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Cottbus-Songs
Musik als Antwortgegen den Hass

Unter ihren Künstlernamen Naya und Shakim bringen Ferdi Berisha und seine Frau Mayadet Nagy den Song „Lebe Deinen Traum“ auf den Markt.
Unter ihren Künstlernamen Naya und Shakim bringen Ferdi Berisha und seine Frau Mayadet Nagy den Song „Lebe Deinen Traum“ auf den Markt. FOTO: Ferdi Berisha
Cottbus. Die Cottbuser Musiker Shakim und Naya wollen mit ihrem neuen Song Optimismus verbreiten. Von Andrea Hilscher

Ferdi „Shakim“ Berisha und seine Frau Mayadet „Naya“ Nagy sind in Deutschland geboren und aufgewachsen. Sie beherrschen die Sprache, sie denken und leben deutsch. „Trotzdem können wir uns hier nicht zu Hause fühlen“, sagen beide. Wegen ihrer dunklen Haare und ihrer fremd klingenden Namen werden sie als Ausländer wahrgenommen. Mit einem Lied wollen die Musiker eine Antwort geben auf die immer heftiger werdenden Anfeindnungen, die ihnen im Cottbuser Alltag entgegenschlagen.

Ferdi Berisha ist Sohn von Kosovo-Flüchtlingen, die Eltern von Mayadet Nagy stammen aus Ungarn und Chile. Beide haben schon früh begonnen, Musik als Ventil zu nutzen, als Therapie gegen Angst und Hoffnungslosigkeit. Während Ferdi dabei auf coolen Hip-Hop setzt, schreibt seine Frau eher gefühlvolle Popsongs. Liegt ihnen ein Thema besonders am Herzen, werfen sie ihre Talente zusammen und arbeiten gemeinsam. Sie komponieren, texten, singen, produzieren.

Das Cover der neuen Single von Naya und Shakim.
Das Cover der neuen Single von Naya und Shakim. FOTO: Ferdi Berisha

Ein Schicksalsschlag motivierte sie vor zwei Jahren zu ihrem ersten größeren Gemeinschaftsprojekt „Nur für Dich“. Am 19. Februar geht jetzt ihre neueste Single „Lebe Deinen Traum“ an den Start. Das Video wird noch gedreht, doch beide sind zuversichtlich, dass ihr Stück pünktlich fertig wird und dann auf youtube oder über die großen Streaming-Portale runtergeladen werden kann.

„Wir haben eine ziemlich schwere Zeit hinter uns“, sagt Mayadet Nagy. Die gelernte Heilerziehungspflegerin hat vor drei Jahren ihren Sohn Elias zur Welt gebracht und schon in der Babypause gespürt, dass er anders ist als andere Kinder. Er ließ sich oft nur ungern anfassen, reagierte gereizt auf Lärm, bekam Anfälle und tat sich weh.

„Eine harte Zeit, weil wir nicht wussten, was mit ihm los ist“, sagt sein Vater. Die Hilflosigkeit sei nur schwer auszuhalten gewesen. Dann aber wurde im CTK die Diagnose Autismus gestellt. „Seitdem haben wir Zugang zu Förderung und Therapien“, erzählt die junge Mutter, die inzwischen als Erzieherin arbeitet. Dem kleinen Elias geht es deutlich besser – und seine Eltern haben wieder Kraft für ihre Musik.

„Unser neuer Song passt perfekt zu unserer privaten Situation und zu dem, was aktuell in Cottbus passiert“, sagt Ferdi Berisha, der gerade sein Abitur nachholt. Er will zeigen, dass man trotz aller Widerstände nicht aufgeben soll, dass das Positive und die Hoffnung stärker sind als Hass, Gewalt und Angst. „Unsere Musik ist wie Therapie für uns – und vielleicht ja auch für unsere Zuhörer.“

In den nächsten Tagen sind sie in der Stadt unterwegs, suchen nach passenden Aufnahmen für das Video zu „Lebe Deinen Traum“. Wichtig ist ihnen, die schönen Seiten von Cottbus zu zeigen. „Das Negative hat schon Raum genug“, sagt Naya. Sie freut sich, wenn der Song endlich online geht. „Vielleicht kommen dann auch andere Cottbuser Musiker auf uns zu.“ Sie hat Lust auf neue Projekte. „Und seit es Elias wieder besser geht, reichen auch die Zeit und die Kraft.“