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Die Cottbuser Innenstadt ist begehrter Baugrund

Das Wohnhaus an der Wernerstraße soll im September bezugsfertig sein. Es bietet zwölf Wohnungen mit zehn verschiedenen Grundrissen.
Das Wohnhaus an der Wernerstraße soll im September bezugsfertig sein. Es bietet zwölf Wohnungen mit zehn verschiedenen Grundrissen. FOTO: Kompalla
Cottbus. Peter Nitschke ruft sie auf seinem Rechner auf. Er ist vom Fachbereich Bauordnung im Rathaus. Auf der Karte sind alle Standorte markiert, für die in den vergangenen fünf Jahren Bauanträge für Mehrfamilienhäuser genehmigt wurden. Peggy Kompalla

Einige stehen bereits, andere befinden sich mitten im Bau oder stehen kurz vor dem Start. "Hinter einem Antrag stehen ein bis fünf Häuser", betont er. In der erweiterten Innenstadt entstehen mehr als 32 Mehrfamilienhäuser. Genau gezählt hat das bislang keiner. Damit kann auch nicht gesagt werden, von welchem Investitionsvolumen hier gesprochen werden kann. Es geht weit in die Millionen. "Es findet eine extreme Verdichtung statt, die Baulücken verschwinden", konstatiert Nitschke. Die Nachfrage sei in den vergangenen Jahren gestiegen und längst bauen nicht nur große Immobilienunternehmen.

Architekt Bodo Kasprzik erfüllt sich gerade einen Traum. Dabei sei es gar nicht so leicht gewesen, in der Innenstadt noch passende Grundstücke zu finden. Der Cottbuser wurde in der Wernerstraße fündig. Direkt neben der alten Loge errichtet er ein neues Wohnhaus. "Ich gestalte meine Heimatstadt mit", sagt der Architekt. "Damit wird der Straßenzug geschlossen." Als Bauherr bestimme er Gestaltung, Formsprache, Farbe und Material des Neubaus. Das Gebäude mit zwölf Zwei- und Vier-Raumwohnungen wird zudem unter besonderen Umweltgesichtspunkten gebaut. Es ist ein Passivhaus mit Fotovoltaikanlage und Wärmepumpe. Obendrauf kommt ein Gründach. In der Stadt gebe es schon genügend "Lochfassaden, die nur auf Ökonomie, aber nicht Schönheit ausgerichtet sind". Natürlich sei der Bau auch für ihn und seine Familie eine Investition in die eigene Zukunft. "Wir schaffen aber auch für andere qualitativ hochwertigen Wohnraum."

Das Neubaugeschehen tut Cottbus gut, bestätigt Stadtplaner Egbert Thiele. "Das ist keine Konkurrenz zu anderen Stadtteilen, sondern ein ganz normaler Umwandlungsprozess." Denn durch Neubau werden ganz neue Wohnangebote geschaffen. Die sind längst ein Magnet. Das belegt der Einwohnerzuwachs in der Innenstadt der vergangenen 25 Jahre. Heute leben rund 2300 Menschen mehr im Stadtteil Mitte als im Jahr 1992. Das ist ein Zuwachs von 32 Prozent.

Der Wohnungs-Neubau ist nur ein Grund für den Zuzug. Cottbus hat sich durch das Modellstadtprojekt gemausert: Die Altstadt wurde saniert, Infrastrukturen erneuert oder neu geschaffen. Die Innenstadt ist gefragt. Also zieht der Wohnungsneubau nach. Bürgermeisterin Marietta Tzschoppe (SPD) erklärt: "Die Menschen ziehen teilweise aus anderen Stadtteilen in die Innenstadt. Wir beobachten aber auch, dass ältere Paare ihr Haus auf dem Land verkaufen und nach Cottbus ziehen, weil sie hier alles in der Nähe haben." Für die Stadt bedeutet dieser Zuwachs aber auch: Kita- und Schulplätze in der Innenstadt werden knapp. Da muss nachgesteuert werden.

Worauf die Stadt keinen Einfluss hat, ist das Preisniveau. Mieterbundchefin Kerstin Kircheis zieht die Stirn in Falten. Die Nettokaltmiete liege für diese Neubauwohnungen mittlerweile bei einem Durchschnitt von zwölf Euro je Quadratmeter. "Das ist weit entfernt von dem, was wir lange gewohnt waren", sagt sie. "Die Leute sind aber bereit, für den höheren Standard zu zahlen." Wie stark die Nachfrage ist, belegt, dass es trotz der hohen Mieten je Wohnung zehn bis zwölf Interessenten gebe. Demnach ziehen vor allem zahlungskräftige Cottbuser in die attraktive Innenstadt - oder die mit den guten Renten. "Die gehen der eg Wohnen und der GWC verloren." Die beiden Großvermieter seien in der Vergangenheit vor allem mit dem Abriss beschäftigt gewesen. In Cottbus sind Kerstin Kircheis zufolge 9000 Wohnungen vom Markt verschwunden. "Neu gebaut wurden seither 8000." Davon profitierten vor allem private Immobilienunternehmen. Doch auch die GWC hat neu gebaut - am Bahnhofsberg. Und die eg Wohnen hat gleich mehrere Bauprojekte am Start: an der Sielower Straße, der Bautzener Straße und der Ottilienstraße.