Die bunten Rockstreifen fliehen. So viele Perlen, so viele Glöckchen. Wild wellen die Haare. Doch am wildesten rollen die Augen. Lang und spitz dirigiert die Tempeltänzerin mit ihren Fingern die ewige Bewegung. Johannes Zepnick soll der erste Europäer gewesen sein, der die Erlaubnis bekam, in einem Tempel in Indien zu zeichnen. Seine großen Eindrücke hat er versucht, mit kräftigen Pinselstrichen, satten Farben und wilden expressiven Bewegungen zu bändigen. Seine Schönen können sogar Angst machen.

Weicher, zärtlicher malt Regina Zepnick ihre Menschen. Sie sind auch wunderschön und stolz, aber auf den Lippen, in den Augen, in der Haltung steckt dann doch ein Stückchen Entbehrung, die Narbe, Armut. Indien bleibt ein gelebter Traum für das Künstlerpaar, aber sie haben es als Land voller Widersprüche kennengelernt.

Ein kleiner Hund war ihr ständiger Begleiter, er hat mit Johannes Zepnick gezittert, wenn Regina Zepnick den Kleinbus mutig durch Neu-Delhi steuerte. Über 300 verschiedene Farbpigmente soll es in Indien geben. "Zu den besten Farben gehört Indisch Blau. Das ist ein Stein, der sich abreiben lässt", erzählt Johannes Zepnick. Mit Sanda, ihrer Köchin in Kerala hätte Regina Zepnick gern gesprochen. "Die Sprachkenntnisse, die fehlten mir. Es musste mit Mimik und Gestik und mit Englisch gehen", erzählt die Malerin. Das Bild, auf dem sie Sanda porträtierte, ist schon verkauft. Aber in der Ölmalerei "Familie aus Iringal, Kerala" sitzt Sanda in der Mitte zwischen der kleinen Enkelin, der Tochter mit einem Baby und ihrem Mann, der ein Lamm trägt. "Das Lamm steht auch für die Gastfreundschaft, die wir erlebt haben", erklärt Regina Zepnick.

Ansässig ist das Künstlerpaar im erzgebirgischen Reichstädt. In ihrer Galerie "Lilith" zeigen sie realistische Zeitkunst. Seit über zehn Jahren beschäftigen sie sich mit den Zigeunern. Studienreisen führten sie nach Ungarn, nach Andalusien, durch die Türkei, nach Syrien, in den Libanon und nach Jordanien. Sie waren auf Zypern, der Insel der Aphrodite, und besuchten entlang des Balkans osteuropäischen Roma. Zugleich folgten sie der Barockstraße nach Österreich, und sie haben auch schon wunderbare Spreewaldbilder geschaffen. Ihre Studienreise nach Indien 2010/2011 führte sie über die Türkei, den Iran und Pakistan.

Die Bilder der Zepnicks sind mehr als ein überdimensionales Reisetagebuch. Zur Vernissage in dieser Woche konnte die Sparkasse über 300 Gäste begrüßen. Zu sehen sind die Bilder am Breitscheidplatz noch bis zum 19. Dezember.