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| 10:11 Uhr

Strukturwandel in der Lausitz
Lausitzer Universität dramatisch unterfinanziert

 Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und Bundesumweltministerin Svenja Schulze (beide SPD) haben der BTU Cottbus-Senftenberg im vergangenen Landtagswahlkampf eine große Zukunft versprochen.
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und Bundesumweltministerin Svenja Schulze (beide SPD) haben der BTU Cottbus-Senftenberg im vergangenen Landtagswahlkampf eine große Zukunft versprochen. FOTO: ZB / Patrick Pleul
Cottbus. Die BTU Cottbus-Senftenberg soll eine Schlüsselrolle beim Strukturwandel in der Lausitz übernehmen. Das wollen die Uni selbst und auch die Regierenden in Brandenburg. Dass der große Plan aber dauerhaft viel Geld kostet, haben die bisher konsequent verdrängt. Von Jan Siegel

Die Brandenburgische Technische Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg ist für die Erfüllung ihrer Steuerungsfunktion im Lausitzer Strukturwandel dramatisch unterfinanziert. Darauf hat der scheidende Kanzler der BTU, Peter Lange, hingewiesen. Lange gibt sein Amt in dieser Woche ab.

In den kommenden Jahren sollen sich insgesamt sechs neue, externe Institute und Kompetenzzentren in und rund um die Lausitzer Uni ansiedeln. Dazu kommen neue Forschungsfelder für die BTU selbst. Dabei verfügt die Lausitzer Universität über einen Gesamtetat von rund 92 Millionen Euro pro Jahr. „Wenn die Universität ihre Rolle im Strukturwandel erfüllen soll, sind mindestens 105 Millionen Euro jährlich notwendig“, sagte Peter Lange.

 Peter Lange. Der scheidende Kanzler der BTU macht auf die prekäre finanzielle Situation der Lausitzer Uni aufmerksam.
Peter Lange. Der scheidende Kanzler der BTU macht auf die prekäre finanzielle Situation der Lausitzer Uni aufmerksam. FOTO: LR / Jan Siegel

Schmerzhafter Umbau an der Uni

Das Grundproblem der BTU sind in erster Linie finanzielle Umbau-Schmerzen. Seit der Fusion der Universität Cottbus mit der Fachhochschule Lausitz im Jahr 2013 ist etwa ein Drittel der insgesamt 150 Professoren neu berufen worden. Nicht alle bestehenden Professuren passen zur angepeilten Neuausrichtung der BTU. Die Inhaber haben meist unbefristete Verträge und ein verbrieftes Recht auf Weiterbeschäftigung. Für weiteren personellen Umbau fehle daher in zu vielen Fällen das Geld. Wobei die Personalkosten nur ein Aspekt sind. Vor allem technische Fachrichten erfordern teilweise millionenschwere Investitionen, die im Zuge des Uni-Umbaus realisiert werden.

Die BTU Cottbus-Senftenberg soll sich zum wissenschaftlichen Zentrum und Koordinator für den Strukturwandel in der Lausitz entwickeln. Darauf schauen neben den Einrichtungen der Spitzenforschung, die in der Lausitz angesiedelt werden sollen, auch die Stadt Cottbus und das Carl-Thiem-Klinikum.

Warum die Uni noch viel wichtiger wird

„Wir setzen auf eine enge Kooperation mit der BTU, weil wir wissen, wir müssen uns selbst helfen im Wandel, dann wird uns auch geholfen“, sagt der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU). Wichtig werde sein, dass die vielen Ankündigungen und Pläne zügig Realität würden, und so neue Arbeitsplätze und Rahmenbedingungen für weitere Ansiedlungen entstünden.

Das Thiem-Klinikum baut auf die BTU beim Ausbau des Hauses zum digitalen Leitkrankenhaus für die moderne medizinische Versorgung in der Region. Gleichzeitig soll das Klinikum zur Ausbildungsbasis für die erste staatliche Mediziner-Ausbildung in Brandenburg werden.

 Neues Forschungszentrum: Dort sollen ab Ende 2020 neue Leichtbau- und Verbundwerkstoffe entwickelt werden.
Neues Forschungszentrum: Dort sollen ab Ende 2020 neue Leichtbau- und Verbundwerkstoffe entwickelt werden. FOTO: LR / Jan Siegel

Herausforderung für eine neue Landesregierung

„Der Landesregierung muss klar sein, das kostet auch künftig viel Geld“, sagt der scheidende Kanzler Peter Lange. Dabei schaut er auch auf die bald anlaufenden Koalitionsverhandlungen zur Bildung einer neuen Regierung in Brandenburg. Denen, die das Land künftig führen, sollte möglichst frühzeitig klar werden, dass ein „Weiter so!“ nicht ausreichen werde.

Wenn die Mittel für die Hochschule nicht dauerhaft aufgestockt würden, sei sie selbst kaum mehr „handlungsfähig“. Die moderaten Steigerungen der Mittelzuweisungen in den zurückliegenden Jahren seien komplett von Tarifsteigerungen im Öffentlichen Dienst aufgefressen worden.

Auf dem Zentralcampus der BTU wird schon jetzt viel gebaut. Derzeit entstehen ein neues Anwendungszentrum für Fluiddynamik und ein neues Forschungszentrum für die Materialien der Zukunft. Von dem profitieren soll auch die Lausitzer Wirtschaft, die schon längst mit den Materialforschern der BTU intensiv kooperiert. Die beiden Neubauten sollen in diesem und im nächsten Jahr bereits fertiggestellt werden.

Weichenstellung für die Zukunft

Weitere acht Vorhaben für den Um- und Neubau auf dem Campus sind in Vorbereitung. Um sie gemeinsam mit den externen Instituten der Fraunhofer-Gesellschaft und des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrtforschung (DLR) und den vom Bund geförderten neuen Kompetenzzentren mit Leben zu füllen, muss die BTU vor allem personell aufrüsten.

In Sachen BTU-Finanzierung sind die Weichen derzeit noch nicht in Richtung Zukunft gestellt.

Kommentar: Forschen am Existenzminimum