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| 16:15 Uhr

Stadtgeschichte
Die Christusstatue ist heute eingelagert

 Diese Ansichtskarte von Oberkirche erhielten einst die Konfirmanden.
Diese Ansichtskarte von Oberkirche erhielten einst die Konfirmanden. FOTO: Sammlung Hans Krause
Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch erzählt anhand einer alten Postkarte aus der Sammlung von Hans Krause die Geschichte des Altarraumes der Oberkirche. Von Dora Liersch

Als Dr. Wilhelm Timm als Pfarrer an die Cottbuser Oberkirche St. Nikolai kam, übernahm er auch die Konfirmanden für den erforderlichen Unterricht. Der Abschluss der Konfirmandenjahre waren eine Prüfung und schließlich die Konfirmation. Dr. Timm sorgte dafür, dass alle Konfirmanden als Erinnerung an diesen Tag die hier gezeigte Ansichtskarte des Altarraumes der Oberkirche mit einer persönlichen Widmung ihres Pfarrers erhielten.

Die abgebildete Karte hatte die Konfirmandin Lieselotte Fischwasser am 28. Februar 1937 überreicht bekommen. Mir persönlich sind auch aus anderen, späteren Konfirmandenjahrgängen solche Karten bekannt. Der Altar sollte die jungen evangelischen Christen in ihrem weiteren Leben stets an die Konfirmation erinnern. Die Karten wurden auch ausgereicht, als beispielsweise im Kriegsjahr 1942 die Oberkirche nicht geheizt werden konnte und die Jugendlichen von Dr. Timm in der Lutherkirche konfirmiert wurden.

Die Lutherkirche brannte am 15. Februar 1945 aus, die Oberkirche am 22. April 1945. Der wunderbare Hochaltar der Oberkirche war sicherheitshalber eingemauert worden und blieb fast komplett erhalten. Nur das obere spitze Dreieck, die Dreieinigkeit, war verloren gegangen und konnte, dank guter Fotografien, wieder neu geschnitzt werden. Der elf Meter hohe, frühbarocke Altaraufsatz war in den Jahren 1660/1661 von Andreas Schultze aus Torgau geschaffen worden. Verloren gegangen waren die 16 bunten Kirchenfenster während des Luftangriffes im Februar 1945. Vor allem die sieben gleichartigen Fenster im hohen Chor um den Hochaltar stellten etwas Einheitliches dar: Christus mit den Aposteln.

Pfarrer Erich Schmidt hatte in einer Broschüre „Unsere Cottbuser Oberkirche. Aus vergangenen Tagen und neuerer Zeit vorhandene Nachrichten / 1938“ das Gotteshaus vorgestellt. Damit ist uns auch eine schriftliche Quelle dieser Kirche vor seiner Zerstörung erhalten geblieben. Darin werden unter anderem die Glasmalereifenster genau beschrieben. Auf der alten Ansichtskarte sind noch die wunderbaren Ziergitter, die den Altarraum regelrecht einfassen, vorhanden. Sie kündeten von der Schmiedekunst aus vergangenen Zeiten. Der schlichte Taufstein und die Bestuhlung der Kirche, Kanzel, Emporen und Orgel wurden ein Raub der Flammen.

Links im Bild, vor der Säule, steht eine lebensgroße Christusstatue in carrarischem Marmor. Sie stellt den bekannten Thorwaldschen Christus dar, bekannt unter dem Namen „Segnender Christus“. Diese Bezeichnung ist aber falsch. Es ist kein segnender Christus, sondern es ist der Heiland, der seine Hände den Mühseligen und Beladenen entgegen streckt. Zurecht steht auf dem Sockel das Wort aus der Bibel, Matthäus 11, Vers 23: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken. Das Original befindet sich in der Frauenkirche zu Kopenhagen, wo es auf dem Altartisch steht. Zum Beginn des vorigen Jahrhunderts war diese Christusstatue fast ein Modeobjekt. Es gab sie in vielen Ausführungen, Größen und Preisen für jedermann erschwinglich. Der Cottbuser Clemens Ruff, (1845 – 1915) Sprachwissenschaftler und Kunstförderer, Bauherr und Eigentümer der Villa Schwanstraße 10, hatte für das obere Theaterfoyer 1911 die neun Musen gestiftet und gleichzeitig für die Oberkirche St. Nikolai diese Christusstatue. Diese hat den Krieg überlebt und stand Ende der 1940er-Jahre im Altarraum, an der Südseite, der Klosterkirche.

Später wurde die Statue an die Oberkirchgemeinde zurückgegeben. Sie wurde in der Oberkirche sicher, aber nicht mehr sichtbar untergebracht.