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| 14:57 Uhr

Cottbus früher und heute
Die Anlagen am Luckauer Wall

Gerade erst gebaut war 1910 das prächtige Haus.
Gerade erst gebaut war 1910 das prächtige Haus. FOTO: Hans Krause
Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch erzählt die Geschichte des Enkebrunnens anhand einer historischen Postkarte. Sie stammt aus der Sammlung von Hans Krause. Von Dora und Heinrich Liersch

Diese im Original farbig kolorierte Postkarte ist im Jahre 1910 verschickt worden. Das Motiv ist uns vertraut, allerdings hat sich die Umgebung stark verändert und der Begriff „Luckauer Wall“ ist den heutigen Cottbusern kaum noch bekannt. Die Klosterstraße, links auf der Ansichtskarte, war nicht nur viel schmaler, sondern sie führte auch noch weiter nach Westen. Heute ist es der Weg vorbei an der Friedenstaube über die Straßenbahngleise auf den Stadthallenvorplatz.

Das markante Eckgebäude, das Mietwohnhaus Töpferstraße 2/2a war in den Jahren 1906/1907 erbaut worden und die Grünanlage mit dem Pavillon konnte bereits im Herbst 1906 der Bevölkerung übergeben werden.

Somit waren diese Objekte erst wenige Jahre alt, als die Karte hergestellt wurde. Bauherr des Mietwohnhauses war der Kaufmann Max Wagner, der Inhaber der Eisenhandlung Rudolf Wagner an der Ecke Berliner Straße, Mauerstraße. Die Bauausführung lag in den Händen des Baugeschäftes Hermann Pabel & Co.

In der Denkmaltopographie der Stadt Cottbus von Irmgard Ackermann wird das Haus ausführlich beschrieben. Darin heißt es: „Im Innern des Hauses große Teile der früheren Grundrissstruktur sowie zahlreiche Bau- und Ausstattungsdetails erhalten. Die großbürgerlichen Acht-Zimmer-Wohnungen für gehobene Ansprüche über repräsentative Haupttreppenanlage mit hölzernem Stabgeländer erschlossen, die Treppenfenster mit Farbverglasung. In den Wohnungen zahlreiche aufwändig reliefierte Türen. Eine Seltenheit im umfangreichen Bestand Cottbuser Mietshausarchitektur die vielfältigen, in den einzelnen Repräsentationsräumen noch fast vollständigen bauzeitlichen Deckenstuckaturen (filigran, gearbeitete lineare, geometrische, oder florale, häufig vom Jugendstil beeinflusste Formen).“

Soviel zur erhaltenen Innenausstattung, die einmal zum Tag des offenen Denkmals auch besichtigt werden konnte. Das Haus mit dem Haupteingang und den beiden Dienstbotenaufgängen an dieser markanten Straßenbiegung, die Ursprüngliche Münzstraße 27, ist ein besonders prächtiges Gebäude mit vielen dem Jugendstil entlehnten Stuckverzierungen. Hier sollte man sich Zeit nehmen, um die Vielfalt der architektonischen Gestaltung genauer zu betrachten.

Im Laufe der Jahrzehnte wechselten die Besitzer des Gebäudes. Im Jahre 1932 erfolgte eine Teilung der Wohnungen, wobei einige nur über die Dienstbotenaufgänge erreichbar waren. 1982 erfolgte die Fassadensanierung und um 1999 die Dachsanierung mit dem Ausbau eines weiteren Wohngeschosses ohne Aufstockung. Inzwischen verfügt das Haus über einen geschickt eingebauten Fahrstuhl neben dem Haupttreppenhaus.

Auf der Ansichtskarte sind zwischen dem Japanischen Pavillon und der Töpferstraße 2/2a noch die über die Stadtmauer errichteten kleinen alten Wohnhäuser zu sehen. Diese Häuschen sind im Zuge der Stadtmauerfreilegung und Sanierung um 1981/1982 abgerissen worden. Die Geschichte des Japanischen Pavillons wird bei einer der nächsten alten Ansichtskarten in der Serie „Cottbus früher & heute“ erzählt werden.

Noch heute ist das Gebäude ein Blickfang in Cottbus.
Noch heute ist das Gebäude ein Blickfang in Cottbus. FOTO: Liersch Dora und Heinrich / Dora und Heinrich Liersch
2c Cottbus Früher Heute
2c Cottbus Früher Heute FOTO: LR / Schubert, Sebastian