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Technische Revolution für gesünderes Leben
Die Cottbuser Wasserwerke in Sachsendorf

FOTO: Heute: Ulrike Elsner - Damals: Sammlung Hans Krause
Cottbus. "Gruß aus Sachsendorf – Kottbuser Wasserwerke", so lautet die Beschriftung auf der alten Ansichtskarte, die nur das Kessel- und Maschinenhaus mit dem dazu gehörigen Schornstein zeigt. Für uns heute ist es kaum vorstellbar, wie man früher ohne fließendes Wasser aus dem Wasserhahn leben konnte.

In unserer Stadt gab es die Spree und außerdem öffentliche Brunnen/Pumpen, wo man Wasser holen konnte. Apotheker, Gastwirte und reichere Leute hatten auf ihren Grundstücken meist eigene Brunnen. Erst Oberbürgermeister Paul Werner gelang es, die vielen Gegner der Pläne für eine Wasserleitung und Stadtkanalisation von deren Notwendigkeit zu überzeugen. Sein Vorgänger Dr. Mayer war an diesen Projekten noch gescheitert.

Ab 1893 begannen die Vorplanungen. Es galt, eine Stelle von geeignetem und ausreichendem Wasser zu finden. Die Probebohrungen ergaben, dass die Fundstelle auf der Bodenwelle am Rande der Priorniederung (heute etwa Welzower Straße 27 - 29) den Anforderungen nicht genügte. Anders sah es auf dem Hügelabhang am Sachsendorfer Birkenwäldchen (auf Klein Gaglower Feldmark) aus. Hier gab es ausreichend und gutes Wasser, auch wenn es geringfügig eisenhaltig war.

Es wurde eine Kommission berufen, die mit der Ausarbeitung der "Projekte zur Einführung der Kanalisation und Wasserversorgung" durch das Stadtbauamt beauftragt wurde. Bei der außerordentlichen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 23. Mai 1894 konnten die Mitglieder der berufenen Kommission in einem Vortrag nachweisen, dass in Cottbus das Brunnenwasser in der Stadt in Folge der wachsenden Verunreinigung des Untergrundes nicht mehr als einwandfreies Genussmittel anzusehen war. Dagegen gäbe es in der Umgebung Fundstellen von gewaltiger Ausdehnung, aus denen das städtische Wasserwerk mit Grundwasser von großer Reinheit gespeist werden könnte. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Bevölkerung von Berlin, Danzig und München Wasserleitung und Kanalisation ihren guten Gesundheitszustand verdankten.

Die Stadtverordneten von Cottbus bestätigten die Projekte. Stadtbaurat Richard Bachsmann unternahm Anfang 1895 eine Studienreise nach England. Am 17. April 1895 berichtete er, was für Cottbus machbar wäre. Zu diesem öffentlichen Vortrag waren die Cottbuser vom Hausbesitzer-Verein eingeladen worden. Er fand im großen Saal des Konzerthauses Kolkwitz, den späteren Stadtsälen, statt.

Nach gründlichen Vorarbeiten begann der Rohrleitungsbau am 8. Juni 1896. Die Wasserleitung wurde nach dem Entwurf der Firma David Grove, Berlin gebaut. Die Grundsteinlegung für das Wasserwerk in Sachsendorf war am 1. Juli 1896. Die Hochbauten bestanden aus einem Bürogebäude, das zwei Arbeitszimmer und die Wohnung des Maschinenmeisters enthielt, einem Arbeiterhaus für zwei Familien sowie dem Kessel- und Maschinenhaus mit Schornstein. In diesem Gebäude waren zwei Dampfmaschinen untergebracht, um die "Dampfpumpen" zu betreiben.

Die Gebäude waren in ihrem Baustil harmonisch aufeinander abgestimmt. Natürlich gehört auch der Wasserturm dazu, der auf einem Hügel in einem Wäldchen errichtet wurde. Ihm galt die besondere Aufmerksamkeit des Architekten, da er sich mit 35,2 Metern bis zum Dach und gar 50 Metern bis zur Dachspitze weit über die Bäume erhebt, als Wahrzeichen der Stadt Cottbus galt und es auch heute noch ist.

Am 29. Oktober 1897 fand der Probelauf des Wasserwerkes statt, und am 1. Dezember 1897 ging es in Dauerbetrieb. Zu dieser Zeit waren 700 Häuser von Cottbus an das Wasserleitungsnetz angeschlossen, doch noch im Jahr 1898 werden es 868 Grundstücke sein, und im Jahr 1899 sind 80 Prozent aller Cottbuser Grundstücke ans Wasserleitungsnetz angeschlossen.

Stadtbaurat Bachsmann stellte im "Cottbuser Anzeiger" vom 11. Januar 1898 die Trinkwassergewinnung vor: "Das Grundwasser wird mehreren Rohrbrunnen entnommen, die mittels gemeinsamer Stamm- oder Heberohre, die mit dem gemauerten Hauptbrunnen in Verbindung stehen, aus dem die Saugrohre der Pumpen das Wasser unmittelbar entnehmen. Es bestehen sieben Rohrbrunnen, die 35 Meter voneinander entfernt angebracht sind, um sich nicht zu beeinflussen. Jeder Rohrbrunnen leistet in der Sekunde 15 Liter . . . Bei Bestimmung ihrer Anzahl ist man von der Annahme des höchsten Wasserverbrauchs ausgegangen, auch ist berücksichtigt worden, . . . daß sich zur Sommerzeit der Tagesverbrauch um 25 Prozent steigert. Bei der Rohranlage ist bemerkenswerth, daß das eigentliche metallene, von oben bis unten mit mehreren tausend Schlitzen versehene, 35 Zentimeter weite Brunnenrohr nicht unmittelbar von dem Untergrundsande berührt wird, sondern dazwischen eine 22 Zentimeter dicke Kiesschicht lagert . . . Es sind 2 liegende Verbindungsmaschinen, jede zwei Pumpen treibend, aufgestellt. Die indizirte Leistung jeder Maschine beträgt 64 Pferdestärken, so daß schon eine zur Förderung der täglich gebrauchten 4000 Kubikm. genügt . . . Außerdem sind die Anlagen so getroffen, daß bei einer Steigerung des Verbrauchs die Stammanlage zu einem Wasserwerk für 50000 Einwohner mit einem Verbrauche von 120 Litern pro Kopf und Tag ohne nennenswerthe Kosten erweitert werden kann . . . "

In den fast 120 Jahren des Bestehens des Wasserwerkes ist dessen Leistung stetig dem Bedarf der steigenden Bevölkerung und der Industrie angepasst und modernisiert worden. Zum Trinkwasserversorgungsgebiet der "Lausitzer Wasser GmbH & Co. KG" gehören jetzt außer den Wasserwerken Cottbus-Sachsendorf und Cottbus Fehrower Weg noch 13 weitere kleinere und größere Wasserwerke.