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| 17:13 Uhr

Cottbus
Die Cottbuser kommen auf den Hund

Bettina Schirgott und ihr weißer Schäferhund Lucy sind ein gutes Team. Sie kuscheln auch mal gern. Am Ufer des künftigen Ostsees gibt es viel Auslauf und schöne Spazierstrecken für beide.
Bettina Schirgott und ihr weißer Schäferhund Lucy sind ein gutes Team. Sie kuscheln auch mal gern. Am Ufer des künftigen Ostsees gibt es viel Auslauf und schöne Spazierstrecken für beide. FOTO: Tino Schulz
Cottbus. Die Vierbeiner sind Familienmitglieder, die die Menschen gern umsorgen. Zum Tag des Hundes hat sich die RUNDSCHAU umgehört. Denn um die Tiere hat sich in Cottbus längst ein ganzer Service-Bereich entwickelt. Von Peggy Kompalla und Tino Schulz

Der Verband für das Deutsche Hundewesen hat diesen Samstag zum Tag des Hundes erklärt. Damit würdigt er den besten Freund des Menschen und seine besondere Rolle in der Gesellschaft. Die Tiere sind längst Familienmitglieder geworden. Allein in Cottbus lebten im Jahr 2015 rund 4400 Hunde. So viele Tiere waren zumindest laut Statistischem Jahrbuch offiziell gemeldet. Ihre Zahl dürfte seither noch einmal deutlich gestiegen sein. Denn bereits zuvor nahm die Zahl der Vierbeiner von Jahr zu Jahr stetig zu.

Jens Goslau und Karin Pietschmann unterwegs mit Elsa. Sie ist acht Jahre alt und ein Mallineu Mix. Elsa ist immer an der Seite ihres Frauchens und beschützt sie.
Jens Goslau und Karin Pietschmann unterwegs mit Elsa. Sie ist acht Jahre alt und ein Mallineu Mix. Elsa ist immer an der Seite ihres Frauchens und beschützt sie. FOTO: Tino Schulz

Zu ihnen gehört der elfjährige Elvis. Der blonde Hund mit dem weichen Lockenfell behütet Jürgen Förster. Der Senior lebt in Cottbus in einem Pflegeheim. „Er ist mein Freund“, sagt der Mann. Das ist ein einfacher Satz, der für so viel mehr steht. Denn Elvis ist für Jürgen Förster immer da. Er bedeutet Nähe und Hingabe und Freude – auch in Zeiten, in denen es ihm nicht so gut geht. Diese Tage werden in seinem Alter leider immer häufiger. Aber dann ist Elvis da. Bedingungslos. Für Frigga F. ist ihr Labrador zum Lebensinhalt geworden, seitdem ihr Mann starb. Die Kinder, so erzählt sie, leben sehr weit weg. So spaziert die rüstige Rentnerin munter mit ihrem Hund durch Cottbus und ist nicht allein.

Für Frigga F. ist ihr Labrador zum Lebensinhalt geworden, seitdem ihr Mann starb. Die rüstige Rentnerin ist mit ihrem Hund oft unterwegs.
Für Frigga F. ist ihr Labrador zum Lebensinhalt geworden, seitdem ihr Mann starb. Die rüstige Rentnerin ist mit ihrem Hund oft unterwegs. FOTO: Tino Schulz

Weil die Hunde eine immer größere Rolle im Leben der Menschen einnehmen, sind sie auch bereit, sie mehr zu umsorgen. Diese Erfahrung hat Adelheid Pursian gemacht. Die gelernte Tierpflegerin hat in Kahren ihren Kindheitstraum erfüllt und im Jahr 2011 eine Tierpension eröffnet. Sie erzählt: „Viele junge Paare legen sich zuerst einen Hund und dann ein Kind zu und Ältere, deren Partner verstorben sind, finden in den Hunden einen neuen Lebensbegleiter.“ Die Menschen geben deshalb auch mehr Geld für die Tiere aus, als noch vor Jahren. Die Kahrenerin prophezeit: „Die Zahl der Hundepensionen und Hunde-Kitas wird in Cottbus weiter wachsen.“

