtsstraße Richtung Dresden teilweise eine bescheidene Bebauung, bevor zum Ende des 19. Jahrhunderts ein Wirtschaftsaufschwung in unserer Stadt begann, der sich auch auf die Bautätigkeit auswirkte.

Das interessante Haus der Dresdener Straße 131, links auf dieser Postkarte, war nicht so breit, wie hier dargestellt. Es hatte einen Vorgängerbau, den zum Ende des 19. Jahrhunderts Frau Rosine Förster besaß. Nach ihrem Tode verkauften die Erben das Grundstück mit dem bescheidenen Wohnhaus an den Rechtsanwalt Dr. Max Spittel (Adressbuch 1905). Nur wenige Jahre später ist das Grundstück im Besitz des Drogisten Franz Preussmann (auch Preußmann geschrieben). Er betreibt seine Drogerie, die Adler-Drogerie, die 1892 gegründet worden war, in der Dresdener Straße 28. In den Jahren 1907/1908 lässt Franz Preussmann durch die Baufirma Hermann Pabel & Co. auf dem Grundstück der Dresdener Straße 131 das auf der Postkarte abgebildete Wohn- und Geschäftshaus errichten. Dieser Neubau passte sich dem rechten Nebenhaus geschmackvoll an. Es ist ein stattlicher viergeschossiger Bau mit ausgebautem Dachgeschoss. Das Haus ist acht Achsen breit, wobei die beiden Mittelachsen erkerartig vorgesetzt sind. Geschickt aufgesetzt ist das Dachgeschoss durch einen hervorgezogenen Dachstreifen oberhalb des vierten Stockwerks über die ganze Hausbreite. Betonte Fensterumrahmungen und senkrechte Zierstreifen geben dem Gebäude sein besonderes Aussehen.

Die beiden Ladeneinheiten im Erdgeschoss waren links an den Schuhwarenhändler Emst Reinsberg vermietet, während der Hauseigentümer rechts seiner Adler-Drogerie ein neues Domizil bot. Das Haus geht später an Käthe Thederan und die Adler-Drogerie an den Fachdrogisten Walter Thederan über. Einige ältere Cottbuser dürften sich auch an den Drogisten erinnern, der noch in den 1950er Jahren tätig war. Der in den 1920er Jahren leergezogene Schuhwarenladen, wurde in der Folgezeit als Zahnarztpraxis genutzt.

Das rechte Nachbarhaus Dresdener Straße 131a ist als Wohn- und Geschäftshaus-Neubau schon im Jahre 1905 erbaut worden. Die bauausführende Firma war Dümpert & Haucke. Friedrich Dümpert war Architekt und Hermann Haucke Maurermeister. Der Bauherr war der Kaufmann Oswald Kobelt. Es war ebenfalls viergeschossig, aber das Dach nur mit vier Gauben ausgebaut. Es ist symmetrisch angelegt, mit etagenübergreifenden Erkern. Schlichte, farbige Stuckelemente geben dem Haus ein vornehmes Aussehen. Das Erdgeschoss ist unsymmetrisch. Links befindet sich eine breite Hausdurchfahrt, daneben ursprünglich ein Ladengeschäft mit zwei Schaufenstern und anschließendem Wohnraum, der später mit einem Schaufenster versehen und dem Laden zugeschlagen wird.

Der Kaufmann Emil Wrackmeyer nutzt den Laden, in dem er sein Manufaktur- und Wollwarengeschäft eröffnete. Er bot Modewaren, Wäsche aber auch Schürzen an. Er wird Eigentümer des Hauses. Anfang der 1930er Jahre zieht Wrackmeyer in die damalige Wallstraße um. Sein Haus Dresdener Straße 131a verkauft er an den Steuerinspektor Franz Heymann. Zum 1. April 1933 eröffnet der Fotografenmeister Heinrich Lucia sein seit 1919 bestehendes Atelier in dem freigewordenen Geschäft. Unzählige Cottbuser lassen sich in den folgenden Jahrzehnten bei Lucia fotografieren. Wichtiger noch sind die vielen Fotografien aus den Jahren 1946/1949. Dem tüchtigen Fotografenmeister war es möglich, mit Genehmigung der Besatzungsmacht in dieser Zeit das zerstörte Cottbus fotografisch zu dokumentieren. Heinrich Lucia verstarb 74jährig im Jahre 1965. Das nächste Grundstück ist die Dresdener Straße 132. Dazu gehören zwei unterschiedliche Gebäude. Wann sie errichtet wurden, ist zwar nicht bekannt, doch befand sich schon 1874 an dieser Stelle ein Restaurateur. Das niedrige zweigeschossige Haus beherbergte die Gaststätte, die 1890 von der Restaurateurin Ida Berthold geführt wurde und sich "Tivoli" nannte. Später um/bzw. vor 1913 wird daraus "Stadt Leipzig". Bertholds bleiben Jahrzehnte im Besitz des Grundstücks. Die Gaststätte wird unter Beibehaltung des Namens verpachtet.

Letzter Gaststättenbetreiber war Paul Koal. In den letzten Jahren wird das Haus als Kinderhort genutzt. In dem dreiachsigen, mehrstöckigen Nebengebäude, einem Wohnhaus, gab es ursprünglich eine Zigarrenfabrik, dann ein Zigarrengeschäft. Den Cottbusern dürfte jedoch der Laden für Wild und Geflügel in Erinnerung geblieben sein. Die weiteren Gebäude an der Dresdener Straße ab Hausnummer 134 bis zur einstigen Großenhainer Straße gehörten zur COMAG, zur Cottbuser Maschinenbauanstalt und Eisengießerei A.G. Dazu gehörten die markante Direktorenvilla mit der Kuppel, ein zurückgesetztes Backsteingebäude, vor 1945 als Arbeitsamt genutzt, sowie diverse Fabrikhallen.

Die COMAG- Gebäude sind am 15. Februar 1945 überwiegend zerstört worden. Das Gelände und nutzbare Baulichkeiten hatte später der VEB Kraftverkehr. Ende 1976, Anfang 1977 wurden alle Baulichkeiten der damals schon umbenannten Straße der Jugend 131 bis zur Großenhainer Straße abgerissen bzw. gesprengt.