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| 19:53 Uhr

Uni-Leben
Die BTU kämpft gegen Studentenmangel

Ein fast voller Hörsaal bei der feierlichen Immatrikulation an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg am Montag. Trotzdem: Die Uni hofft, die Studierendenzahlen mit 7600 konstant halten zu können. Vor Jahren hatte der Ex-Präsident von der 10 000er-Marke geträumt.
Ein fast voller Hörsaal bei der feierlichen Immatrikulation an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg am Montag. Trotzdem: Die Uni hofft, die Studierendenzahlen mit 7600 konstant halten zu können. Vor Jahren hatte der Ex-Präsident von der 10 000er-Marke geträumt. FOTO: Michael Helbig
Cottbus/Senftenberg. Die Uni hofft auf eine Gesamtstudierendenzahl von 7600. Ex-Präsident Jörg Steinbach hatte einmal mit 10 000 geliebäugelt. Von Daniel Schauff

Bei seinem Amtsantritt hatte Ex-BTU-Präsident Jörg Steinbach mit 10 000 geliebäugelt. Steinbach ist mittlerweile weg, das Ziel, 10 000 Studierende an den beiden Standorten der Brandenburgischen Technischen Universität zu Akademikern zu machen, ist noch weiter entfernt. Sie gehe davon aus, die Gesamtstudierendenzahl von rund 7600 wieder zu erreichen, sagt die amtierende BTU-Präsidentin Christiane Hipp anlässlich der Immatrikulationsfeier am Montag. Für konkrete Zahlen sei es noch zu früh. „Unsere Bewerbungsfrist für die Bachelor- und Master-Studiengänge endete erst vor wenigen Tagen, am 30. September“, sagt Hipp.  „Viele Zulassungs- und Immatrikulationsverfahren laufen noch“, erklärt die amtierende Präsidentin. Die Uni hatte vor wenigen Wochen die Bewerbungsfrist für die meisten Masterstudiengänge um einen Monat verlängert.

Klar aber ist: Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Zahl der Studierenden in Cottbus und Senftenberg gesunken – und das deutlich. Vor zwei Jahren hatte die BTU noch eine konstante Studierendenzahl von rund 8200 vermeldet. Selbst davon ist die Uni mittlerweile offenbar weit entfernt.

 Imagesache? Leidet die Uni an dem Bild, das in Restdeutschland und in der Welt von Cottbus herrscht – das braune Nest am Rand von Deutschland, in dem Menschen scharenweise gegen Ausländer protestieren? Marita Müller, Sprecherin der BTU, sieht darin kaum einen Grund für den Rückgang der Studierendenzahlen. Gerade die Nachfrage nach Studienplätzen aus dem Ausland sei ungebrochen hoch, sagt sie. Auch ein Blick nach Chemnitz lässt vermuten, dass fremdenfeindliche Demos und ein rechtes Image offenbar kaum Auswirkungen auf Studierendenzahlen haben – die Technische Universität Chemnitz vermeldet zum aktuellen Studienstart einen Anstieg der Studierendenzahlen. Allerdings: Die Chemnitzer Vorfälle sind noch sehr jung, in Cottbus sind die Konflikte bereits zu Beginn des Jahres hochgekocht.

Wohl allerdings habe es die Uni mit ihrem Profil schwerer, Studierende in die Hörsäle zu locken, sagt Marita Müller. Die BTU versteht sich als MINT-Hochschule, ein großer Teil der Studienfächer ist demnach aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Allein deshalb sei die BTU nicht mit Hochschulen wie der Viadrina in Frankfurt (Oder) oder der Universität Potsdam vergleichbar. Einfach neue Studiengänge aufmachen, um Studierende zu rekrutieren, könne die BTU nicht. Am Profil halte die Hochschule fest.

Ein erneuter Blick nach Chemnitz zeigt: Die Philosophische Fakultät ist dort der mit Abstand größte Studierendenmagnet. Von gut 11 000 Studierenden sind über 2000 dort eingeschrieben.

Der BTU fehlt eine Reihe von populären Studiengängen, Anglistik etwa, Germanistik. Dauerbrenner hat aber nach Auskunft von Marita Müller auch die Cottbus-Senftenberger Uni zu bieten: Architektur und Soziale Arbeit etwa seien nach wie vor gut nachgefragt, so gut, dass Soziale Arbeit nur mit einer Zugangsbeschränkung durch einen Numerus Clausus angeboten werden könne. Der noch relativ neue Studiengang Cyber Security habe eingeschlagen „wie eine Bombe“, sagt die BTU-Sprecherin.

Dennoch gehe der demografische Wandel alles andere als spurlos an der Uni vorbei. Junge Menschen in der Region würden immer rarer, sagt Marita Müller. Die, die sich vorstellen können, in der Lausitz zu bleiben, seien „extrem gefragtes Klientel“.

 Die Uni wird zum Konkurrenten fürs Handwerk, für den Mittelstand. Immerhin: Für den Nachwuchs stellt sich die Frage, Geld zu verdienen oder erst einmal zu studieren. Auch da reagiert die BTU, bietet Duale Studiengänge an, mit denen Studierende nicht nur einen akademischen, sondern auch einen Berufsabschluss in der Tasche haben.

Rund 7000 Kontakte mit Schülerinnen und Schülern habe die BTU jährlich in ganz Brandenburg, sagt Marita Müller. Das Ziel: Werbung für die MINT-Fächer und die Uni in Cottbus und Senftenberg. „Wissenschaft trifft Schule“ heißt das Projekt, mit dem die BTU Nachwuchs rekrutieren will.

Das gleiche Ziel hat das College zur Studienvorbereitung. Erst kürzlich hat die Lausitzer Uni eine Kooperation mit der Technischen Universität Berlin vertraglich besiegelt, in deren Rahmen künftige Studierende während ihrer College-Zeit ausgetauscht werden können. Die BTU hofft auch da, Interesse bei noch Unentschlossenen am Studienstandort Cottbus oder Senftenberg zu wecken.

Damit allerdings die Studierendenzahlen wieder nach oben zu korrigieren, sei eine langfristige Geschichte und könne nicht von heute auf morgen geschehen, sagt Marita Müller. In der Qualität der Cottbus-Senftenberger Uni können die sinkenden Studierendenzahlen wohl kaum begründet sein.

 Insbesondere im Fachbereich Informatik würden die Studierenden oftmals gar keinen Masterstudiengang aufnehmen, weil sie bereits mit einem Bachelorabschluss von den Arbeitgebern mit guten und zukunftssicheren Jobangeboten abgeworben würden, sagt BTU-Sprecherin Marita Müller.

Die amtierende Präsidentin Christiane Hipp begrüßt die neuen Studierenden am Montag. Moderiert wird die Veranstaltung von Evangeline Breuer (r.).
Die amtierende Präsidentin Christiane Hipp begrüßt die neuen Studierenden am Montag. Moderiert wird die Veranstaltung von Evangeline Breuer (r.). FOTO: Michael Helbig
Collins Izuchukwu Igboji (M.) ist in diesem Jahr mit dem DAAD-Preis ausgezeichnet worden.
Collins Izuchukwu Igboji (M.) ist in diesem Jahr mit dem DAAD-Preis ausgezeichnet worden. FOTO: Michael Helbig