Emma von Sandhofen ist ein Dackel Cain Mix und begleitet ihr Herrchen Helmut Walke überall hin. Trotz ihres hohen Alters ist Emmi noch sehr lebhaft und hat keine Angst vor großen Hunden.
Emma von Sandhofen ist ein Dackel Cain Mix und begleitet ihr Herrchen Helmut Walke überall hin. Trotz ihres hohen Alters ist Emmi noch sehr lebhaft und hat keine Angst vor großen Hunden. FOTO: Tino Schulz

Ein klares Indiz dafür ist die steigende Zahl der Anfragen, aber auch die Tatsache, dass die Pension in Kahren schon heute bis August ausgebucht ist. „Und Weihnachten und Neujahr ist auch schon alles voll“, schiebt sie hinterher. Bei ihr kommen die Vierbeiner – auch Katzen – für mehrere Tage oder sogar Wochen unter. „Die Leute fliegen nicht nur in den Urlaub, sondern fahren zur Kur oder müssen ins Krankenhaus.“ In Kahren sind die Hunde gut untergebracht und beschäftigt. Denn dort verbringen sie viel Zeit im Rudel, spielen zusammen, sind auf Spaziergängen unterwegs.

Annett Gackowsky hat eine Hunde Pension. Ihre beiden Collies machen sie einfach nur glücklich und geben ihr viel Kraft. Sie holt ihre eigenen Hunde immer aus dem Tierheim.
Annett Gackowsky hat eine Hunde Pension. Ihre beiden Collies machen sie einfach nur glücklich und geben ihr viel Kraft. Sie holt ihre eigenen Hunde immer aus dem Tierheim. FOTO: Tino Schulz

Dagegen kümmert sich Susann Victor um Tagesgäste. Die Cottbuserin gründete im Jahr 2008 mit einer Unternehmenspartnerin die erste Hunde-Kita der Lausitz. Das Geschäft läuft mittlerweile so gut, dass auch bei ihr in Sandow derzeit alle Plätze ausgebucht sind. „Angefangen hatte alles mit meinem Angsthund Luc“, erzählt Susann Victor. „Den konnte ich tagsüber nicht bei Oma und Opa lassen, weil sie mit ihm nicht klarkamen.“ Weit und breit gab es keine Alternative, also wagte sie den Schritt. Die Kita ist unter der Woche von 7 bis 16.30 Uhr geöffnet. „Aber auch nach Absprachen“, ergänzt Susann Victor. Schließlich arbeiteten die Menschen immer länger, aber auch immer flexibler.

Die beiden Shar-Peis Nutella und Nora (v.l.) halten Christopher Heyde jeden Tag auf Trab und er kann sich nichts Besseres vorstellen.
Die beiden Shar-Peis Nutella und Nora (v.l.) halten Christopher Heyde jeden Tag auf Trab und er kann sich nichts Besseres vorstellen. FOTO: Tino Schulz
Elvis ist der beste Freund von Jürgen Förster. Beide leben in einem Pflegeheim. Auch Elvis ist mit seinen elf Jahren schon ein älterer Herr.
Elvis ist der beste Freund von Jürgen Förster. Beide leben in einem Pflegeheim. Auch Elvis ist mit seinen elf Jahren schon ein älterer Herr. FOTO: Tino Schulz

Die Mehrzahl der Kita-Hunde sind Stammgäste. „Die meisten Hunde werden bei uns alt“, sagt sie. „Mittlerweile ist das fast mehr eine Seniorenbetreuung als ein Kita.“ Sie lacht. „Ohne Kennenlerntermin geht es nicht“, sagt Susann Victor. Mögen sich alle Seiten, gibt es eine Eingewöhnung. „Dabei werden die Hunde langsam in das Rudel integriert.“ Die Dauer hänge vom Charakter des Hundes ab. „Gehören sie einmal dazu, freuen sie sich, wenn sie zu uns kommen.“

