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| 18:01 Uhr

Bildung
Die BTU: Herausforderung mit Entwicklungspotenzial

Wissenschaftsministerin Martina Münch SPD hat die hauptamtliche Vizepräsidentin der BTU Cottbus-Senftenberg, Prof. Dr. Christiane Hipp (r.), offiziell mit der geschäftsführenden Leitung der BTU beauftragt.
Wissenschaftsministerin Martina Münch SPD hat die hauptamtliche Vizepräsidentin der BTU Cottbus-Senftenberg, Prof. Dr. Christiane Hipp (r.), offiziell mit der geschäftsführenden Leitung der BTU beauftragt. FOTO: Michael Helbig
Wissenschafts- ministerin Martina Münch (SPD) spricht im Interview über die Perspektiven der fusionierten Universität und sagt, welche Qualitäten ein neuer Präsident mitbringen muss.

Der Senat der BTU arbeitet derzeit an der Ausschreibung für das zu besetzende Präsidentenamt. Was sind die wesentlichen Voraussetzungen, die ein Kandidat mitbringen muss? Welche Aufgaben muss er vorrangig in den Blick nehmen? In welchem Zeitraum lässt sich die Position realistisch nachbesetzen?

Münch Ich fange mal mit Ihrer letzten Frage an: Wir wollen natürlich schnellstmöglich einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für Jörg Steinbach finden. Gleichwohl müssen wir die gesetzlich vorgeschriebenen Schritte einhalten. Wir müssen eine Findungskommission einrichten, die Ausschreibung muss auf den Weg gebracht werden, es müssen geeignete Kandidaten ausgewählt werden, diese müssen sich vorstellen und dann steht die Wahl durch den Senat der Universität an – all das wird sich über mehrere Monate hinziehen. Ich finde, wir sollten uns die Zeit nehmen, die es braucht, um eine entsprechende Persönlichkeit für diese wichtige Aufgabe zu finden. Und: Die Hochschule ist gut aufgestellt – Prof. Christiane Hipp wird das Amt geschäftsführend übernehmen und wir haben ein gut eingespieltes Präsidium.

Zu den Voraussetzungen, die ein Kandidat mitbringen muss, will ich mich nicht im Detail äußern – das wird Aufgabe derjenigen sein, die das Auswahlverfahren durchführen. Aber Grundvoraussetzungen für einen solchen Job sind natürlich ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit, Geduld, Hartnäckigkeit und gelegentlich ein dickes Fell . . . Für die Zukunft sehe ich drei wesentliche Herausforderungen: Die begonnene Profilierung stärker voranzutreiben – und dadurch die Forschung auszubauen und für Studierende und Wissenschaftler noch attraktiver zu werden. Und: Weiterhin treibender Motor des Strukturwandels in der Lausitz zu sein. Davon hängen maßgeblich die künftige Innovationskraft, die wirtschaftliche Entwicklung und die Fachkräftesicherung in der Region ab.

Prof. Steinbach galt als Glücksfall, der die BTU in schwierigen Zeiten gut geführt hat. Sein überraschender Wechsel nach Potsdam wird in der Region jedoch auch kritisch gesehen. Motto: Die Landesregierung schätzt den Stellenwert der Universität nicht hoch genug ein, zieht deshalb Führungspersonal ab.

Münch Richtig ist: Jörg Steinbach hat als hoch engagierter Präsident der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg das Zusammenwachsen der Hochschule maßgeblich gestaltet und dabei die Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft deutlich vorangetrieben. Die BTU wurde dadurch zu einem Zentrum der Strukturentwicklung in der Lausitz – und das Thema ist einer der Schwerpunkte der Wirtschaftspolitik des Landes. Jörg Steinbach ist daher eine hervorragende Wahl als Wirtschaftsminister – und dass er ausgewählt wurde, ist ein starkes Signal für die gesamte Lausitz und wird die Region insgesamt stärken. Davon wird auch die BTU profitieren.

Die BTU nach der Fusion wird national und international sehr differenziert wahrgenommen, nicht überall gilt das Modell als Erfolg. In der akademischen Welt wird weiterhin der „wissenschaftliche“ Wert einer kombinierten Universität angezweifelt. Wie ist Ihre Einschätzung?

Münch Ich nehme das ganz anders wahr. Viele schauen mit großem Interesse auf die Hochschule und ihre Entwicklung in den vergangenen Jahren. Die BTU ist in ihrer jetzigen Struktur wissenschaftlich sehr leistungsfähig und durch ihre Stärke in der anwendungsnahen Forschung genau das richtige Modell für eine Region, die auf eine Universität angewiesen ist, die Verantwortung übernimmt für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung vor Ort.

Und es gibt erste Erfolge: Der Start des ersten Fraunhofer-Institutsteils an der BTU Anfang des Jahres und die im Frühling bekannt gegebene Fortsetzung der Förderung eines Graduiertenkollegs der Deutschen Forschungsgemeinschaft sind eindrückliche Belege für die zunehmende Forschungsstärke der Hochschule. Ebenso wichtig war der Erfolg beim Bundesprogramm „Innovative Hochschule“ – gemeinsam mit der Technischen Hochschule Wildau. Dadurch konnte die Universität erhebliche zusätzliche Mittel einwerben, um Kooperationsvorhaben mit der Wirtschaft zu flankieren. Auch im Bereich Energieversorgung, Energieeffizienz und Energienachhaltigkeit oder beim Aufbau des brandenburgischen Gesundheitscampus spielt die BTU eine tragende Rolle. Genau dieses Profil einer Universität, die überregional sichtbar und leistungsfähig, zugleich aber der Partner der Region ist, wollen wir weiter ausbauen.

Dabei unterstützen wir die Hochschule auch tatkräftig – der jährliche Landeszuschuss beträgt knapp 90 Millionen Euro. Damit ist die BTU auch im Vergleich zu anderen Hochschulen finanziell hervorragend ausgestattet.

 Insbesondere in puncto Studierendenzahlen und DFG-Mitgliedschaft hinkt die BTU hinter ihren eigenen Erwartungen zurück. Was sollte die Uni tun, um hier stärker zu werden?

Münch Hier gibt es in der Tat noch Entwicklungspotenzial. Allerdings muss man – was die Forschung angeht – sehen, dass Strukturentscheidungen und Profilschärfungen in der Wissenschaft erst nach einiger Zeit greifen können. Zum Beispiel konnte die Universität in den letzten Jahren viele Professorinnen und Professoren neu berufen. Da ist ein großes Potenzial, das zu neuen Forschungsvorhaben führen wird. Bei der Studierendengewinnung ist die BTU auf dem richtigen Weg. Gerade erst wurde das Orientierungsstudium College plus vom „Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft“ als Hochschulperle des Monats ausgezeichnet.

Ich bin davon überzeugt: Die BTU Cottbus-Senftenberg ist ein Ort zum Lernen, Forschen und Wohlfühlen. Sie verbindet regionale Vorzüge Brandenburgs mit höchsten wissenschaftlichen Standards und einer sehr guten Betreuungsrelation. Das lockt nicht nur junge Leute aus Deutschland, sondern aus allen Teilen der Welt hierher: Rund 2000 Studierende aus mehr als 100 verschiedenen Nationen leben und studieren in Cottbus und Senftenberg. Diese Internationalität und kulturelle Vielfalt beleben und stärken die Region – und wir alle haben die Verantwortung, dass dieses Miteinander nicht verloren geht. Weltoffenheit und das Gefühl, dass Kreative willkommen sind, sind in der Wissenschaft entscheidende Standortvorteile.

Mit Martina Münch Sprach
Andrea Hilscher