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| 15:45 Uhr

Buchlesung
Die Awo streikt in Westpreußen

Der Kolkwitzer Gerhard Zilz signiert den Zuhörern gern sein Buch.
Der Kolkwitzer Gerhard Zilz signiert den Zuhörern gern sein Buch. FOTO: Marion Hirche
Kolkwitz . Der Kolkwitzer Autor Gerhard Zilz hat „Mein Priorgraben“ fortgeschrieben und jetzt vorgestellt. Von Marion Hirche

Mehr als 100 Freunde, Verwandte und Gäste haben es sich nicht nehmen lassen, Gerhard Zilz im Kolkwitz-Center  zu lauschen. Er hat seine Fortsetzungsbücher von „Mein Priorgraben“ vorgestellt. „Viele Leser haben mich gefragt, nachdem ich das Buch mit meinen Kindheits- und Jugenderinnerungen veröffentlicht hatte, ob es eine Fortsetzung gibt. Daran hatte ich zunächst nicht gedacht“, erzählt er. Aber er lebe nun mal schon seit 1934 hier in Kolkwitz am Priorgraben. „In dem Haus hatte ich immer Platz, Vieles aufzubewahren. Ich habe gesammelt. Und so habe ich angefangen, in meinen Schätzen nachzuschauen. 2012 habe ich  wieder begonnen zu schreiben“,  berichtet der 83-Jährige. 1400 Seiten sind es am Ende geworden: über die Jahre vom Beginn des Berufslebens von 1958 bis 1965.

Tagebuch-Aufzeichnungen waren dem Kolkwitzer dabei eine wichtige Hilfe. Allerdings sagten Freunde des Autors, dass das zu umfangreich sei. Und so  startete Gerhard Zilz  eine große Streichaktion, die ihn ein Jahr beschäftigt hat. Am Ende sind es  800 Seiten Text und 84 Abbildungen geworden, die nun in Band II und Band III von „Mein Priorgraben – Erinnerungen an Stationen meines Lebens“ erschienen sind. Sein Nachbar und Freund Dieter Schiemenz hat für den Druck gesorgt.

Bei der Präsentation  verriet der Senior, wann er geschrieben hat: „Ich bin ein Frühaufsteher, und so habe ich meist schon vor dem Frühstück gearbeitet. Und wenn meine Frau dann den fertigen Kaffee ankündigte, musste sie oft warten, weil ich gerade so vertieft im Notieren war. Ich entschuldige mich dafür heute ganz offiziell“, sagt er schmunzelnd.

Nach der Schilderung der Beweggründe für die beiden nahtlosen Fortsetzungen des ersten Teiles, gab der Kolkwitzer noch Auszüge aus den Neuerscheinungen zum besten. Er las vor, wie er am 22. Februar 1959 bei einem Schülerball im Cottbuser Pionierhaus seine zukünftige Frau Ingrid kennenlernte. Die Geschichte über die  Tour des Ehepaares Zilz nach Westpreußen, um dort die Verwandtschaft seines  inzwischen verstorbenen Vaters erstmals nach dem Krieg 1963 zu besuchen, stellte er ebenfalls vor: „Wir fuhren mit der Sport-Awo, was wohl schon allein ein Abenteuer bedeutete. Als dann aber das Motorrad in Polen auch noch kaputt ging, war guter Rat teuer. Die Kurbelwelle war hin. Ersatzteile gab es nur in Deutschland. In der Werkstatt muss man mir dann wohl meine Verzweiflung angesehen haben, sodass der Monteur anbot, eine Ersatzkurbelwelle zu schmieden. Und das klappte“.

Gerhard Zilz betont, dass er mit seinen Büchern auch bekannten Menschen ein Denkmal setzen will. So berichtet er bei der Buchvorstellung auch vom Lehrerkollegen Otto Mewes, der stets einen Witz auf den Lippen hatte.

Die Veranstaltung wurde  von Gabriele Hubert eröffnet. Die Bibliothekarin von Kolkwitz brachte ihre Freude zum Ausdruck, dass  ein Kolkwitzer Autor wieder ein neues Werk vorlegt und  sagte: „ Gerhard Zilz hat schon mit dem Buch über die 700-jährige Geschichte von Kolkwitz einen wertvollen Beitrag für unsere Großgemeinde geleistet. Aber das jetzige Werk  erzählt so viel persönliche Kolkwitzer Geschichte, ich habe  es mit großer Freude gelesen.“ Zu den Gästen der Buchpremiere gehörten auch vier Schüler aus der ersten Klasse, die Zilz als Junglehrer leitete. Wir fanden unseren Lehrer ganz toll, sind bis heute befreundet, haben regelmäßig Klassentreffen“, erzählt Gerhard stellvertretend für seine anderen Klassenkameraden. Hier war übrigens zu merken, dass der Autor sein Lehrerverhalten noch nicht ganz abgelegt hat, er forderte Gerhard  zum Aufstehen beim Reden auf.

Viele Zuhörer kauften die beiden neuen Zilz-Bücher, der Autor  hatte mit dem Signieren zu tun. „Gerhard Zilz war ein guter Lehrer. In seinem Geographieunterricht hat man auch erfahren, wo die Bodenschätze im Saarland liegen“,  offenbarte der Kolkwitzer Rolf Otter im Gespräch nach der Lesung sein Motiv, an der Veranstaltung teilzunhemen.  Ulrike Volcsik war auch da: „ Wir sind Bekannte und waren neugierig auf die Fortsetzung.“