Dackel Tyson lebt schon seit sechs Jahren bei Rainer Thanisch. Die beiden sind unzertrennlich.
Dackel Tyson lebt schon seit sechs Jahren bei Rainer Thanisch. Die beiden sind unzertrennlich. FOTO: Tino Schulz

So geht das auch den Hunden, die zu Tina Schwarz kommen. Sie ist Hundewalkerin und Hundetrainerin. Wobei bei ihr die Mensch mindestens genauso viel lernen, wie die Vierbeiner. Die junge Frau hat sich vor drei Jahren mit ihrem Unternehmen Clever Dogs in Cottbus selbstständig gemacht. „Ich habe das keinen Tag bereut“, sagt sie. Dabei wollte sie ursprünglich Architektin werden. Das Studium hat sie schließlich geschmissen.

Loki begleitet Cora Suppan sogar beim Reiten. Der fünf Jahre alte Stafford Boxer Mix ist sehr lieb und gibt gern Pfötchen.
Loki begleitet Cora Suppan sogar beim Reiten. Der fünf Jahre alte Stafford Boxer Mix ist sehr lieb und gibt gern Pfötchen. FOTO: Tino Schulz

Der Grund waren zwei sehr spezielle Wesen, die in ihr Leben traten. Da war zunächst der Beagle Pablo, der aus einem Versuchslabor stammte und völlig verängstigt war. Später kam Chouky ein Grand Anglo Francais hinzu. Er stammte aus einer Tötungsstation in Frankreich. Seine Angst schlug in Aggression um. „Er konnte nicht allein bleiben und kam auch nicht in der Gesellschaft klar“, erzählt Tina Schwarz. Deshalb holte sie sich Hilfe bei Hundetrainern und lernte erst einmal selbst. Gleichzeitig machte sie die Ausbildung zur Tierheilpraktikerin und besuchte weiter Seminare. Denn, dass bemerkte sie schnell in ihrem Umfeld, die Nachfrage nach solchen Trainingsstunden mit Hunden ist groß.

Mittlerweile macht das den Großteil ihrer Arbeit aus. „Zu mir kommen ganz viele Menschen mit Welpen und Junghunden, die von Anfang an Unterstützung wünschen, weil sie alles richtig machen wollen“, erzählt sie. Hinzu kommen noch Einzeltrainings. „Es können alle Probleme gelöst werden“, versichert sie. „Alle Hunde haben ein Gehirn und können lernen. Die Grenzen sind nur da, wo der Mensch nicht mitmacht oder die Gesundheit des Hundes im Weg steht.“ Dann ist Tina Schwarz noch Hundewalkerin – also so etwas wie eine Tagesbetreuung für Stadthunde. „Ich sammle die Hunde ein und wir fahren mit einer kleinen Gruppe an den Stadtrand, wo sie Auslauf haben und lernen, im Rudel aggressionsfrei klarzukommen.“

Für Erik Borchardt ist ein Leben ohne Hund undenkbar. Seine Familie züchtete Jagdhunde. Nun hat auch der Sohn die Vierbeiner zu seinem Beruf gemacht. Er hat im Jahr 2011 mit „Fleischwolf“ den ersten BARF-Shop in Cottbus eröffnet, der sich einer artgerechten Ernährung fleischfressender Haustiere verschreibt. „90 Prozent aller Zivilisationskrankheiten bei den Hunden kommen vom Tierfutter“, erklärt er. Genauer gesagt vom meisten Dosenfutter. Bei Erik Borchardt gibt es individuell auf den Hund zugeschnittene Futterrationen. Hauptbestandteil ist Rohfleisch. Dazu kommen Gemüse, Öle und Mineralstoffe. Die Beratung gehört zum Geschäft dazu. Längst kommen seine Kunden nicht nur aus Cottbus, sondern aus dem ganze Landkreis Spree-Neiße. Die gesunde Ernährung für die Haustiere sei in Mode geraten. Das sei nicht zum Schlechtesten. Denn ist der Hund gesund, ist der Mensch glücklich.